Braunbär verfolgte Wanderer

Bären-Abschuss im Trentino: Reinhold Messner befürwortet Tötung

Der Braunbär M90 galt als sogenannter "Problembär": Er hielt sich mit Vorliebe in der Nähe von Städten auf und verfolgte verängstigte Wanderer. Ohne dass es tatsächlich zu einem Zwischenfall kam, wurde die Genehmigung zum Abschuss erteilt. Reinhold Messner sprach sich für die Entnahme aus, Umweltschützer kritisieren die Entscheidung.

Bären-Abschuss im Trentino: Reinhold Messner befürwortet Tötung
© IMAGO / Revierfoto

Update vom 09.02.2024: Reinhold Messner befürwortet Entnahme

Wie die italienische Zeitung La Stampa berichtet, sprach sich der Extrembergsteiger für die Verkleinerung der Bärenpopulation im Trentino aus. Diese sei schlichtweg zu groß geworden. "Ich stehe der Welt der Landwirte nahe, die jetzt das Problem der großen Raubtiere haben, vom Bären bis zum Wolf. Der Bär braucht Fläche, es gibt zu viele von ihnen", äußerte sich der Südtiroler im Interview.

Steht den Raubtieren nicht ausreichend Platz für Reviere zur Verfügung, werden sie gefährlich und suchen die Nähe des Menschen. Das Problem sei das Zusammenleben mit den Raubtieren, so Messner. Ferner gab der 79-Jährige an, bereits Drohbriefe wegen dieser Haltung bekommen zu haben.

Abschuss im Trentino: Braunbär verfolgte Wanderer

Der zweieinhalb Jahre alte Bär aus der Provinz Trentino wurde durch Mitarbeiter der örtlichen Forstbehörden geschossen, teilte die Landesregierung mit. Sein Verhalten gegenüber Menschen habe sich durch "ausgeprägtes Vertrauen" bemerkbar gemacht.

Häufig wurde der Bär in der Nähe von Städten beobachtet. Nicht selten verfolgte er auch Menschen, zuletzt zwei Wanderer. Über mehr als 500 Meter lief er dem verängstigten Duo nach. Dies gab wohl den Ausschlag für den Abschuss. Regionalpräsident Maurizio Fugatti hatte die Genehmigung erteilt.

Zuvor hatte das Institut für Naturschutz und Umweltforschung (ISPRA) die Notwendigkeit zur "Entfernung" bestätigt. Identifiziert wurde das Raubtier durch ein Funkhalsband und Markierungen an den Ohren.

Kritik am Abschuss: Umweltschützer protestierten

Kritik am "Abschuss ohne Grund" kam von diversen Umweltverbänden, die einen gerichtlichen Aufschub hatten erwirken wollen. Auch der italienische Umweltminister Gilberto Pichetto Fratin bezweifelte in einer Erklärung die Notwendigkeit der sofortigen Tötung. 

Die stark wachsende Bärenpopulation sorgt bereits seit mehreren Jahren für wachsende Konflikte zwischen Tierschützern und Behörden. Besonders hohe Wellen schlug ein Vorfall im vergangenen April, als ein Jogger von einem Bären attackiert und getötet worden war. 

Lange war der Bär in der norditalienischen Region bedroht, weshalb zwischen 1996 und 2004 über das Programm "Life Ursus" Tiere in geschützen Gebieten angesiedelt wurden. 50 Bären waren ursprünglich geplant, diese Zahl ist jedoch längst überschritten. Bis zu 200 wurden bei der letzten Zählung erfasst.

Bärenbegegnung: Verhaltensregeln für den Ernstfall

So verhaltet ihr Euch, wenn ihr auf einen Bären trefft (Quelle: LfU):

  • Zeigt Respekt und haltet Abstand

  • Bleibt möglichst ruhig und gelassen

  • Bleibt stehen und macht den Bären durch ruhiges Sprechen und langsame Armbewegungen auf euch aufmerksam.

  • Rennt nicht weg und nähert euch dem Tier nicht

  • Stellt dem Tier nicht nach und lasst es in Ruhe, sonst könnte sich der Bär bedrängt fühlen und ggf. angreifen/sich verteidigen

  • Versucht nicht, den Bären zu vertreiben, indem ihr Steine, Stöcke oder Ähnliches nach ihm werft

  • Behaltet den Bären im Auge und tretet langsam den Rückzug an. Lasst dem Bären eine Ausweichmöglichkeit

Zahlen und Fakten rund um die Tiere der Alpen lest ihr in unserer Bildergalerie:

3 Kommentare

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Walter J. Kovacs

Das Orakel von Schloss Juval. Heute dies, morgen das. Mal Umweltschützer, mal Tourismusmanager, der halb Asien nach Südtirol holen will, heute angeblich Bauer. Wonach entscheidet RM eigentlich, was er an welchem Tag so von sich gibt. Jedenfalls muss halt der Bär dran glauben. Kann sich RM ohne die Positionierung nicht mehr am Stammtisch sehen lassen oder braucht er noch ein Bärenfell für eines seiner Touri-Museen?

A.

Leidtragende sind vor allem auch die Bären. Aber das zu erkennen ist den Menschen, sich selbst für die einzig wahre Lebensform haltend, wohl leider nicht möglich.
Wir sind nicht die einzigen Lebewesen, die ein Recht auf Leben haben.

myntt

Völliger Wahnsinn! Anders kann man den Umgang mit Braunbären in Italien nicht beschreiben. In Ländern wie Kanada z. B. wird der Bevölkerung von Kindheit an vermittelt warum Bären gefährlich sind und wie man sich zu verhalten hat. Grundschulkinder lernen den Umgang mit Bärenspray. Jedem Urlauber wird nahegelegt sich Bärenspray zu kaufen, in manchen Nationalparks ist es sogar Pflicht. Problematische Bären, die die Angst vor den Menschen verloren haben werden geschossen und das ist auch eine normale Verfahrensweise um Unfälle zu vermeiden.

In Trentino haben wir also die folgende Situation:

- Braunbär wird wiedereingeführt, Population explodiert und kann nicht kontrolliert wachsen
- Ein dichtbesiedeltes Gebiet wo es nicht genügend Rückzugsorte für die Bären gibt -> Reibungen sind vorprogrammiert
- Keinerlei Grundverständniss bei der Bevölkerung und Touristen, da es ja lange keine Bären gab
- Bärenspray ist illegal! Erst im Sommer 2023 wurde es für z. B. Förster freigegeben. Alle anderen in der Region sind den Bären jedoch schutzlos ausgeliefert
- "Umweltorganisationen" mit einem völlig fehlenden Grundverständniss für den Umgang zwischen Mensch und Bär. Das schießen von bekannten Problembären die schon einen Menschen verletzt bzw. getötet haben wird sogar noch verhindert.
- Den Touristen vermittelt man das ganze kaum, ich war letztes Jahr selber dort und es ist unglaublich wie über diese Gefahr nicht aufgeklärt wird.

Letztendlich ist es einfach ein komplettes Versagen auf allen Ebenen. Ursus Life ist völlig aus dem Ruder gelaufen und hatte auch nie eine Chance weil die Grundlage zwischen zusammenleben von Mensch und Bär niemals gelegt wurde.

Andere Länder wie z. B. Kanada und die USA würden nur entsetzt und ungläubig auf das ganze schauen. Leidtragende sind leider die Bevölkerung und Touristen die täglich solch einem Risiko schutzlos ausgesetzt sind.