Der Deutsche Alpenverein kritisiert unter anderem Neubauten im Landschaftsschutzgebiet, ein mangelhaftes Mobilitätskonzept sowie die geplante Beschneiungsanlage. Das Projekt wird aber nicht grundlegend abgelehnt.

Von 2017 bis 2019 standen die Skilifte am Grünten still, der Betrieb in dem niedrig gelegenen Skigebiet hatte sich nicht mehr gelohnt. Nach Übernahme durch die BergWelt GmbH & Co. KG wurde der Liftbetrieb an den teils veralteten Anlagen 2019 wieder aufgenommen, nun soll das Skigebiet umfassend modernisiert und auch für den Sommertourismus ausgebaut werden. 

"Grundsätzlich ist gegen eine Förderung des Tourismus nichts einzuwenden", betont Steffen Reich, Leiter des Ressorts Naturschutz und Kartografie beim DAV, "aber mit den vorliegenden Ausbauplänen der Unternehmerfamilie Hagenauer sind noch zu große Eingriffe in Natur und Landschaft verbunden".

Die Pläne sehen eine 10er-Gondel im ganzjährigen Betrieb inklusive neuer Talstation und Parkhaus vor, zusätzlich Gastronomie an zwei Standorten im Bereich der Bergstation sowie einen neu gebauten Weg mit Beschneiungsanlage, der im Winter als Rodelbahn genutzt werden soll.

Grünten: Eingriffe im Landschaftsschutzgebiet

Einer der zentralen Kritikpunkte des DAV ist die Versiegelung neuer Flächen im Landschaftsschutzgebiet. „Für uns ist schwer nachvollziehbar, warum die Planungen nicht die bereits bebauten Flächen nutzen. 

Für die Gondel soll eine neue Trasse angelegt werden, der Parkplatz, ein Parkhaus und die Talstation der Bahn sind an einem neuen Standort geplant. Das bedeutet unnötige Rodungen und Flächenversiegelungen – und das in einem Landschaftsschutzgebiet“, erklärt Steffen Reich.

Grünten: Mangelndes Mobilitätskonzept

Aus Sicht des DAV fehlt bislang ein umfassendes Konzept zur Besucherlenkung, zumal mit einem Seilbahn-Sommerbetrieb noch mehr Menschen auch in der Gipfelregion des Grüntens unterwegs sein werden. Nach Ansicht des DAV bestünde schon heute großer Handlungsbedarf, die Wanderwege zu sanieren und Erholungsuchende naturverträglich zu lenken.

"Wir sind außerdem überzeugt, dass immer mehr Parkplätze nicht die Lösung sind. In Zeiten des Klimawandels brauchen wir Optionen für eine klimafreundliche Anreise!", unterstreicht Steffen Reich. Eine bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr – beispielsweise durch Shuttle-Dienste vom Bahnhof Immenstadt - sowie eine Förderung von Sharing-Angeboten vor Ort wäre aus Sicht des Deutschen Alpenvereins eine wünschenswerte Mobilitätsplanung.

Grünten: Technische Beschneiung nicht zukunftsfähig

Der Grünten als "Wächter des Allgäus" ist einer der am weitesten nördlich gelegenen Gipfel der Allgäuer Alpen. Durch diese Lage ist er milden Westwinden besonders ausgesetzt, Wärmeeinbrüche im Winter sind schon jetzt keine Seltenheit mehr. Der voranschreitende Klimawandel wird dieses Phänomen weiter verstärken, ist sich der DAV sicher. 

Hinzu kommt die vergleichsweise niedrige Lage des Skigebiets am 1738 Meter hohen Grünten. „Künstliche Beschneiung ist dort weder ökologisch noch ökonomisch vertretbar“, schlussfolgert Steffen Reich.

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