Steuerberater aus Grafing verlangt nach Unfall Schmerzensgeld und Schadensersatz in Millionenhöhe.

Rückblende: Nach einer Tour auf die Benediktenwand, die der Grafinger im Oktober 2016 mit einem Freund unternommen hatte, übernachteten beide Männer auf der Tutzinger Hütte. Gegen Mitternacht musste der heute 48-Jährige auf die Toilette. Bei der Rückkehr verwechselte er eine speziell gekennzeichnete Fluchttür mit der Tür seines Zimmers - und stürzte in der Folge über drei Meter in die Tiefe. 

Bei dem Sturz brach sich der Wanderer mehrere Wirbel. Obwohl der Verunglückte umgehend in eine Unfallklinik nach Murnau geflogen und dort operiert wurde, konnte eine Querschnittslähmung nicht verhindert werden. 

Da bei dem Notausgang ein Geländer fehlte, machte der Grafinger den Alpenverein und den Hüttenwirt für den Sturz verantwortlich. Der Steuerberater, der seit dem Unfall seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, verklagte die Sektion Tutzing und den Hüttenpächter daher auf 280.000 Euro Schmerzensgeld und Schadenersatz in Höhe von rund 1,3 Millionen Euro.

In erster Instanz wurde dem Familienvater im Juli 2019 vom Langericht München II 60 Prozent Schadenersatz zugesprochen; gleichwohl sahen die Richter auch eine Mitschuld bei dem Kläger, da dieser zum Zeitpunkt des Unfalls stark alkoholisiert gewesen sei und die Kennzeichnung der Fluchttür nicht beachtet habe. Da beide Seiten in Berufung gingen, wird der Fall jetzt in zweiter Instanz vor dem Oberlandesgericht verhandelt. 

In der Neuauflage des Verfahrens stuften die Richter die Mitverantwortung für den Unfall seitens des Klägers nun wesentlich höher ein; sie liege bei 80 - 90 Prozent; der damalige Hüttenwirt könne lediglich für das fehlende Geländer verantwortlich gemacht werden. 

Das Oberlandesgericht hat einen Vergleich vorgeschlagen. Alpenverein und Hüttenwürt müssten demnach 15 Prozent der Klagesumme, also rund 200.000 Euro, tragen. Sollten sich beide Seiten nicht einigen können, würde im September der Senat urteilen.

Wir möchten euch bitten, bei den Kommentaren auf die Netiquette zu achten. Bleibt sachlich, wahrt die Regeln der Höflichkeit und respektiert die Meinung anderer. Diffamierende oder beleidigende Beiträge werden von uns nicht veröffentlicht. Kommentare auf alpin.de geben stets ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors, der jeweiligen Autorin wieder, nicht die der ALPIN-Redaktion.

27 Kommentare

Kommentar schreiben
KravleNisse

Fehlende Geländer heißt fehlende Sicherheitsmaßnahme die auch ins Gebirgshütten, von DAV, zu erfüllen sind.
Ebenso gefährlich ist aber auch ein derartig besoffene Besucher, dass er sich offensichtlich nicht mehr sicher orientieren kann.

Wieso kann ein Querschnittgelähmte Bürokrat nicht weiterhin sein komfortable Arbeit nachgehen?
Ein bisschen Realitätsferne Stadtmenschverhalten zeigt sich schon in diese Geschichte...

Möge Er trotz allem weiter im Leben kommen

Marina

Ich frage mich gerade, warum ein Querschnittsgelähmter seinen Steuerberater Job nicht mehr ausüben kann...? Das ist doch weit hergeholt. Das ist das eine und das andere: wäre er nicht querschnittsgelähmt, sondern mit einem blauen Auge davon gekommen, wäre es ihm dieser Vorfall wahrscheinlich sogar peinlich.

kettcar

Auf so eine Idee kann auch nur ein Steuerberater aus dem Münchner Speckgürtel kommen.

Sam

Meiner Meinung nach trifft den Hüttenwirt die Schuld. Ein Kind könnte die Türen auch verwechseln. Genauso eine Person die schlaftrunken die Türen verwechselt und da runter stürzt. Der Alkohol spielt natürlich eine Rolle aber damit muss man rechnen wenn man solch eine Hütte betreibt. Wenn das fehlende Geländer keine Gefahr darstellt dann könnte man es auch weiterhin weglassen.

Walter

Wenn wanderer auf der alm hütte übernachtet muss er die verantwortung selber tragen überhaupt wenn man alkoholisiert ist und nicht der Hüttenwirt. SCHILD WAR DA ABER KEIN GELÄNDER DER WANDERER IST DAHER SELBER SCHULD ALKOHOL.... Ich gehe selbst viel am BERG.

Helge

Also, angesoffen irgendwo hinunterfallen kann man nicht einem anderen Umstand zuschieben.
Wenn dieser Wanderer ein Geländer braucht, dann darf er nicht in die Berge - dort gibt es normalerweise kein Geländer !!
Und wenn er nicht lesen kann, dann muß er erst recht zu Hause bleiben.
Also,- es ist eine Sauerei, eine Unverschämtheit, empörend und ungustiös, wenn dieser Mann sein Fehlverhalten einem Anderen in die Schuhe schieben will.
Er trage die Folgen für sein Verhalten selbst !!

MaLo

Es gibt klare Regeln für die Berge: jeder hat seine Verantwortung und jeder sollte auch die Schwächeren beachten und notfalls stärken, aber nicht mit Alkohol

Mini

Es gibt ganz klare bauliche Vorschriften die auch auf Hütten einzuhalten sind. Die würden gemacht, um genau solche Fälle zu verhindern.
Der Wirt verdient sein Geld mit dem Verkauf alkoholischer Getränke.

Also ich sehe da schon eine Mitschuld. Wie hoch die einzustufen ist kann ich nicht beurteilen. Ich möchte hier kein Richter sein.

Bergfreund

Servus,
Wenn das Geländer überhaupt für den sicheren Gang durch die Hütte und das Gelände nötig ist, dann wäre das Fehlen des Geländer wohl schon vor dem Alkoholmissbrauch aufgefallen.
Koordinative Fähigkeiten und adäquate persönliche Eigenschaften vorausgesetzt, weiß der, der es auf den Berg schafft, wie man sich auf diesem verhält.
Der Verletzte besitzt diese Qualitäten mutmaßlich nicht, musste bitter dafür bezahlen und sollte nun NICHT andere für sein Fehlverhalten zahlen lassen.
Der Berg ruft-Charlie

Robbie8w

Schwieriger Fall. Hätte man ihm weniger zu trinken gegeben... Wohl nicht. Wäre es dann nicht passiert? Vielleicht. Schild war da, Geländer nicht. Fehler auf beiden Seiten. Und Heute sind immer andere schuld. Wer so betrunken ist trägt den größten Anteil selbst, Sorry, auch wenn schlimmes passiert ist, tut mir Leid.

Seite 1 / 3 Next