Vom 16. bis 20. Oktober fand in Tegernsee die 17. Ausgabe des renommierten Film-Festivals statt. ALPIN-Mitarbeiterin Andrea Rudolf war für Euch vor Ort.

An die 6000 Zuschauer fanden sich in diesem Jahr am Tegernsee ein, um sich an fünf Tagen an die 90 internationale Produktionen zu den drei Themenbereichen Erlebnisraum Berg, Naturraum Berg und Lebensraum Berg anzusehen. Es war ein ereignisreiches Festival, mit starken Akzenten und vielen Highlights - darunter vier Weltpremieren, ein Oscar-Gewinner und viele interessante Gäste auf der Bühne.

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In der Stadt präsent: das Bergfilm-Festival Tegernsee.

| © Andrea Rudolf

Festival-Direktor Michael Pause bringt die Faszination des Bergfilm-Festivals auf den Punkt: „Es sind ja gerade diese so behutsam erzählten Geschichten, voller Respekt vor dem Berg und den Protagonisten, die uns immer aufs Neue begeistern.“

Die Preisträger 2019

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Die Jury für die Auszeichnung der besten Filme setzte sich in diesem Jahr aus der Journalistin Linda Cottino (Italien), der Produzentin Lisa Röösli (Schweiz), der Journalistin und Wildnispädagogin Dagmar Steigenberger (Deutschland), der Regisseurin Lisa Stolze (Österreich) sowie dem Dozenten an der Nationalen Akademie für Theater Filmkunst Dr. Alexander Donev (Bulgarien), auseinander. Hier ihre Auswahl:

  • Großer Preis der Stadt Tegernsee: „This Mountain Life“ – „die Magie der Berge“ - Grant Baldwin und Jenny Rustemeyer, Kanada - Vater-Sohn-Geschichten auf dem Hintergrund der Berge sind nicht so selten. Ganz neu war für uns aber, dass dieser Film das große Bergabenteuer einer Mutter und ihrer Tochter erzählt. Wir begegnen zwei starken, liebenswerten Frauen, die zusammen auf Skiern 2300 km von Vancouver nach Alaska bestreiten. Der Filmemacher hält diese große Reise nicht nur mit eindrücklichen, sorgfältig komponierten Bildern fest, sondern es gelingt ihm auch, den Fokus zu erweitern und der Frage nachzugehen, was Menschen in der Bergwelt suchen und teilweise sogar finden.

  • Preis des Deutschen Alpenvereins für den besten Alpinfilm der Kategorie "Erlebnisraum Berg": „The Pathan Project“ - Guillaume Broust, Belgien - Warum fahren wir nach Pakistan an gefährliche und unerforschte Berge, wenn wir uns auch zuhause austoben könnten? Eine Antwort, die dieser ungewöhnliche Expeditionsfilm auf diese Frage gibt: wir wollen Spaß haben. Es gelingt dem Film, trotz Unfällen und Rückschlägen herausragende Leistungen am Fels zu dokumentieren und dabei nie den augenzwinkernden, selbstironischen Blick zu verlieren. Ebenso überzeugend fanden wir die witzige Erzählweise mit fiktionalen Rückblenden und Parodien auf berühmte Filme.

  • Bester Film in der Kategorie „Lebensraum Berg“: „Spirit“ - Jane Dyson, Ross Harrison, Australien - Irgendwo in einem Dorf im indischen Gharwal Himalya. Die Geister haben sich immer höher in die Berge zurückgezogen, sagt eine der einheimischen Frauen, denen die Filmemacher sehr nahekommen.  Der Film zeigt eine zerbrechliche Welt, bedroht von den zentrifugalen Kräften der Moderne. Aber er zeigt auch die Rituale rund um die Anrufung der Geister, die die Menschen wieder zusammenbringen. Zum Glück wird der Zuschauer nicht selbst direkt von den Geistern erfasst, aber er kann sich zumindest nicht dem Sog der einzigartigen Bilder und der gelungenen Montage entziehen.

  • Bergzeit-Preis für den besten Film in der Kategorie "Naturraum Berg": „Iceberg Nations“ - Fernando Martín Borlán, Spanien - Der Film entlarvt auf poetische und artistische Weise die Idee von Landbesitz und Nationalstaat. Er hinterfragt vor allem die Macht dieser Konzepte vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung. Witzig und kreativ wird der verschwindende Eisberg zur Metapher für menschliche Konstrukte, die zur Bewältigung der Klimaproblematik nicht taugen. Und das alles in vier Minuten.

  • Nachwuchspreis: „Höhenmeter“ - Dominik und Julian Weigand, Deutschland - Die zwei Protagonisten dieser Geschichte sind außergewöhnlich für das Genre Bergfilm, das sich gerne mit körperlichen Höchstleistungen, Grenzerfahrungen und Eroberungen des Sinnlosen beschäftigt. Die sympathischen Rosenheimer Studenten haben etwas entdeckt, das sie den heimischen Bergen zurückgeben können und machen sich mit Freude und Selbstverständlichkeit an die Umsetzung ihrer Pläne. Es ist eine leise, besondere Geschichte, die ohne klassische Berghelden auskommt und in schönen Bildern erzählt, dass man doch etwas verändern kann.

  • Publikumspreis: "The Ascent of Everest" – Antonello Padovano, Großbritannien  

Darüber hinaus gab es Sonderveranstaltungen zum 100. Geburtstag von Sir Edmund Hillary, 150 Jahre DAV und zum Gedenken an David Lama und Hansjörg Auer. Der Oscar-prämierte Kletterfilm "Free solo" mit Alex Honnold lief außerhalb der Konkurrenz, ebenso die von Gerald Salmina verfilmte Lebensgeschichte Hans Kammerlanders "Manaslu – Berg der Seelen".

Bewegte das Publikum: Hansjörg Auer in "No turning back".

| © Thomas Plettenberg

Daneben gab es vier Weltpremieren zu sehen: Ein charmantes Porträt des österreichischen Skilehrers Toni Sponar, der nach seiner Auswanderung nach Amerika seit mehr als 50 Jahren jedes Jahr zwei Skisaisonen erlebt – in Colorado und in Chile.

Das Kurzfilm-Experiment "Wenn der Berg spricht" des Rosenheimer Filmemachers Puria Ravahi, und "Mythos Cerro Torre", in dem sich Reinhold Messner mit der umstrittenen Erstersteigung des patagonischen Traumbergs durch Cesare Maestri beschäftigt. Außerdem zeigt Bernhard Aicher erstmals seine filmische Recherche „Tod auf dem Nil“, in der er Spuren des bayerischen Studenten Franz Heigermoser bei dessen erster Kajakbefahrung des Nils folgt.

ALPIN-Mitarbeiterin Andrea Rudolf war beim "DAV-Abend" vor Ort.

War auch vor Ort: Alexander Huber.

| © Thomas Plettenberg

Die Atmosphäre im Barocksaal des Gymnasiums Tegernsee ist immer wieder außergewöhnlich. Zum 150. Jubiläum des DAV ein besonderer Genuss. Peter Künzel hat mit seinem Film "Von Höhen und Tiefen" die 150-jährige Geschichte des DAV beispielhaft an der Sektion Regensburg erzählt. Moderator Michael Pause hat im Filmarchiv des Alpinen Museums gewühlt und einen wunderbaren Kurzfilm mit Perlen aus der Alpingeschichte mitgebracht, der nicht nur den Star-Gast des Abends Burgi Beste (Vizepräsidenten des DAV) zum Schmunzeln gebracht hat.

Beim Abschlussabend: Bürgermeiser Johannes Hagn, Lisa Pause, Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Festival-Direktor Michael Pause (v.li.).

| © Thomas Plettenberg

Mein persönliches Highlight war jedoch der 20-Minüter "Up to Speed" von Reel Rock Regisseur Zack Barr. Sein Film setzt sich auf amüsante Weise mit der neuen Olympia-Teildisziplin des Speed-Kletterns auseinander. 2020 werden erstmalig Medaillen im Klettern vergeben. Der Kombinationswettbewerb aus Bouldern, Lead und Speed Climbing stieß jedoch bei vielen bekannten Athleten und Athletinnen auf Entsetzen. Was als kritische Auseinandersetzung mit einer vermeintlichen Randgruppensportart beginnt, endet in einem absolut sehenswerten Selbstversuch des Regisseurs mit der neuen Disziplin „warmzuwerden“. Lustig, selbstkritisch und absolut sehenswert!

Ausführliche Informationen zum 17. Bergfilmfestival Tegernsee findet Ihr unter www.bergfilm-tegernsee.de.

Text von Andrea Rudolf

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