Es war die schlimmste Katastrophe in der Geschichte des Mount Everest: An Karfreitag verloren 16 Sherpas in einer verheerenden Lawine ihr Leben. Statt wie geplant, Sherpas in Höhenmedizin auszubilden und selbst den höchsten Berg der Welt zu besteigen, leistete ein Expeditionsarzt aus Deutschland erste Hilfe. Matthias Baumann aus Tübingen möchte den Angehörigen der Verunglückten nachhaltig helfen und hat eine Spendenaktion ins Leben gerufen.

Bei der Versorgung eines Verletzten: Ärzte im Medizinzelt.

"Im April war ich als Expeditionsarzt auf der Südseite am Mount Everest unterwegs. Der Plan war die Everest Sherpas in Trauma Life Support und Höhenmedizin auszubilden und parallel den Mount Everest mit ihnen zu besteigen. Doch aus dem geplanten Ausbildungsprojekt wurde der Ernstfall", berichtet der Unfallchirurg.

Gegen 06:30 Uhr am Morgen des Karfreitags (18. April) wurde der Expeditionsarzt und Höhenmediziner in seinem Zelt im Basislager des Mount Everest auf etwa 5.400 Metern Höhe durch den Lärm einer Lawine geweckt. "Ich habe trotz der anfänglichen Ruhe gleich befürchtet, dass Leute verletzt wurden oder gar ums Leben gekommen sind", erzählt der 42-Jährige, der am Vortag des Unglücks selbst im berüchtigten Khumbu-Eisbruch unterwegs gewesen war. Der Tübinger fand sich daraufhin mit einigen anderen Ärzte aus aller Welt im Medizinzelt des Himlayan Rescue Service zusammen. Nach einiger Zeit wurde das Ausmaß der Katastrophe bekannt.

Klicken Sie sich durch die Slideshow mit den Bildern vom Mount Everest.

Um 6.30 Uhr hatte sich vom Hängegletscher an der Westschulter des Everest eine Eislawine gelöst und war Richtung Eisbruch gedonenrt. Eine Gruppe von Sherpas, die Zelte, Seile und Lebensmittel dabei hatte, wurde verschüttet. Das Unglück geschah auf einer Höhe von 5.800 Metern in jener Zone des Eisbruchs, die wegen der vielen herumliegenden Eisbrocken „Popcorn-Feld“ genannt wird.

Rund 25 Menschen wurden von den Schneemassen begraben, für 16 von ihnen kam jede Hilfe zu spät. Sieben Verschüttete konnten durch Rettungskräfte und andere Bergsteiger lebend geborgen werden. Mehrere leicht verletzte und drei schwer verletzte Sherpas, die ins Medizinzelt gebracht wurden, wurden von Matthias Baumann und den anderen Medizinern notärztlich versorgt. Die schwer Verletzten wurden anschließend mit dem Helikopter in Nepals Hauptstadt Kathmandu gebracht. Sie haben überlebt.

Matthias Baumann möchte den Angehörigen der Verstorbenen helfen. "Beim Rückweg aus dem Basislager kam mir die Idee, die Energie meines Traumes einer Everest Besteigung zu transferieren und den Familien der betroffenen Sherpas zu helfen. Ich habe meinen Abstieg verlängert und betroffene Familien im Khumbu besucht. Weiteren Familien bin ich in Kathmandu begegnet und so konnte ich 14 der 16 Familien besuchen. Die traurigen Augen der Frauen und Kinder zu sehen hat mich sehr bewegt. Gerne würde ich den 16 Familien langfristig helfen, daher habe ich die "Everest Sherpa Lawinenopfer Hilfe" gegründet."

Besuch bei Angehörigen: Matthias Baumann und die Familie von Dorji Sherpa.

Die nepalesische Regierung hatte nach dem Unglück eine Soforthilfe von 40 000 Rupien angekündigt. Umgrerechnet etwa 310 Euro.

Matthias Baumann bittet um Spenden auf das Spendenkonto:

Himalayan Project e.V.

Kreissparkasse Biberach

IBAN DE45 6545 0070 0007 0581 89

BIC SBCRDE66

Kennwort: "Sherpa Lawinenopfer"

Weitere Informationen: www.faszination-everest.de

In ALPIN 06/2014 beleuchten wir die Geschehnisse am Everest auf sechs Seiten ausführlich. Stefan Nestler stellt die Frage, wie es weitergehen soll am Dach der Welt. Eine Everest-Chronik informiert über Highlights und Tiefpunkte der Besteigungsgeschichte und Tobias Hürter vom Philosophie-Magazin "Luft" fragt nach der Moral am Everest.

Aus dem "Everest-Hintergrund" in ALPIN 06/2014: Das verdienen Sherpas am Dach der Welt.

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