Krzysztof Wielicki und Leszek Cichy stehen vor vierzig Jahren auf dem höchsten Punkt der Erde.

Über die Südroute von Nepal aus kommend erreichten die beiden Polen den Gipfel des Mount Everest (8.884 m), wobei sie mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Km/h und Temperaturen von minus 45 Grad Celsius zu kämpfen hatten. Geschlafen wurde im Zelt im Schlafsack in voller Daunenmontur. Am Gipfeltag erlitt Wielicki Erfrierungen an den Füßen, die er nach dem Abstieg mit Hilfe der Brennflamme eines Kochers "behandelte".

Die beiden verwendeten zwei Jahre nach der bahnbrechenden Everest-unmasked-Besteigung Flaschensauerstoff. Dass der 1978er-Coup von Messner/Habeler auch im Winter gelingen könnte, schien 1980 unvorstellbar. 

Die Besteigung wurde im damals kommunistischen Polen als nationaler Triumph gefeiert. 

Gefeiert: Leszek Cichy (li.) and Krzysztof Wielicki (2. v. li.) bei der Rückkehr in die polnische Heimat 1980.

Leszek Cichy waren zuvor bereits zwei Achttausender-Besteigungen gelungen (1975 Gasherbrum I, 1978 Makalu), 1982 stand er zudem auf dem Gipfel des K2.

Erfolgreich: Die polnische Everest-Winterexpedition 1980.

| © Krzysztof Wielicki Collection.

Für den 1950 geborenen Krzysztof Wielicki war die Everest-Winter-Besteigung der Auftakt einer mehr als außergewöhnlichen Bergsteiger-Karriere. In den 1980er und 1990er Jahren avancierte er zu einem der weltbesten Höhenbergsteiger, dessen alpinistischen Erfolge ein immens beeindruckendes Gipfelbuch ergeben.

1984 gelang es ihm am Broad Peak (8.051 m) als erstem Menschen, einen Achttausender innerhalb eines Tages zu besteigen (inklusive Abstieg). Am Manaslu (8.156 m) glückte ihm im selben Jahr mit Alexander Lwow eine neue Route in der Südostwand.

Zusammen mit Jerzy Kukuczka gelang ihm 1986 die erste Winter-Besteigung des Kangchendzönga (8.586 m), ein weiterer Beleg für die damalige Dominanz polnischer Alpinisten in punkto Winterbergsteigen an den höchsten Bergen dieser Erde. Im selben Jahr bestieg Wielicki mit Marcel Rüedi den Makalu (8.481 m) über eine neue Route.

1988 setzte Wielicki am Lhotse noch einen drauf: Als er an Silvester am höchste Punkt (8.516 m) stand, bedeutete dies sowohl die erste Winterbesteigung als auch den ersten Solo-Erfolg am vierthöchsten Berg der Erde.

Rentnerdasein? Keine Option für Krzysztof Wielicki.

| © picture alliance/Pacific Press Agency

Weiter ging es für ihn in Sachen Achttausender 1990 mit der ersten Solobesteigung des Dhaulagiri (8.167 m). Es folgten Annapurna (1991, 8.091 m) und Cho Oyu (1991, 8.201 m, neue Route) und Shishapangma (1993, 8.013 m, neue Route).

1995 hakte er Gasherbrum I (8.080 m) und Gasherbrum II (8.035 m) ab und nachdem ihm 1996 innerhalb von drei Wochen Besteigungen am K2 (8.611 m) und Nanga Parbat (8.126 m, solo) gelangen, hatte Wielicki seine Achttausender-Sammlung komplett.

Der polnische Bergsteiger war damit nach Reinhold Messner, seinem Landsmann Jerzy Kukuczka, dem Schweizer Erhard Loretan und Carlos Carsolio (Mexiko) der fünfte Mensch weltweit, der alle 14 Achttausender der Erde besteigen konnte.

Gefragter Mann auf der ISPO 2020 Munich: Krzysztof Wielicki.

| © Messe München GmbH

Es folgten weitere herausragende Besteigungen an Achttausendern und auch heute, in seinem achten Lebensjahrzehnt (70. Geburtstag am 05. Januar 2020), ist Wielicki an den höchsten Bergen dieser Erde aktiv.

2017 und 2018 versuchten sich polnische Expeditionen (ohne Gipfelerfolg) am einzigen Achttausender, der im Winter noch nicht bestiegen werden konnte. Der Expeditionsleiter am K2 jeweils: Krzysztof Wielicki.

Und auf der ISPO Munich 2020 vor wenigen Wochen verriet er uns, dass die Pläne für einen neuen Versuch im Winter 2021 bereits laufen und er darin erneut eine wichtige Rolle spielt ... Wir sind gespannt!

1 Kommentar

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Erpli

Echte Kerle damals noch!