Neues Tourismusgesetz

Nepal verschärft Everest-Regeln: 7000er-Pflicht vor Gipfelversuch

Wer künftig den Mount Everest besteigen will, muss zuvor einen 7000er in Nepal bestiegen haben. Ein neues Tourismusgesetz soll Sicherheit und Umweltschutz verbessern – und stärkt zugleich die heimische Expeditionsbranche.

Bergsteiger unterwegs auf dem Gipfelgrat zum Gipfel des Mount Everest, 8848m.
© picture alliance / imageBROKER

Mount Everest: Alpinistische Anfänger nicht mehr erwünscht

Nepal verschärft die Regeln für Besteigungen des Mount Everest deutlich. Die Nationalversammlung des Landes hat in der vergangenen Woche ein neues Tourismusgesetz verabschiedet, das künftig strengere Voraussetzungen für Hochgebirgsbergsteiger vorsieht. Kernpunkt: Wer den höchsten Berg der Welt besteigen möchte, muss zuvor einen über 7000 Meter hohen Gipfel in Nepal erfolgreich bestiegen haben.

Mit der Neuregelung reagiert die Regierung auf die wachsende Zahl unerfahrener oder unzureichend vorbereiteter Bergsteiger am Everest. "Diese Bestimmung soll die zunehmende Zahl unerfahrener Alpinisten am höchsten Berg der Welt eindämmen", zitierten lokale Medien Behördenvertreter. Immer wieder werden Überfüllung, Unfälle und eine hohe Belastung der Rettungsdienste mit mangelnder Erfahrung einzelner Aspiranten in Verbindung gebracht.

<p>Lizenzgebühren für ausländische Bergsteiger in Nepal (in US-Dollar), Stand 2026.</p>

Lizenzgebühren für ausländische Bergsteiger in Nepal (in US-Dollar), Stand 2026.

© Nepalesisches Tourismusministerium

In Nepal gibt es 86 Gipfel zwischen 7000 und 7999 Metern Höhe (inklusive Nebengipfel). Die Besteigungsgebühren für ausländische Bergsteiger liegen im Frühjahr – je nach Höhe – zwischen 500 und 800 US-Dollar, im Herbst werden sie halbiert. Mit der neuen Regelung stellt Nepal zudem sicher, dass entsprechende Einnahmen im Land bleiben. Selbst wer anderswo, etwa am K2 im Karakorum (Pakistan / China), große alpinistische Leistungen vollbracht hat, benötigt künftig einen nepalesischen 7000er im Tourenbuch, um eine Everest-Genehmigung zu erhalten.

Neuer Gesetzesentwurf sieht weitere Regulationen vor

Das sogenannte "Integrated Tourism Bill" enthält weitere Vorgaben. So müssen Antragsteller künftig ein aktuelles Gesundheitszeugnis vorlegen. Diese Pflicht gilt nun auch für lokales Personal, darunter Sherpas, Bergführer und Verbindungsoffiziere. Zudem ist ein detaillierter Besteigungsplan einzureichen, inklusive geplanter Route und Stil. Überraschende Änderungen, etwa nachträgliche Behauptungen über Besteigungen ohne zusätzlichen Sauerstoff, sollen damit unterbunden werden.

Auch Umweltaspekte spielen eine Rolle. Das Gesetz schafft die Grundlage für einen zentralen Umweltfonds, in den Gebühren wie die bisherige Müllkaution von 4000 US-Dollar einfließen sollen. Diese wird bislang nur zurückerstattet, wenn eine festgelegte Menge Abfall vom Berg zurückgebracht wird.

<p>Tonnen von Müll nach Sammelaktion am Mount Everest.</p>

Tonnen von Müll nach Sammelaktion am Mount Everest.

© IMAGO / ZUMA Press

Nicht geregelt werden im aktuellen Entwurf hingegen die Nutzung von Drohnen oder der umstrittene Einsatz von Hubschraubern oberhalb des Basecamps. Auch eine Begrenzung der jährlichen Besteigungsgenehmigungen, zuletzt zwischen 800 und 900 pro Jahr, ist nicht vorgesehen.

Um in Kraft zu treten, muss das Gesetz nach den Parlamentswahlen Anfang März noch das Repräsentantenhaus passieren und anschließend vom Präsidenten unterzeichnet werden. Für die anstehende Frühjahrs-Saison gelten die neuen Regeln daher noch nicht. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass die angekündigten Verschärfungen bereits jetzt Auswirkungen haben könnten – etwa, indem Everest-Interessenten ihre Expedition noch vor Inkrafttreten der 7000er-Pflicht planen.

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Das neue Gesetzesvorhaben auf einen Blick: Diese Regelungen sind vorgesehen

Mit diesen Regelungen will die nepalesische Regierung die Sicherheit am höchsten Berg der Erde verbessern:

  • 1. Erfahrungsvoraussetzung: Jeder, der den Mount Everest besteigen will, muss zuvor einen 7000-Meter-Gipfel in Nepal erfolgreich bestiegen haben - andere 7000er oder 8000er im Ausland zählen nicht.

  • 2. Gesundheit und Fitness: Vor dem Erhalt der Klettergenehmigung ist ein medizinisches Gesundheitszeugnis erforderlich, das von einer staatlich anerkannten nepalesischen Einrichtung ausgestellt wurde.

  • 3. Detaillierter Aufstiegsplan: Bei der Antragstellung muss ein konkreter Besteigungsplan eingereicht werden mit der geplanten Route und dem Stil des Aufstiegs (z. B. mit oder ohne Sauerstoff). Überraschende Änderungen vor Ort sollen dadurch vermieden werden.

  • 4. Einhaltung der geplanten Route: Besonders bei neuen Routen müssen Genehmigungen im Voraus eingeholt werden. Änderungen unterwegs (z. B. im Notfall) benötigen die Zustimmung des offiziellen Regierungs-Liaison-Offiziers.

  • 5. Gesundheitschecks für Team und Personal: Die Pflicht zur Vorlage eines Gesundheitszertifikats soll auch für Sherpas, Guides und Expeditionsteams gelten (nicht nur für ausländische Bergsteiger).

  • 6. Verantwortung für Rettung und Suche: Die Koordination von Such- und Rettungsaktionen soll klar bei den Expeditionsveranstaltern liegen.

  • 7. Status "vermisst/gestorben": Fehlende Bergsteiger, deren Überreste nicht gefunden werden, können ein Jahr nach dem letzten Lebenszeichen offiziell für tot erklärt werden.

  • 8. Umweltfonds und Müllmanagement: Das Gesetz schafft eine Grundlage für einen allgemeinen Umweltfonds, in den bisherige Müll-Gebühren und Deposits fließen. Ziel ist die bessere Entsorgung von Abfall und Umweltschutz am Berg.

Mount Everest: Erfolge und Tragödien
Aus der Besteigungsgeschichte des höchsten Bergs der Erde
Mount Everest: Erfolge und Tragödien

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Text von Lubika Brechtel

1 Kommentar

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Kristine

Das ist korrekt so, dass endlich nicht die reche dort hochmarschieren sondern bergsteiger plus fehlt noch gesetzt- was du hoch bringst trägst selbst runter ,halt alles