Auf das hochalpine Herz der Stubaier Alpen

Bergportrait: Das Zuckerhütl (3.505 m)

Das eisige Herz der Stubaier Berge schlägt rund um das Zuckerhütl. Die große Beliebtheit des Gipfels ist freilich auch der leichten Erreichbarkeit von der Stubaier Gletscherbahn geschuldet.

Bergportrait: Das Zuckerhütl (3.505 m)
© picture alliance / Daniel Gerd Poelsler

Das Zuckerhütl: Die Lage

Wo einst das Sahnehäubchen des Zuckerhütls in den Tiroler Bergsteigerhimmel ragte, hält der höchste Stubaier Gipfel heute nur noch bedingt, was sein Name verspricht. Bei der Abfahrt von der Brenner-Autobahn rückt der Stubaier Talschluss ins Blickfeld: Vom Hauptkamm wälzt sich dort der Sulzenauferner spaltenzerzaust und behäbig hinab gegen den Talboden. Noch immer dominiert hier großes Eis, einzig das einstmals weiße Krönchen der Prinzessin verwandelt sich mittlerweile in den Sommermonaten in einen dunklen Schutthügel.

Der in den Frühlingsmonaten immer noch perfekten Form des Zuckerhutes angesichtig wird der Skitourengeher erst, wenn er zu Füßen des zunächst gutmütigen, sich aber dann recht rasant emporschwingenden Ostgrates steht – über ihn führt der Normalanstieg.

<p>Aufstieg bei Sonnenaufgang.</p>

Aufstieg bei Sonnenaufgang.

© Bernd Ritschel

Der präsentierte sich in den Sommermonaten der letzten Jahre allerdings zunehmend steinschlägig, sodass ihn die Bergführer aus dem Stubai seit dem Sommer 2020 aus dem Hochtourenprogramm gestrichen haben. Alternativ führen sie ihre Gäste mittlerweile aus dem obersten Sulzenauferner auf den hübschen Westgipfel – eine durchaus lohnende Alternative. 

Nach Westen zu zweigt vom Zuckerhütl die Pfaffenschneid ab, ein markanter Gratkamm mit einigen recht "schneidigen" Passagen, der Sulzenau- und Pfaffenferner auf der einen Seite vom Triebenkarlesferner auf der Südseite trennt. Zu Letzterem bricht das Zuckerhütl mit einem breiten, gut 500 Meter hohen Gemäuer ab, ein Labyrinth aus Rinnen, Rippen und blockigem Geschröf, das kaum einmal durchstiegen wird.

<p>Aufstieg über den Sulzenauferner.</p>

Aufstieg über den Sulzenauferner.

© Bernd Ritschel

Das Zuckerhütl: Historisches

Die touristische Erstbesteigung fiel in den Sommer 1862: Wieder einmal war es der Wiener Kaufmann Joseph Anton Specht – jener, der vorher schon Wildspitze und Weißkugel für sich verbuchen konnte. Mit seinem Führer Alois Tanzer erschloss er den Ostgrat. Noch im gleichen Jahr folgten die Innsbrucker Geografie-Professoren Ludwig von Barth und Leopold Pfaundler über die Pfaffenschneid. 

Von einer bemerkenswerten Besteigung berichtet Ludwig Purtscheller in der "Erschließung der Ostalpen": "Ganz außergewöhnlich und bisher unübertroffen sind die Leistungen des Fräulein Therese Pfurtscheller und ihres Bruders Georg Pfurtscheller aus Fulpmes. Dieselben erstiegen am 20. September 1886, indem sie um 2 Uhr 30 früh … von der Nürnberger Hütte aufbrachen, zuerst den Wilden Freiger und dann, den obersten Firn des Uebelthalferners überquerend, die Sonklarspitze, die sie gegen 10 Uhr erreichten. Nach einer Stunde Rast wurde in der Richtung des Wilden Pfaffen aufgebrochen und zunächst dieser (2 Uhr) und dann (3 Uhr) das Zuckerhütl erklommen.“ 

Im weiteren Verlauf stieg man über den Gaiskarferner nach Sölden ab, wo die Partie um 8 Uhr ­abends eintraf. Womit bewiesen wäre, dass Bergsteigen schon zu Kaiserin Sissis Zeiten keine reine Männerangelegenheit mehr war.

<p>Geschafft: Das postmoderne Gipfelkreuz des Zuckerhütl.</p>

Geschafft: Das postmoderne Gipfelkreuz des Zuckerhütl.

© Bernd Ritschel

Das Zuckerhütl: Technisch einfache, aber hochalpine Gletschertour

Verglichen mit den Ausdauerleistungen der Pioniere ist das Zuckerhütl heutzutage bei guten Verhältnissen relativ bequem zu haben: Dank der Gletscherbahnen ist das Stubaier Sahnehäubchen sommers wie winters als Tagestour machbar – entsprechend zahlreich sind die Bewerber.

Toureninfo Zuckerhütl

  • Schwierigkeit: Bei guten Verhältnissen technisch relativ einfache, aber hochalpine Gletschertour. Trotz der Nähe zum Stubaier Gletscher-Skigebiet sollte man das Zuckerhütl nicht unterschätzen. Der ursprüngliche Normalweg über den Ostgrat aus dem Pfaffensattel (bis 40 Grad steil, im Fels I) kann bestenfalls noch zur Skitourenzeit empfohlen werden. Im Sommer weichen die Bergführer aus dem Stubaital mittlerweile auf die Besteigung des Westgipfels aus dem obersten Gletscherbecken des Sulzenauferners aus.

  • Höhenmeter: 880 Hm (inkl. 110 Hm Gegenanstieg bei der Rückkehr), 3,5–4 Std. Aufstieg, 2,5 Std. Abstieg.

  • Ausrüstung: Hochtourenausrüstung mit Seil, Pickel, Steigeisen.

  • Talort: Ranalt, 1303 m, Gemeinde Neustift, hinterster Ort im Stubaital.

  • Ausgangspunkt: Mutterbergalm, Parkmöglichkeiten bei der Talstation der Stubaier Gletscherbahnen, 1.748 m. Mit den Gondelbahnen zur Station Schaufeljoch, 3.170 m.

  • Route: Nach der Auffahrt mit der Stubaier Gletscherbahn zum Schaufeljoch steigt man über das Fernaujoch zum Pfaffenjoch, 3.212 m, hinüber. Nun Richtung Zuckerhütl bis zum Flachteil unter dem Hauptgipfel. Von dort nach rechts auf den 3.366 m hohen Pfaffenkogel zu und an diesem links vorbei zum Einstieg der Pfaffenschneid. Steil hinauf zu einem kleineren Vorgipfel und nach kurzer Querung zum Westgipfel des Zuckerhütls, 3.500 m.

  • Abstieg: Südlich des Westgipfels sichert man an Bohrhaken kurz auf das Schneefeld hinab und kehrt dann über die Lange Pfaffen­nieder zur Station Eisgrat der Stubaier Gletscherbahn zurück, 2,5 Std.

  • Tipp: Das Zuckerhütl bietet zwischen März und Mai eine grandiose Skitour: Dann startet man besser an der Station Eisjoch und fährt über den Gaiskarferner nach Südosten ab, um über den Pfaffenferner und das Pfaffenjoch auf den obersten Sulzenauferner zu gelangen. Danach entweder zurück ins Skigebiet oder die ebenso spaltenreiche wie landschaftlich grandiose Abfahrt über Sulzenauferner und Sulzenaualm hinab zur Grawaalm wagen – ein Unternehmen, das sich nur für wirklich erfahrene Skihoch­tourengeher empfielt.

<p>Austria Alpin - Große Gipfel Österreichs</p>

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© Tyrolia Verlag

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