Hochtour auf den formschönen Kegel

Bergportrait: Der Piz Buin (3.312 m)

Mit seinen 3.312 Metern ist der Piz Buin nicht nur der höchste Gipfel Vorarlbergs, sondern auch der begehrteste weit und breit. Wir stellen euch den Grenzgänger der Silvrettagruppe im Detail vor.

Bergportrait: Piz Buin
© IMAGO / agefotostock

Der Piz Buin: Der Name

Mit Piz Buin verbindet der weitaus größere Teil einer nicht bergsteigenden Öffentlichkeit erst einmal keinen Berggipfel, sondern ein ziemlich erfolgreiches Label aus der Kosmetikbranche. Das bekannte Sonnenschutzmittel verdankt dem großen Silvrettagipfel aber tatsächlich unmittelbar seinen Namen. Im Jahr 1938 nämlich zog sich der Schweizer Chemiestudent Franz Greiter bei seinem Aufstieg zum Piz Buin einen grausigen Sonnenbrand zu. Während der folgenden Jahre brodelte es in seinem Laboratorium, und 1946 brachte er die weltweit erste Sonnencreme auf den Markt – Piz Buin.

<p>Ein  Traum von einem Berg: Der Kegel seines Gipfelaufbaus besticht  durch das EbenmaĂź seiner Form.   </p>

Ein Traum von einem Berg: Der Kegel seines Gipfelaufbaus besticht durch das EbenmaĂź seiner Form.

© Bernd Ritschel

Der Piz Buin: Die Lage

Trotz seines Schweizer Namens – die „Pizzi“ sind ganz eindeutig Graubündner Ursprungs – ist der Buin einer der ganz großen Österreicher. Mit einer Höhe von 3312 Metern rangiert er in der Silvretta hinter dem Piz Linard und dem Fluchthorn zwar nur an dritter Stelle, dafür ist er der höchste Gipfel im Bundesland Vorarlberg und einer der begehrtesten weit und breit.

Nach der Schweizer Seite zeigt sich der Große Piz Buin als trotziger Berg, zusammen mit seinem noch viel trotzigeren kleinen Bruder, dem Piz Buin Pitschen, 3255 Meter hoch. Beide zusammen bilden nach Süden und Osten hin eine wilde kristalline Burg, deren Wände, Zacken und Zinnen ins oberste Val Tuoi abbrechen. Dem gegenüber steht die grob gehauene Nordwand: Mehr breit als hoch und von recht zweifelhafter Felsqualität, bekommt sie kaum einmal Besuch. 

<p>Unter  Skitourengehern ist der Piz Buin ebenso begehrt wie die gleichnamige  Sonnencreme. </p>

Unter Skitourengehern ist der Piz Buin ebenso begehrt wie die gleichnamige Sonnencreme. 

© Bernd Ritschel

Als einzige "Schwachstelle" entpuppt sich die vom Gipfel nach Westen weisende Flanke, auf der alle Normalwege zusammenlaufen. Da ist vom Frühling bis in den Spätherbst immer was los: Skitouren- wie Hochtourengeher kommen von der Schweizer Seite über die Fuorcla dal Cunfin oder von der Wiesbadener Hütte über die Grüne Kuppe und den landschaftlich faszinierenden Ochsentaler Gletscher (von dem Übergang über das Wiesbadener Grätle lässt man mittlerweile besser die Finger).

Der Piz Buin: Historisches

Die Erstbesteigung des schweizerisch-österreichischen Grenzberges war eine internationale Angelegenheit: Der Sankt Galler Johann Jakob Weilenmann und der Wiener Anton Specht erreichten den Gipfel mit dem Paznauner Gämsjäger und Bergführer Franz Pöll am 14. Juli 1865. Begleitet wurden sie von Jakob Pfitscher, dem Südtiroler Pächter der Vermunt-Alpe, die dem Quartett als Basislager diente. Bereits um sieben Uhr morgens standen sie am Gipfel: 

<p>Am Gipfelaufbau öffnet sich die große Schau auf  das Engadiner Gipfelmeer.</p>

Am Gipfelaufbau öffnet sich die große Schau auf das Engadiner Gipfelmeer.

© Bernd Ritschel

"Während 3 Stunden schwelgten die glücklichen Besteiger im Genuss der über ihre Erwartungen ausgedehnten und malerischen Rundschau …" Aus gutem Grund: Denn wohl von keinem anderen österreichischen Hochgipfel hat man eine bessere Aussicht auf die westalpinen Eisriesen als vom Piz Buin: Die große Schau reicht über Bernina, Glarner und Urner Alpen sowie das Berner Oberland bis ins Wallis.

Toureninfo: Die Besteigung des Piz Buin

<p>Auf dem Weg zum Gipfel.</p>

Auf dem Weg zum Gipfel.

© Bernd Ritschel

Über den zunächst wild zerrissenen, danach sanften Ochsentaler Gletscher geht es an den Gipfelaufbau, über den man zum höchsten Punkt stapft.

  • Schwierigkeit: Hochalpine Gletschertour mit nicht zu unterschätzender Spaltengefahr. Ab der BuinlĂĽcke zum Gipfel im Sommer Schotter und im markanten Kamin Kletterstellen I und II (Bohrhaken), im FrĂĽhling ist ein steiles Schneefeld bis zum Beginn des Kamins zu queren.

  • Höhenmeter: Von der Wiesbadener HĂĽtte 870 Hm, 3,5 – 4 Std. Aufstieg, 2,5 – 3 Std. Abstieg.

  • AusrĂĽstung: HochtourenausrĂĽstung mit Seil, Pickel, Steigeisen. Zur Sicherung im Kamin evtl. zusätzlich eine oder zwei Band- und eine oder zwei Express-Schlingen.

  • Talorte: Partenen im Montafon, 1051 m; GaltĂĽr im Paznaun, 1584 m.

  • Ausgangspunkt: Bielerhöhe, 2036 m, von Juni bis Oktober ĂĽber die mautpflichtige Silvretta-HochalpenstraĂźe von GaltĂĽr und Partenen erreichbar. Mitte Dezember bis 1. Mai nur von Partenen mit der Vermuntbahn und dem Tunnelbus zur Bielerhöhe. Info und Ă–ffnungszeiten: silvretta-bielerhoehe.at

  • HĂĽtte: Wiesbadener HĂĽtte, 2443 m, DAV Wiesbaden, bewirtschaftet Mitte Februar bis Anfang Mai und Ende Juni bis Mitte Oktober, sonst offener Winterraum, 2,5 – 3 Std. von der Bielerhöhe durch das Ochsental, wiesbadener-huette.com

  • Route: Von der Wiesbadener HĂĽtte folgt man dem Moränensteig nach SĂĽdosten und SĂĽden direkt auf den Vermuntferner zu. Um nach Westen in den Sattel sĂĽdlich der GrĂĽnen Kuppe zu gelangen, quert man unter der Zunge vorbei. Jenseits geht es nahezu eben auf den Ochsentaler Gletscher. Der wird nach Westen ĂĽberquert, der markante Eisbruch ist damit umschifft. Trotzdem sind etliche Spalten beim Anstieg am westlichen Gletscherrand zu meistern, ehe das Gelände verflacht und der Weg durch das obere Gletscherbecken zur BuinlĂĽcke frei wird. Kurz vor der LĂĽcke die breite Schuttflanke des Gipfelaufbaus nach Norden ansteigend queren. Dem Nordwestgrat folgend gelangt man an den Kamin. Diese SchlĂĽsselstelle ĂĽberwindet den steilsten Gratabschnitt, ehe ein Steig durch die obere Westflanke zum Gipfelkreuz leitet. Dies ist auch die (sehr empfehlenswerte) Skiroute, wobei die Ski in der BuinlĂĽcke deponiert werden.

  • Abstieg: Ebenfalls ĂĽber den Ochsentaler Gletscher, 2,5 – 3 Std.

  • Achtung: Von der im Sommer bislang gebräuchlichen Anstiegsroute ĂĽber das Wiesbadener Grätle ist mittlerweile dringend abzuraten. Die Felsen nordöstlich des Grätles apern von Jahr zu Jahr immer weiter aus, extreme Steinschlaggefahr ist die Folge.

<p>Austria Alpin - GroĂźe Gipfel Ă–sterreichs</p>

Austria Alpin - GroĂźe Gipfel Ă–sterreichs

© Tyrolia Verlag

Mit freundlicher Genehmigung aus:

Austria Alpin - GroĂźe Gipfel Ă–sterreichs

Autor: Robert Demmel mit Fotografien von Herbert Raffalt und Bernd Ritschel

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