Reichweite, Empfang & Bedienung

Test: Das sind die besten LVS-Geräte der Saison 2023/24

Lawinen-Verschütteten-Suchgeräte (LVS) gehören bei Skitouren abseits der Piste zur Standardausrüstung. Welche Neuheiten gibt es diese Saison auf dem Markt der LVS-Geräte und worauf sollte man beim Kauf achten? ALPIN hat sechs aktuelle LVS-Geräte der Saison 2023/24 ­getestet und dabei Stärken wie Schwächen gefunden.

Im Test: Sechs LVS-Geräte
© Birgit Gelder

LVS-Geräte: Was tut sich am Markt?

Die Neuerungen im Bereich der LVS-Geräte haben sich in den letzten Jahren auf ein paar Details beschränkt. Vielleicht deshalb, weil die Geräte updatebar sind und so für neue Funktionen keine neue Hardware mehr notwendig ist, sondern ein Software-Update reicht. 

LVS-Geräte: Das ist neu

Die letzte ­nennenswerte Neuheit auf dem Markt war das Diract Voice von Ortovox, das neben den bekannten Display-Angaben auch über eine Sprachanleitung verfügt. Dessen Ansatz lautet: Sprache wirkt gerade unter Stress anders auf Nutzer:innen als nur Zahlen und Pfeile.

© Birgit Gelder

Für die aktuelle Saison 23/24 brachte Pieps nun Anfang Oktober mit dem Pro IPS ein neues Gerät auf den Markt. Das fällt auch dadurch auf, dass es eine Klappantenne besitzt. Um von Sende- in den Empfgangsmodus zu wechseln, muss man diese nur ausklappen, fertig.

Der damit sehr einfache Umschaltvorgang ist aber nur ein schöner Nebeneffekt. Pieps ging es vor allem darum, Interferenzen von anderen elektrischen Geräten besser ausblenden zu können und so die bestmögliche Reichweite zu garantieren.

Reichweite, Reichweite, Reichweite

Womit wir bei einem der wichtigsten Kriterien für LVS-Geräte sind: Reichweite! Hersteller, deren Produkte eine große Reichweite haben, heben das natürlich gerne hervor. Anbieter von Geräten mit geringerer Reichweite, rücken andere Punkte in den Vordergrund und argumentieren, die Reichweite sei doch nicht so wichtig. 

<p>Das Test-Team auf der Zugspitze.</p>

Das Test-Team auf der Zugspitze.

© Birgit Gelder

Wir haben für den vorliegenden Test Suchübungen durchgeführt, bei denen kein vorher abgestecktes, eng begrenztes Suchfeld vorgegeben war. Und dann spielt die Reichweite der LVS-Geräte eine enorme Rolle. Die Reichweitenangaben in der Test-Tabelle beziehen sich immer auf die Situation, ab der ein stabiler Empfang gewährleistet war. Also kein kurzes Piepsen oder Aufblinken mit anschließender Empfangspause, sondern dauerhaft stabiler Empfang.

So haben wir die LVS-Geräte getestet

Der Test der LVS-Geräte bestand aus zwei Hauptteilen: Einem Reichweitentest auf der grünen Wiese unter "Laborbedingungen" im nicht verschütteten Zustand und einem Praxistest mit sieben unterschiedlich erfahrenen Probanden (alle hatten mindestens etwas Erfahrung mit LVS-Geräten) auf der ­Zugspitze bei minus sechs Grad unter "idealen" Testbedingen: Neuschnee, Wind und schlechtes Wetter.

<p>Das Test-Team bei der Besprechung zu den Ergebnissen. </p>

Das Test-Team bei der Besprechung zu den Ergebnissen.

© Birgit Gelder

Im Praxistest waren Einfach- und Mehrfachverschüttungen aufzulösen, teilweise in 360° Szenarien, sprich ohne vorgegebene Suchrichtung. Die Handhabung der Geräte (Einschalten, Umschalten etc.) haben ebenfalls alle sieben Probanden bewertet.

LVS-Geräte im Test: Große Unterscheide bei den Reichweiten

Bei der Reichweite konnte das neue Pro IPS von Pieps punkten. Mit einer Reichweite von 70 Metern liegt es an der Spitze des Feldes, allerdings dicht gefolgt von Arva (65 Meter) und Mammut (60 Meter). Mit 36 (BCA) bzw. 35 (Ortovox) Metern bilden diese zwei Geräte die Schlusslichter in Sachen Reichweite und liegen damit ziemlich genau bei der Hälfte der Leistung des besten Produktes. 

<p>In Sachen Reichweite hat Pieps klar die Nase vorn.</p>

In Sachen Reichweite hat Pieps klar die Nase vorn.

© Birgit Gelder

Bei der geringsten Reichweite (schlechte Koppellage) der jeweiligen Geräte (nicht bei allen Testgeräten erbrachte die selbe Koppellage die geringste Entfernung!) ist die Tendenz die selbe: Pieps liegt auch in diesem Kriterium mit 41 Metern vorne. Das Schlusslicht bildet BCA mit 23 Metern. Und diese Reichweiten wurden alle bei 18 Grad auf der Wiese im nicht verschütteten Zustand ermittelt.

Wenn die LVS-Geräte jetzt noch mit einem Meter ­nassem Schnee bedeckt sind, reduziert sich diese Reichweite noch deutlich! Darum sollte man mit den Suchstreifenbreiten-Angaben bei einigen Herstellern vorsichtig sein!

Worauf sollte ich beim Kauf eines LVS-Geräts achten?

  • Benutzerführung: Je klarer und einfacher die Botschaften an die Nutzer:innen, desto leichter tun die sich bei der Suche.

  • Reichweite: Je größer die (stabile) Reichweite, desto besser. Das beschleunigt die Suche und vermittelt Vertrauen.

  • Bedienung: Ein LVS-Gerät sollte in den Grundfunktionen selbsterklärend sein.

Testkriterium LVS-Geräte: Der Empfang

Aber natürlich ist Reichweite nicht alles. Ein solider Empfang, klare Führung durch die Grobsuche und ­präzise Feinsuche sind ebenso wichtig. Hier können wir allen Geräten ein relativ hohes und stabiles Niveau attestieren. Bei unzähligen Suchen trat kein einziger Fall auf, an dem Geräte versagt hätten oder "ausgestiegen" wären. 

<p>Beim Empfang, klarer Führung durch die Grobsuche und ­präziser Feinsuche punkten alle getesteten Geräte gleichermaßen.</p>

Beim Empfang, klarer Führung durch die Grobsuche und ­präziser Feinsuche punkten alle getesteten Geräte gleichermaßen.

© Birgit Gelder

Bei Mehrfachverschüttungen verschwinden im Display mal Sender und tauchen wieder auf, oder Displays verharren mal für zwei Sekunden in der aktuellen Anzeige. Aber echte Ausfälle gab es nie.

Testkriterium im LVS-Geräte-Test: 180°-Fehler

In einem Aspekt unterscheiden sich die Geräte allerdings deutlich: Beim 180°-Fehler. Der tritt auf, wenn man auf der Feldlinie läuft, der Pfeil des Displays auch nach vorne zeigt, aber die Entfernung zunimmt, man also vom ­Sender (dem/der Verschütteten) wegläuft. 

Ob man im Stress eines Ernstfalles die ansteigende Entfernungsanzeige immer (gleich) wahrnimmt, ist die Frage. Top waren hier Arva, Pieps und Mammut. Arva und Mammut ­weisen akustisch und optisch auf den 180°-Fehler hin und fordern zur Umkehr auf. Bei Pieps ist es noch eindeutiger: Der Pfeil zeigt in die Gegenrichtung! 

<p>Ein LVS-Gerät sollte sich auch mit Handschuhen bedienen lassen. </p>

Ein LVS-Gerät sollte sich auch mit Handschuhen bedienen lassen.

© Birgit Gelder

Bei Ortovox wird man via Sprachausgabe zum Umkehren aufgefordert. Dieser "Befehl" lässt aber etwas auf sich warten. BCA und Black Diamond geben leider keinen Hinweis auf die falsche Laufrichtung.

LVS-Geräte im Detail: Darauf kommt es an

  • Akku vs. Batterien: Ortovox ist der einzige Anbieter, der auf einen verbauten Akku setzt. Das Aufladen erfolgt mittels USB-C-Anschluss. Alle anderen Geräte nutzen klassische Batterien.

  • Display-Lesbarkeit: Das Display des Tracker 4 ist bei Sonne gut lesbar, die Anzeigen sind aber recht klein und für ­Fehlsichtige teilweise schwierig zu erkennen.

  • Tasten und Riegel: Der Einschalt- und Umschaltknopf des Tracker 4 ist nicht so selbsterklärend wie der anderer Systeme, aber auch kein Hexenwerk.

  • Verriegelung: Die Verriegelung des Arva Neo BT Pro muss gedrückt werden, um es einzuschalten und vom Sende- in den Empfangsmodus zu kommen.

  • Tragesystem: Ein Tragesystem, von dem man das LVS schnell lösen kann (hier mittels Karabiner). So ist das Gerät einfach "blank" zur Hand.

LVS-Geräte im Test: Die Grob- und Feinsuche

Die Top-Geräte beherrschen sowohl die Grob- als auch die Feinsuche gut. Besonders bei letzterer muss man nochmals allen Geräten ein hohes Niveau attestieren. Auch das Markieren (Ausblenden) gefundener ­Sender funktionierte in fast allen Fällen solide. 

<p>Einschalten und Umschalten sollten selbsterklärend sein.</p>

Einschalten und Umschalten sollten selbsterklärend sein.

© Birgit Gelder

Lediglich bei weiter Entfernung der Sender (aber noch im ­Empfangsbereich) und größerem Zeitabstand vom Markiermoment traten Fälle auf, bei denen bereits markierte Sender irgendwann wieder angezeigt wurden.

Wichtig ist es dann noch, sein eigenes Gerät gut zu ­kennen, denn mit einigen Modellen kann man im Bereich der Grobsuche schneller unterwegs sein als mit anderen.

Nicht zu unterschätzen: Interferenzen bei LVS-Geräten

Noch ein Wort zum Thema Interferenzen: Wir haben versucht, eine Interferenz-Sensibilität der einzelnen Testmodelle herauszuarbeiten, können aber letztendlich dazu keine klare Aussage machen, bis auf eine: Es ist grundsätzlich gut, wenn LVS-Geräte auf Interferenzen hinweisen (wie Arva, Mammut, Ortovox und Pieps).

<p>Wie schnell lässt sich das Geräte vom Tragesystem lösen?</p>

Wie schnell lässt sich das Geräte vom Tragesystem lösen?

© Birgit Gelder

Über­lagerungen von Signalen, die wirklich einen Einfluss auf die Suchqualität eines LVS-Gerätes haben, ließen sich aber nur dann ausmachen, wenn sie sich im absoluten Nahbereich befanden (näher als 10 cm am Empfänger). 

Wenn man also die 20/50 Regel einhält, sollte man auf der sicheren Seite sein: Derzufolge sollen im Sende­modus elektronische und metallische Gegenstände mindestens 20 Zentimeter Abstand zum LVS-Gerät haben und im Suchbetrieb mindestens 50 Zentimeter – bestenfalls sogar ausgeschaltet.

<p>Wie gut ist die Lesbarkeit des Displays?</p>

Wie gut ist die Lesbarkeit des Displays?

© Birgit Gelder

LVs-Geräte im Test 2023/24: Das ist unser Fazit

Es gibt vor allem einen Punkt, in dem sich aktuelle LVS-Geräte deutlich unterscheiden, das ist die Reichweite. Bei kleinen Suchfeldern spielt die eine geringe Rolle, ist das abzusuchende Terrain aber größer oder die Verschüttungstiefe höher, spielt die Reichweite eine vielleicht entscheidende Rolle.

Das Mammut Barryvox hat uns aufgrund der sehr zuverlässigen Benutzerführung, der guten Reichweite und der Einfachheit am besten gefallen – der Testsieger

Aber dem Barryvox sind zwei Mitbewerber dicht auf den Hacken. Pieps hat mit dem neuen Pro IPS ein Gerät mit top Reichweite und gutem Handling im 23/24er Sortiment. Und das Arva Neo BT Pro kann ebenfalls mit guter Reichweite und sehr solider Arbeitsweise punkten. Beide bekommen dafür den Allround-Tipp.

Hier findet ihr unseren Test LVS-Geräte zum Durchklicken:

Text von Olaf Perwitzschky

1 Kommentar

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Christian

Sehr schöner detaillierter Test.
Ich hätte mir gewünscht, dass die Batterielaufzeiten im Sendebetrieb mit angegeben werden.
Besonders beim Ortovox mit dem Akku wäre das interessant, beim Barryvox habe ich auch noch keine Angaben im Netz gefunden.