Der Klimawandel ist in aller Munde und die Wissenschaft ist sich einig: Wenn sich nicht bald was tut, sieht es schlecht aus für unser Klima. Das betrifft natürlich auch das Freizeitverhalten von uns Bergsportlern. Dabei ist es gar nicht schwer, zumindest ein wenig zu tun.

Ende Januar 2020: Der Alpenverein hat auf seiner Homepage eine Skitour im Karwendel als „Tour der Woche“ ausgewiesen. Startpunkt der Tour ist der Bahnhof, gleichzeitig ist es auch der Parkplatz für all die, die nicht mit dem Zug kommen. 

Die Folgen des Klimawandels sind schon lange am Schmelzen der Gletscher erkennbar.

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Nachhaltig planen

Die Frage ist: Was kann jeder Einzelne in Sachen Nachhaltigkeit bei Bergtouren tun, ohne seine Komfortzone zu sehr zu verlassen? Es geht nur mit einer Tourenplanung, die konsequent den Aspekt der Umweltverträglichkeit bzw. Nachhaltigkeit im Auge hat. 

Untersuchungen vom Alpenverein aus dem Jahr 2014 zeigen, dass das durchschnittliche Alpenvereinsmitglied jährlich für seine Bergtouren 5456 Kilometer zurücklegt und dabei 537,9 Kilo CO2 emittiert. Dabei entfallen 82 Prozent dieser Emission auf die Pkw-Anreise. Da sind noch keine Fernreisen dabei! 

Bei einigen Berg- und Skitouren ist die Anreisezeit höher, als die verbrachte Zeit am Berg. Ist so etwas heute noch zu rechtfertigen? Und was sind die Alternativen, wenn ich nicht auf den Bergsport verzichten möchte? 

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Fangen wir bei der effektivsten Art, kein CO2 zu emittieren, an: von der Haustüre aus die Tour mit dem Rad starten. Da tun sich Alpenvorländer natürlich am leichtesten. Fragt Euch am besten vor jeder Tour, ob das Zeitbudget, das ihr für die Tour einsetzen möchtet, auch im Verhältnis zu dem Aufwand der Anreise steht.

Mit der Bahn zum Berg?

Auch der ÖPNV ist eine Alternative, wenn die Tour von Anfang an entsprechend geplant wird. Es ergeben sich sogar ganz neue Ziele, die vielleicht bisher nicht im Fokus standen. 

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„Aber was mache ich dann mit Wechselklamotten und -schuhen?“, ist oft ein Einwand. Auch dafür finden sich Lösungen. Wechselsachen könnt ihr beispielsweise gleich bei der Anreise in einem Schließfach am Bahnhof deponieren oder ihr packt leichte und kleine Schuhe in den Rucksack, den ihr auf die Tour mitnehmt.

Wenn der Ausgangspunkt tatsächlich nicht in angemessener Zeit mit dem ÖPNV erreichbar ist, führt am Auto manchmal kein Weg vorbei. Wer aber sein Auto voll besetzt und mit drei oder vier Freunden fährt, reduziert den pro Kopf CO2-Ausstoß auch schon erheblich. Dazu muss man vielleicht mal die Dachbox montieren, damit innen genügend Sitzplätze frei werden

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Je früher ihr die Tourenplanung macht, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich genug Leute finden, um das Auto vollzumachen. Das ist wohl auch die bessere Alternative zu den wenig (bis gar nicht) genutzten Mitfahrzentralen, die sich explizit auf Wochenenden bzw. Bergziele spezialisiert haben (Go-shred.com und naturecab.com). 

Wer für das nächste Wochenende allein dasteht, kann sich auch überlegen, ob die nächste Alpenvereinssektion gerade eine Tour anbietet, bei der gemeinsam angereist wird. Bei diesen Fahrten trifft man sich meist am Ausgangsort und fährt gemeinsam zum Zielort. Auch da ist es einfacher, mit vollen Autos anzureisen.

Weniger, aber dafür länger

Wenn man tatsächlich mal zu einem weiter entfernten Ziel anreisen möchte, sollte man sich Gedanken darüber machen, ob man nicht gleich ein paar Tage dort verbringen könnte und dafür am nächsten Wochenende möglicherweise zu Hause bleibt. 

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Immer mehr Feriendestinationen bieten vor Ort auch Alternativen zum eigenen Auto an. Vom E-Bike über Taxiservice auch zu ausgefallenen Zielen oder sogar dem Shuttle zum Startpunkt der Wanderung - die Angebote reichen weit. Und der Verzicht auf das Auto kann ein zusätzlicher Erholungsfaktor sein.

Was immer man auch tut, um den CO2-Ausstoß zu verringern: Jeder Schritt ist ein guter Schritt. Hauptsache es passiert etwas. Jeder von uns muss da ansetzen, wo es ihm weh tut. Zumindest immer wieder mal. Nur so können wir es schaffen, den Klimawandel vielleicht noch in überschaubaren Grenzen zu halten. 

Text von Olaf Perwitzschky

1 Kommentar

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su.pa

Eure Hinweise auf umweltfreundliche Anreise sind recht und gut, aber leider oft an der Realität vorbei. Nach dem Lesen des Artikels habe ich die Reiseauskunft der deutschen Bahn bemüht: für die Fahrt mit dem Zug in ein Bergsteigerdorf, dass wir mit dem Auto in einer Stunde erreichen, benötigen wir 2.45 Std! Da der erste Zug am Sonntag um 7 Uhr fährt, wir dann auf 10 Uhr aber erst am Bahnhof stehen, könnten wir die Wanderrung wahr. gegen Mittag starten. Abends das gleiche Trauerspiel: 2 3/4 Std Rückfahrt.

Solange das nicht besser wird, ist die Anreise mit dem Zug keine Option. Ansonsten würde wir es doch schon längst machen...