Downgrade-Vorschlag von "No One Mourns the Wicked"

Yannick Flohé wiederholt 9A-Boulder und stellt Bewertung infrage

Der deutsche Top-Boulderer Yannick Flohé hat in Colorado den Boulder "No One Mourns the Wicked" wiederholt – und dabei eine Diskussion über dessen Schwierigkeitsgrad angestoßen. Nach mehreren Sessions schlägt er eine Abwertung auf 8C+ vor, statt der bisher angenommenen 9A. Die Linie gilt als eine der schwierigsten Boulderrouten der Welt.

Yannick Flohé am Fels in Colorado in der Tour "No One Mourns the Wicked"
© Instagram: Griffin Appel

Planänderung führt nach Colorado

Eigentlich hatte Flohé eine Kletterreise in den Red Rocks geplant. Eine Hitzewelle zwang ihn jedoch zur Umplanung – stattdessen reiste er nach Colorado. Dort begann er zunächst erfolgreich mit dem Boulder "Defying Gravity" (8C) im Gebiet Thunder Ridge, bevor er sich der Tour "No One Mourns the Wicked" widmete. Diese startet als Sitzstart etwas weiter rechts von "Defying Gravity". Die Linie wurde Ende 2024 von Nathaniel Coleman erstbegangen und ursprünglich mit 9A bewertet.

Inzwischen wurde der Boulder mehrfach wiederholt – unter anderem durch Hamish McArthur und den jungen US-Kletterer Beckett Hsin, der bereits eine Diskussion über eine mögliche leichtere Einstufung ausgelöst hatte.

Flohé beschreibt seine Begehung vor allem als Kampf mit den äußeren Umständen. Entscheidend seien weniger die Züge selbst gewesen, sondern vielmehr:

  • extrem trockene Luft

  • starker Windstark

  • ausgetrocknete Haut auf speckigem Fels

Je nach Wetterbedingungen habe sich der Boulder entsprechend stark unterschiedlich angefühlt – von kaum kletterbar bis überraschend gut greifbar.

Vorschlag: 8C+ statt 9A

Nach sieben Sessions gelang Flohé die vierte dokumentierte Begehung der Linie. Seine Einschätzung fällt deutlich aus: Er selbst habe bislang noch keinen 9A-Boulder geklettert, kenne aber das Gefühl solcher Schwierigkeiten aus vergleichbaren Projekten. Deshalb schlägt er eine Abwertung auf 8C+ vor. Alexander Megos schreibt dazu auf Instagram: "Der erste Deutsche, der eine 9A geklettert und sie im Anschluss herabstuft. Solide wie immer"

Reaktionen aus der Szene

Die Einschätzung sorgte in der internationalen Boulder-Szene schnell für Reaktionen. Neben Gratulationen von Top-Kletterern wie Jakob Schubert wurde auch die grundsätzliche Frage nach objektiven Schwierigkeitsgraden erneut diskutiert. Auch Hamish McArthur sieht in dem Downgrade auf 8C+ einen logischen Schritt: "Gut gemacht! Ich hoffe, du hattest Spaß da draußen. Die Herabstufung erscheint mir sinnvoll, was hoffentlich mehr Leuten die Möglichkeit gibt, es auszuprobieren".

Starkes Jahr für Flohé

Der Aachener zählt aktuell zu den vielseitigsten Kletterern weltweit. Neben seinem Wettkampfprogramm gelangen ihm in den vergangenen Monaten mehrere herausragende Felsleistungen – darunter:

  • erster 8C-Flash weltweit (Foundation’s Edge)

  • Begehung von 9b-Routen im Sportklettern (Ratstaman Vibrations, Excalibur, 

  • mehrere 8C -Boulder (Story of Three Worlds, Return of the Dreamtime, Ephyra, Off the Wagon Sit)

Mit "No One Mourns the Wicked" reiht sich ein weiteres Schwergewicht in seine Liste ein – unabhängig vom Ausgang der offenen Debatte um den "richtigen" Schwierigkeitsgrad.

Text von Robert Scheitzeneder

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