Sportklettern ist eine relativ sichere Angelegenheit – wenn man die wichtigsten Regeln kennt und einhält. Die häufigsten Fehler werden auch von Experten beim Sichern gemacht. Oft aus Bequemlichkeit.

Beim Sichern hat man seinen Partner "in der Hand". Stürzt der Kletterer, und der Sichernde macht Fehler oder reagiert falsch, kommt es fast immer zum Unfall.

Schon ein Sturz aus zwei Meter Höhe hat dabei oft schwere Verletzungen zur Folge. Doch welche wichtigen Punkte sind beim Sichern unbedingt zu beachten?

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Gewicht der Seilschaft

Kletterer und Sichernder sollten im Optimalfall gleich viel wiegen. Jetzt sucht man sich seinen Kletterpartner aber meistens nicht nach dem Gewicht aus. Wiegt der Sichernde 15 bis 20 Kilo weniger als der Kletterer, sollte man Maßnahmen ergreifen.

Denn sonst wird je nach Art der Sicherung der Sichernde beim Sturz bis zur ersten Zwischensicherung hochgerissen. Das verlängert auf der einen Seite den Sturzweg des Kletterers, auf der anderen Seite besteht für den Sichernden erhebliche Verletzungsgefahr und in der Folge wiederum für den Kletterer die Gefahr, bis zum Boden zu stürzen.

Der Experte rät:

  • Gewichtsdifferenz zwischen Sicherndem und Kletterer sollte nicht mehr als 15 bis max. 20 kg betragen.

  • Bei höherer Differenz entsprechende Maßnahmen ergreifen.

  • Der Sichernde steht ca. 1 Schritt seitlich und 1 Schritt zurück vom Lot der ersten Sicherung.

  • Leichte Personen sichern schwere mit halbautomatischen Geräten (Click Up, Smart).

  • Schwere Personen sichern deutlich leichtere Kletterer mit dynamischen Sicherungsgeräten.

  • Der Sichernde sollte immer Schuhe anhaben (Verletzungsprophylaxe im Sturzfall).

Cool ist man nur, solange nichts passiert. Nach einem (folgenschweren) Sturz ist man der Depp. (Illustrationen: Sojer)

Cool ist man nur, solange nichts passiert. Nach einem (folgenschweren) Sturz ist man der Depp. (Illustrationen: Sojer)

In Kletterhallen ist das Problem recht einfach in den Griff zu bekommen. Dort liegen meist Gewichtssäcke für genau diesen Zweck herum. Diese Gewichtssäcke hängt man sich mit ca. 2 m Schlappseil an den Klettergurt (in die Anseilschlaufe, NICHT in die Materialschlaufen) und gleicht so den Gewichtsunterschied aus.

Wer die Gewichtsdifferenz lapidar ignoriert, sollte mal einen Versuch machen: schwerer Kletterer stürzt (weit oben, freier Sturzraum), leichter Sichernder sichert. Vorsicht auf die Hände an der ersten Zwischensicherung!

Schwieriger wird es am Naturfels. Hier liegen keine Gewichtssäcke rum. Entweder der Sichernde kann sich irgendwo fixieren (Baum, Haken etc.) oder man muss nach Alternativen suchen. Wenn eine dritte Person greifbar ist, kann ggf. diese die Funktion des Zusatzgewichtes übernehmen.

Und auch wenn die Seilreibung nach oben mehr wird und damit der Impuls auf den Sichernden abnimmt, sollte man achtsam sein. Bei vielen Routen besteht die Gefahr bei einem Sturz auf einem Band o.ä. zu landen. Dies umso mehr, je leichter der Sichernde ist, denn das verlängert den Sturzweg.

Was passiert, wenn der Kletterer stürzt? (Illustrationen: Sojer)

Was passiert, wenn der Kletterer stürzt? (Illustrationen: Sojer)

Neben dem Gewicht ist aber auch die Position (also der Standpunkt) des Sichernden immens wichtig. Hier werden nach unseren Beobachtungen die meisten Fehler gemacht. Denn selbst wenn der Kletterer deutlich leichter ist als der Sichernde, wird letzterer immer in Richtung der ersten Zwischensicherung gezogen.

Steht der Sichernde beim Sturz nicht grob in Zugrichtung, wird es ihn mit Wucht an die Wand ziehen und ein heftiger Anprall ist wahrscheinlich. Um sich zu schützen, reißen nicht wenige Sicherer in diesem Fall die Hände nach vorne – und lassen dabei das Bremsseil los. Der Kletterer stürzt dann bis zum Boden.

Die optimale Position ist in etwa einen Schritt seitlich und einen Schritt zurück vom Lot der ersten Zwischensicherung. Dabei muss man je nach Route oder Bewegungsrichtung des Kletterers seinen Standpunkt durchaus verändern. Denn zumindest im Bereich der ersten fünf Haken sollte der Sichernde nicht direkt unter dem Kletterer positioniert sein, um im Sturzfall eine Kollision der beiden zu vermeiden.

Wem es zu anstrengend ist, die ganze Zeit hochzuschauen (bei dieser Standposition muss man den Kopf weit in den Nacken legen), sollte sich eine Sicherungsbrille (man muss den Kopf nicht so in den Nacken legen) zulegen.

Welches Sicherungsgerät

Der Markt der Sicherungsgeräte ist sehr unübersichtlich. Daher ist eine allgemeingültige Empfehlung schwierig. Auch ist die Art der Kletterei (nur Halle, nur Sportklettern …) entscheidend für die Auswahl. Wir halten in überfüllten Hallen mit vielen Ablenkungsmöglichkeiten halbautomatische Sicherungsgeräte wie das Click Up oder das Smart für sinnvoll.

10 Allround-Klettergurte für den Einsatz in der Halle und am Klettersteig stellen wir euch im Test vor:

Grundsätzlich gilt: Sichert ein "schwerer Brocken" ein "leichtes Mädel" ist ein Sicherungsgerät, das ein dynamisches Sichern zulässt, ratsam (Tube, HMS). Andersherum (leichtes Mädel mit Gewichtssack sichert schweren Brocken) macht einer der Halbautomaten Sinn.

Ein gutes und universelles Sicherungsmittel ist die HMS (Halbmastwurf-Sicherung). Die ist für alles einsetzbar, braucht eine recht geringe Handkraft zum Sichern und ist auch mit dünnen Seilen noch sehr gut einsetzbar. Und sie braucht den geringsten Materialaufwand.

3 Kommentare

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Olaf

Ja, du hast Recht. Der Sturzweg verlängert sich bei einer 2 Meter langen Fixierung des Gewichtssacks. Aber das Problem bei ganz kurzem Gewichtssack (wie du ihn beschreibst): du kannst dich nicht mehr bewegen. Ein „aktives“ Sichern ist dann nicht mehr möglich. Du kannst nicht mal einen Schritt von links nach rechts gehen (um z.B. zu vermeiden, dass der Stürzendes in das Seil fällt, was in die erste Exe läuft). Schnelles Seilausgeben geht so auch nicht (einen Schritt vor machen). Außerdem kannst du ganz kurz angebunden nicht dynamisch sichern. Ich mag es als Sichernder überhaupt nicht, wenn ich so "fixiert" bin. Es kommt aber (auch) auf die Höhe des ersten Hakens an, mit welchem „Schlappseil“ man den Gewichtssack anhängt. Meist sieht man das „kurze Anbinden des Gewichtssacks“ beim Topropen. Da muss ich mich als Sichernder in der Regel nicht bewegen. Aber du hast auch Recht: verlängern wird man sich die Schlinge, die am Gewichtssack angebracht ist auch nicht. Es kommt also auch darauf an, mit was für einer Schlinge der Sack versehen ist. Man sollt sich nur bewusst sein, was das "fixieren" bedeutet und mit sich bringt.

Olaf Perwitzschky

Ja, du hast Recht. Der Sturzweg verlängert sich bei einer 2 Meter langen Fixierung des Gewichtssacks. Aber das Problem bei ganz kurzem Gewichtssack (wie du ihn beschreibst): du kannst dich nicht mehr bewegen. Ein "aktives" Sichern ist dann nicht mehr möglich. Du kannst nicht von links nach rechts gehen (um z.B. zu vermeiden, dass der Stürzende in das Seil fällt, was in die erste Exe läuft). Schnelles Seilausgeben geht so auch nicht. Außerdem kannst du ganz kurz angebunden nicht dynamisch sichern. Ich mag es als Sichernder überhaupt nicht, wenn ich so fixiert bin. Es kommt aber (auch) auf die Höhe des ersten Hakens an, mit welchem "Schlappseil" man den Gewichtssack anhängt. Meist sieht man das "kurze Anbinden des Gewichtssacks" beim Topropen. Da muss ich mich als Sichernder in der Regel nicht bewegen.

Holger

„ Diese Gewichtssäcke hängt man sich mit ca. 2 m Schlappseil an den Klettergurt“

Gewichtssäcke funktionieren ja grundsätzlich in gewissen Grenzen ganz gut, aber was sollen die 2 m Schlappseil bewirken?

Das würde bedeuten, dass die ca. 50cm von der Anseilschlaufe zur Sackschlaufe zusätzlich verlängert wird. Die Gewichtskraft des Sackes würde ja erst greifen, wenn der Sichernde auf Hüfthöhe bis zur ersten Zwischensicherung geflogen ist. Der Impuls wäre schon so groß, dass der Sack gar nicht mehr den großen Unterschied in der Verkürzung der Fallstrecke macht. Sowieso wird ohne Aushängen der ersten Exe der Sichernde Seil nachgeben müssen oder mit dem Gerät in die Exe gezogen werden.

Meiner Erfahrung nach sollte der Tipp lauten: Die Länge ist richtig eingestellt, wenn der Sichernde spürt, dass der Sack greift, wenn er sich auf die Zehenspitzen stellen kann.