Winterliche Verhältnisse statt Frühsommer

Kurioser "Saisonstart" an noch winterlicher Zugspitze: Bergwacht warnt und ist mehrfach gefordert

Trotz Frühling im Tal herrschen an der Zugspitze aktuell winterliche Bedingungen. Eine Besteigung über das Höllental ist derzeit sehr erfahrenen Alpinisten vorbehalten. Trotz Warnungen der Bergwacht Grainau kam es bereits zu mehreren Einsätzen auf der Route – zuletzt am 01. Mai. Die Bergwacht warnt vor Fehleinschätzung, mangelhafter Vorbereitung und falschen Erwartungen an die Bedingungen, die auch durch Instagram- und TikTok-Videos entstehen.

Kurioser "Saisonstart" an noch winterlicher Zugspitze: Bergwacht mehrfach gefordert.
© Bergwacht Grainau

Zugspitze: Besteigung über das Höllental derzeit nur für versierte Alpinisten

Auch wenn man sich in den zurückliegenden Tagen rund um Garmisch-Partenkirchen über schönstes Frühlingswetter mit viel Sonnenschein freuen durfte, herrschen an Deutschlands höchstem Berg noch winterliche Verhältnisse. Hierauf wies die Bergwacht Grainau in einem Social-Media-Post ausdrücklich hin. Bezogen auf den überaus beliebten Anstieg über das Höllental auf die Zugspitze heißt es wörtlich:

"Nach wie vor beginnt bereits deutlich unterhalb des Gletschers eine geschlossene Schneedecke, die im Tagesverlauf antaut und sehr kraftraubend ist. Im Klettersteig sind noch weite Strecken des Stahlseils unter Schnee bedeckt und damit keine durchgehende Sicherungsmöglichkeit vorhanden. Auch Schneerutsche/Lawinen sind nicht auszuschließen und sorgen für ein weiteres Gefahrenpotenzial. Die Verhältnisse sind also nicht mit jenen im Sommer vergleichbar, eine Besteigung ist nur versierten Alpinisten mit entsprechender umfangreicher Ausrüstung und entsprechendem Risikomanagement möglich."

<p>Aktueller Blick (05.05.) vom Gipfel der Zugspitze. Deutlich ist zu sehen, wie viel Schnee noch liegt.</p>

Aktueller Blick (05.05.) vom Gipfel der Zugspitze. Deutlich ist zu sehen, wie viel Schnee noch liegt.

© https://zugspitze.panomax.com/

Rettungseinsätze an der Zugspitze am 01. Mai

Trotz dieser Lage kam es am 1. Mai zu einem doppelt bemerkenswerten Einsatz. Gegen 11:40 Uhr alarmierte die Leitstelle die Bergwacht zu einem verletzten Bergsteiger oberhalb des sogenannten "Bretts". Der Mann hatte sich mit seinem Steigeisen selbst verletzt und eine Stichwunde zugezogen. Ein Rettungshubschrauber aus Reutte setzte einen Luftretter im Schwebeflug ab. Dank präziser Ortung gelang die Versorgung schnell, nach rund 20 Minuten war der Patient geborgen und im Tal.

<p>Im Einsatz an der Zugspitze: die Bergwacht Grainau.</p>

Im Einsatz an der Zugspitze: die Bergwacht Grainau.

© Bergwacht Grainau

Währenddessen waren die drei Begleiter des Verletzten schon über hundert Meter weiter aufgestiegen. Auf Bitte der Rettungskräfte rief der Mann seine Begleiter an und gab die Empfehlung weiter, den Aufstieg nicht weiter fortzusetzen. Diese entschieden sich dennoch weiter aufzusteigen.

Eine Entscheidung mit Folgen: Knapp zwei Stunden später erreichte ein Alarm wegen dreier erschöpfter Bergsteiger am Höllentalferner die Bergwacht. Es handelte sich um jene drei Männer, die zuvor die Warnung ignoriert hatten. Der zweite Einsatz verlief ebenfalls rasch, unterstützt durch einen weiteren Hubschrauber.

<p>Rettung per Helikopter: der Hubschrauber der ADAC-Luftrettung flog Bergsteiger ins Tal.</p>

Rettung per Helikopter: der Hubschrauber der ADAC-Luftrettung flog Bergsteiger ins Tal.

© Bergwacht Grainau

Kurioserweise bekamen die Einsatzkräfte dem Bericht der Bergwacht nach wenig Dankbarkeit, sondern sahen sich mit dem Vorwurf konfrontiert, "dass nur der Anruf mit der Bitte um Abbruch der Tour die Zweifel ausgelöst und somit den zweiten Einsatz verursacht hätte". Eine der Bergwacht zufolge "eigenwillige Interpretation", die die Einsatzkräfte nicht teilen.

Warnung der Bergwacht vor Falschinformationen und Verharmlosungen auf Instagram und TikTok

Aus offensichtlich gegebenem Anlass warnt die Bergwacht Grainau vor Falschinformationen und Verharmlosungen in Form von Instagram- und TikTok-Videos. Videos suggerieren vermeintlich einfache Bedingungen und verleiten zur Fehleinschätzung. Die Bergwacht betont daher: "Soziale Medien ersetzen auf gar keinen Fall eine vernünftige Tourenplanung mit Infos aus seriösen Quellen, einem entsprechenden Wettercheck auf Basis eines speziellen Bergwetterberichts und einer reflektierten Selbsteinschätzung von Können, Kondition und eigener Erfahrung. Es ist keine Schande mal Nein zu sagen und auf bessere Umstände zu warten. Im Alltag gibts genug Stress und Druck, den solltet ihr nicht mit in eure Freizeit nehmen. Genießt das schöne Wetter, der Berg und die Tour laufen nicht davon."

<p>Bild der Bergwacht Grainau: Zu sehen ist der noch dick eingeschneite Höllentalferner.</p>

Bild der Bergwacht Grainau: Zu sehen ist der noch dick eingeschneite Höllentalferner.

© Bergwacht Grainau

Verhältnisse an der Zugspitze

Thomas Harrer, Portalmanager bei ALPIN, Trainer C Bergwandern und Schneeschuhguide im Deutschen Alpenverein, schließt sich den Warnungen der Bergwacht an: "Die Skisaison auf der Zugspitze ist erst vor wenigen Tagen zu Ende gegangen. Im Hochgebirge rund um Deutschlands höchsten Berg herrschen noch tiefwinterliche Verhältnisse, auch die Höllentalangerhütte als Stützpunkt ist noch nicht geöffnet. Der Anstieg ist durch den Schnee zeitlich länger und wesentlich kraftraubender. Zudem liegen die Sicherungen des Klettersteigs noch unter Schnee. Kurz und knapp: Aktuell raten wir von einer Besteigung der Zugspitze ab!"

Bei guten Verhältnissen ist die Besteigung der Zugspitze über das Höllental eine grandiose Tour für versierte Bergsteiger. Hier eine Fotogalerie, die KEINE AKTUELLEN VERHÄLTNISSE zeigt:

In Bildern: Vom Höllental auf die Zugspitze
Schritt für Schritt auf den höchsten Gipfel Deutschlands
In Bildern: Vom Höllental auf die Zugspitze

In unserer Slideshow führen wir euch in 14 Schritten über den Höllentalferner und den Höllental-Klettersteig auf den höchsten Gipfel Deutschlands.

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Text von Holger Rupprecht

2 Kommentare

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Erwin Witzany

Ich bin vor 60 Jahren das erste Mal auf der Zugspitze gewesen jetzt bin ich 78j inder zwischenzeitwR in zirka 30 bis 40 Mal oben von allen Richtungen die meiste Zeit war ich alleine unterwegs hab meistens auf der Wiener neustetter Hütte übernachtet nächten tagwider aufgestiegen und über jubiläumsgrad zur albspitz und runter nach Garmisch es waren auch schlechte Tage dabei ich war immer mit Steigeisen und pickel unterwegs der großteils der zugspitzgeher hatschlechte konditzoon keine Erfahrung amfels sitze undnrustgrsch katastrophal und wichtigtuer nehmen gute Worte nicht an

Köln

Ich hoffe sehr, dass die beiden Einsätze vollständig von den Geretteten bezahlt werden und nicht aus den Steuergeldern. Das wird ihnen eine Lehre sein und eine Warnung an die anderen "Helden".