Profi-Kletterer Will Stanhope stirbt nach 20-Meter-Sturz
Will Stanhope ist am 23. April 2026 an den Folgen eines schweren Sturzes gestorben. Das bestätigte seine Familie in einer Mitteilung in Stanhopes Instagram-Kanal: "Eine schwere Kopfverletzung, die er sich bei einem Sturz (...) zugezogen hat, war die Ursache", schreiben die Angehörigen in dem Post.
Der Unfall hatte sich bereits am 13. April ereignet. Stanhope kletterte in einer Route namens "Rutabaga" an der Grand Wall am Stawamus Chief, einem der bekanntesten Granitmassive Nordamerikas, als er aus bislang ungeklärter Ursache rund 20 Meter abstürzte. Die Route gilt mit einem Schwierigkeitsgrad 5.11 als anspruchsvoll, im Spitzenklettern aber als vergleichsweise moderat.
Rettungskräfte erreichten den Verunglückten kurz nach dem Notruf. Aufgrund der schweren Verletzungen und des schwierigen Geländes wurde eine aufwendige Rettung notwendig. Stanhope wurde zunächst stabilisiert und ausgeflogen, erlag jedoch 10 Tage später seinen Verletzungen. Er wurde 39 Jahre alt.

Schauplatz des Unglücks: der Stawamus Chief im Provincial Park in Squamish.
Über Will Stanhope
Will Stanhope wurde 1986 in Kanada geboren und gehörte zu den prägendsten Trad- und Bigwall-Kletterern Nordamerikas. Schon mit neun Jahren begann er zu klettern und entwickelte sich früh zu einer festen Größe der Szene. Einen Namen machte er sich mit Free-Solo-Begehungen in hohem Schwierigkeitsbereich.
Daneben war er für extrem anspruchsvolle Erstbegehungen und freie Begehungen bekannt. 2015 gelang ihm gemeinsam mit Matt Segal die erste freie Begehung der Trad-Route "The Tom Egan Memorial Route" (5.14), eine der schwierigsten Kletterrouten Kanadas. Das Projekt zog sich über vier Jahre und rund 100 Expeditionstage hin und wurde später im Film "Boys in the Bugs" dokumentiert.
Neben seiner Kletterkarriere arbeitete Stanhope als zertifizierter Bergführer in Kanada. Zudem veröffentlichte er regelmäßig Texte und Berichte in renommierten Publikationen wie dem Canadian Alpine Journal und dem American Alpine Journal.
Internationale Kletterszene trauert um Will Stanhope
Unter dem Post auf Stanhopes Instagram-Kanal äußern zahlreiche internationale Spitzen-Kletterer und -Kletterinnen ihr Mitgefühl. "Lot‘s of love to his family & friends. Such a loss, he will be missed", schreibt die Deutsche Ines Papert. Ihr Kletterpartner und Ehemann Luka Lindic kommentiert: "Rest in peace Will. I hope you are already having lots of fun with others that left us way too soon and you missed so much down here. Condolences to the family". Ähnlich bestürzt äußert sich auch der kanadische Spitzenkletterer Will Gadd: "Will embodied the best of our community". Auch Connor Herson sowie andere Größen der Szene wie Conrad Anker, Nico Favresse oder Chris Sharma bringen ihr Mitgefühl zum Ausdruck.
Die bayerische Kletter-Ikone Thomas Huber widmet Stanhope einen eigenen Post. Darin schreibt er: "Ich hatte das Glück, in El Chaltén das eine oder andere Bier – und mehr – mit ihm zu teilen. Wir philosophierten über unsere Welt, darüber, warum wir tun, was wir tun, tauchten in unsere hellen und dunklen Seiten ein und in das, wonach wir suchten … die Linien im Fels, die uns so tief inspirierten, dass wir alles andere beiseiteließen. Nun hast du deine letzte Linie nach oben geklettert, ohne Abstieg, hinüber auf die andere Seite. Oh Mann … wir werden dich alle vermissen. Licht, sanfte Ruhe und Frieden für immer. Möge dein Geist jenseits des Horizonts weiterklettern. Ruhe in Frieden, Will."


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