"Zindabad" is born

Seilschaft eröffnet neue Route an Siebentausender im Karakorum

Zwischen dem 9. und 13. Juni eröffneten der Pakistaner Mueez Ud Din und der Franzose Mathieu Maynadier eine neue Route über den bisher unbestiegenen Ostgrat des 7029 Meter hohen Spantik im Karakorum.

Seilschaft eröffnet neue Route an Siebentausender Karakorum
© Instagram/Mathieu Maynardier, Mueez Ud Din

Seilschaft eröffnet neue Route an Siebentausender im Karakorum

Die Spantik-Expedition der beiden Männer wäre aufgrund der jüngsten Spannungen zwischen Pakistan und Indien beinahe nicht zustandegekommen. Viele andere geplante Expeditionen sagten aus Sicherheitsgründen ab, sodass Maynadiers Team am 20. Mai eine der wenigen, wenn nicht sogar die einzige Expedition in Skardu war.

Zum Team gehörten Maynadier (Leiter), Ud Din, Nathanael Sapey und Loury Lagardere (Film) sowie Drohnenpilot Ozair Khan und zwei Köche. Während des Aufstiegs zum Basecamp auf 4200 m wurde die Mannschaft von 42 Trägern unterstützt. Drei Tage Trekking über Fels und Gletscher war vom letzten Ort zum Basislager nötig, das die Bergsteiger am 26. Mai erreichten. Dort hieß es: Warten aufs Wetter.

Ud Din und Maynardier nutzten die erste Wetterbesserung und schliefen zwei Nächte in höheren Lagen am Spantik-Südostgrat (Normalweg) – auf 5200 und 5800 Metern. Am 9. Juni kehrten sie für eine Nacht ins Basislager zurück und brachen anschließend ins Abenteuer auf. "Wir verbrachten 25 Tage am Berg, zehn davon im Basislager und warteten auf ein Fenster", schreibt Ud Din auf Instagram. "Als es endlich soweit war, haben wir es gewagt."

In den folgenden vier Tagen kämpfte sich die Seilschaft die 1800 Hm hinauf, drei Biwaknächte verbrachten sie in der Route. Laut Maynadier passierten sie die Schlüsselstelle am letzten Tag des Aufstiegs: zwei Mixed-Seillängen der Schwierigkeit M5, deren mit Eis glasierter Granit präzise Trittsicherheit und Pickelplatzierungen erforderte.Schließlich erreichte die Seilschaft einen Gratpunkt auf 6999 m kurz unterhalb des Gipfels. 

"Es war wirklich eine coole Linie"

Im letzten Abschnitt, wo die Route der beiden auf den Normalweg traf, verhinderten Schneemassen und Verwehungen einen sicheren Gipfelaufstieg. "Wir mussten leider umkehren, aber ehrlich gesagt war die Route der eigentliche Gipfel", schreibt Ud Din zur Entscheidung der Seilschaft. Fünf Tage nach dem Aufbruch kehrte das Duo ins Basislager zurück. Dort nannten sie ihre Route "Zindabad" (Urdu) und bewerteten sie mit 1800 m, M5, A1, 80°.

"Nach Wochen im Karakorum kehrten wir mit mehr als nur Erfrierungen und Erinnerungen zurück", schreibt Ud Din in den sozialen Medien. Maynardier ergänzt schlicht: "Es war etwas stressig [...] aber wir sind glücklich. Es ist eine wirklich coole Linie".

Spantik-Erstbegehung im Jahr 1955

Erstmals wurd der Spantik im Jahr 1955 von einer deutschen Expedition unter der Leitung von Karl Kramer über den Südostgrat bestiegen. Der Südostgrat war jedoch bereits 1906 erstmals von den amerikanischen Entdeckern Fanny und William Bullock Workman besucht worden, die eine Höhe von 6700 m erreichten – eine bemerkenswerte Leistung. Während der Südgrat 1978 von einem japanischen Team erschlossen wurde und auch der Nordwestpfeiler im Jahr 1987 von zwei Briten "geknackt" worden war, blieb nur noch der unberührte Ostgrat.

Dessen steile, exponierte Linie schreckte bis ins Jahr 2025 Aspiranten ab, so verzeichnen die Datenbanken keine früheren Besteigungen der Route. Ein historischer Erfolg für Maynardier und Ud Din. "Dieser Aufstieg ist mehr als nur eine Linie – er ist der Beginn einer größeren Vision und des Wiederaufbaus der lokalen Bergsteigerkultur in Pakistan", schreiben die Alpinisten auf Instagram.

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