Der Südtiroler spricht über "Ankündigungs-Alpinisten" und alpinistische "Möchtegerne".

ALPIN-Autor Andreas Haslauer traf Reinhold Messner auf Schloss Juval und befragte den Hausherren über den Alpinismus damals und heute, seinen Umgang mit Ängsten sowie die Verbindung zu seinem Bruder Günther. Das komplette Interview findet ihr in unserer Juni-Ausgabe. Auf alpin.de präsentieren wir euch das Gespräch als kleine Serie. Hier klicken, um direkt zum ersten Teil zu kommen; den dritten Teil findet ihr hier

Wen meinen Sie mit "Möchtegerne" ?

Die "Ankündigungs-Alpinisten". Während Huber und Honnold immer erst handeln und dann reden – machen es diese genau andersherum. Die kündigen dies und jenes vollmundig über die sozialen Medien an – haben aber gar nicht vor, ihre Expedition oder Erstbegehung zu Ende zu bringen. Noch schlimmer: Sie haben gar keine Chance, weil sie so eine Mammut-Aufgabe schlichtweg nicht bewältigen können. Das wissen aber ihre Instagram- und Facebook-Follower nicht

Wie kommen Sie darauf?

Wie soll ein 19-Jähriger, der noch nie inden Bergen war, einschätzen können wie gefährlich die Annapurna oder der Nanga Parbat ist? Der Weltmeister im Ankündigen ist Jost Kobusch. Er versuchte im Winter allein und ohne Hilfsmittel auf den Everest zu steigen. Und das, obwohl er am Ende sagte, er hätte nur eine ein prozentige Chance gehabt.

Der junge Bielefelder muss doch erst mal Erfahrungen sammeln – genau wie Sie früher. Sie haben auch 13-mal einen Achttausender versucht und es nicht geschafft.

Reinhold Messner im ALPIN-Interview

Nanga Parbat, seinen Schicksalsberg, schrieb Messner genau wie alle anderen Bücher per Hand.

| © Daniel Hug

Moment! Da gibt es einen ganz erheblichen Unterschied. Bevor ich mich entschloss, auf den Nanga Parbat zu steigen, stand ich schon auf ein paar Tausend Gipfeln. Diese Besteigungen und Klettereien waren der Grundpfeiler in mein Vertrauen, mein Können und meine Psyche. Ich kletterte schon mit fünf Jahren zusammen mit meinen Eltern auf den höchsten Gipfel der Geislerspitzen, den 3027 Meter hohen Sass Rigais. Und Kobusch? Er stand mit 17 Jahren zum ersten Mal auf der Zugspitze, ist mit der Bahn hochgefahren.

Und was werfen Sie ihm vor?

Nichts. Aber wenn ich nur eine Chance von einem Prozent habe, fliege ich erst gar nicht nach Nepal, sondern suche mein Glück auf einem kleineren Hügel irgendwo in der Umgebung meines Wohnorts

Waren Sie schon mal auf Instagram?

Einmal. Im letzten Winter habe ich nach Kobusch gesucht. Über den Jungen habe ich genauso geschmunzelt wie über die glorreiche Idee, Klettern olympisch zu machen. Dieses Rumgehüpfe an der Wand sind doch affenartige Verhaltensmuster. Da gibt es bestimmt Zuseher, die sagen: „Ah, jetzt verstehe ich was Messner früher so gemacht hat.“ Wenn das der Fall ist, ist der Alpinismus tot.

Warum?

15 Meter an einem Sicherungsseil in einer klimatisierten Halle hochzuturnen, ist doch etwas anderes, als ungesichert durch die Rupalwand zu steigen. Nur ein Beispiel: Die Rupalwand ist zweieinhalbmal so hoch wie die Eiger-Nordwand, achtmal so hoch wie die Nordwand der "Großen Zinne". 

Hinzu kommt der Sauerstoffmangel. Das müssen Sie sich malvorstellen: Sie klettern eine 4500 Meter hohe, fast senkrechte Wand aus Eis und Fels bei 30 Grad minus hoch – und das mit 50 Prozent weniger Sauerstoffpartialdruck. Das ist Alpinismus!

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Text von ALPIN / Andreas Haslauer

32 Kommentare

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eg

Messner hat ein Verdeidigungsproblem eine Phobie
vermutlich seit 1970 das worüber er negativ urteilt
hat er selbst allen vor exerziert um berühmt zu werden
um Geld zu verdienen um unsterblich zu werden
leider durchschaubar und krank
für seinen Ruhm opfert er alles er wird unsterblich sein
im krankhaften Versuch den Tod seines Bruders zu rechtfertigen

Linus Marx

Die Medien und Kobusch, eine Seilschaft, die auf Clickbaiting aus ist?

Kobuschs Aussagen suggerieren eine falsche Realität. Fakt ist, Jost Kobusch gehört derzeit zu den alpinistischen Leichtgewichtlern in der Szene! Seine PR steht nicht im Zusammenhang mit seinen erbrachten Leistungen und dem verwendeten Storytelling.

Die Mehrheit seiner Unternehmungen und die omnipräsente Berichterstattung von seinen Vorhaben, stehen sogar diametral zu der eigentlichen Philosophie die Kobusch versucht zu vermarkten. Darum soll es aber in diesem Kommentar nicht gehen.

Auf Grundlage von Messers Kritik wird von Kobusch suggeriert, dass Messner jüngere und stärkere Alpinisten nicht dulden würde. Es wird suggeriert, dass Messner Angst davor hätte nicht mehr der „Größte“ zu sein und von einer jüngeren Generation „abgelöst“ zu werden.

Kobuschs Äusserungen halte ich für faktisch falsch und für reine PR-Technik, die versucht von den eigentlichen Kritikpunkten abzulenken.

Fakt ist: Reinhold Messner äußert sich regelmäßig sehr positiv über junge Alpinisten, die die Grenze des Machbaren verschieben. Und noch mehr, er unterstützt sogar junge Alpinisten mit Vorworten in deren Bücher (Hans-Jörg Auer) oder öffentlich vor der Kamera wie z.B. in dem Film 14 Gipfel: Nichts ist unmöglich über den jungen Alpinisten Nims Purja.

Über die Jahre hat Messner eine tiefe Leidenschaft und „Freundschaft“ zu Spitzenalpinisten der jüngeren Generation etabliert. Er huldigte Steve House als den besten Bergsteiger unserer Zeit oder lobte Karl Unterkircher als den „neuen Stern“ am Bergsteigerhimmel.

An Kobuschs Herangehensweise und Äusserungen erkennt man einen jungen, sichtlich verstörten und auf der Suche befindlichen jungen Mann, der es mit den Fakten öfters mal nicht so genau nimmt!

Kobusch mag selbst überrascht gewesen sein, dass die PR um seine Person „so gut funktioniert“. Einen Grund für seinen PR-Erfolg ist, dass vornehmlich Publikum ohne jegliche Kenntnisse angesprochen wird - leider zählen dazu auch viele Medienvertreter die ungefiltert publizieren. Die Medien und Kobusch, eine Seilschaft, die auf Clickbaiting aus ist?

Kobuschs Kopf steckt zunehmend in der Schlinge und die gewaltige Medienlawine, die der junge Alpinist losgetreten hat, wird ihm langsam zum Verhängnis.

LM

Anonym

Vorab, höchsten Respekt vor Messners Leistungen.
Seine Armseeligkeit zeigt sich aber darin, dass er sich ständig angegriffen zu fühlen scheint von Vergleichen, die nur er selbst und gar kein anderer gezogen hat. Das lässt tief blicken wie er denkt.
Z. B. Ist Sportklettern ein völlig anderer Sport wie 8000er Bergsteigen mit völlig anderen Anforderungen und hat seine eigene Berechtigung. Kein Hallensportkletterer wird seinen Sport mit heroischem 8000er Alpinismus vergleichen. Messner aber sieht dadurch anscheinend seinen Status bedroht.
Und warum sollten im Sportklettern keine Wettkämpfe ausgetragen werden? Dies ist leider eben beim 8000er Bergsteigen nicht praktikabel.

Michael MBBM

Es ist immer gewagt neues zu begehen. Auch ein Reinhold Messner hat seinerzeit, als er ohne Sauerstoff den Berg bezwang neues Terrain betreten, da gab es auch viele die sowas kritisierten und in Frage gestellt hatten. Heute ist er es, der Junge Bergsteiger und ihre Ideen anzweifelt. Es geht ihm auch ein wenig um sein Erbe, vielleicht auch sein Ego. Da kommen Junge Alpinisten und gehen mit dem Berg ganz anders um als er es zu seiner Zeit gewohnt war und hauen ihm, immer wieder mit neuen Rekorden, die Bergsteiger Flaggen um die Ohren. Da könnte doch eine Reinhold Messner mal etwas gelassener umgehen und den jungen Bergsteiger Tribut zollen.

Mirko

Aus meiner Sicht betont Messner wichtige Punkte hinsichtlich der Kommerzialisierung und Verwässerung des Alpinismus hin zum Tourismus. Auch finde ich, dass er meist entsprechende Punkte sehr klar formuliert und darstellt. Dies ist sicherlich auch eine Rolle, die er annehmen darf und kann als Experte und ehemaliger Extrembergsteiger auf Weltniveau. Auch wenn ich auf der einen Seite den Wert von Kritik darin sehe, dass problematisches Verhalten aufgedeckt und gegebenenfalls auch positive Veränderungen hervorruft - wie beispielsweise bei David Lamas Versuchen der freien Erstbegehung der Kompressorroute, sollte Kritik insbesondere an konkreten Personen differenziert und wohlüberlegt sein (letztlich ist es einfach in der Position des Kritisierenden zu sein und es macht eben auch etwas mit dem Anderen, vor dem man durch eine entsprechende Form von Kritik auch Respekt zeigen sollte). Im Falle von Messners Kritik an Kobusch kann ich beides nicht erkennen und möchte dies im Folgenden begründen:
1. Messner kritisiert Kobusch, dass er keine Erfahrung an den großen Bergen der Welt hat. Dabei hat Kobusch schon den Annapurna sowie mehrere größere Gipfel im Himalaya bestiegen. Dass Kobusch selbst sagt, er habe nur eine 1%ige Chance (bei diesem Versuch) den Gipfel zu erreichen, sehe ich nicht als Kriterium, warum er in Europa bleiben solle und nicht im Himalaya schwierige Projekte angehen sollte (wie Messner deutlich fordert).
2. Messner tut das Hallen- und Sportklettern generell als problematisch ab und wird auch sehr unsachlich, indem er von Herumgehüpfe an der Wand spricht, was ich auch als sehr respektlos wahrnehme. Dabei fühle ich mich als Sportkletterer (der auch mal Trad klettert) gar nicht persönlich angegriffen. Es geht für mich nur darum, dass Messners Argumentation gegenüber Kobusch unfair ist, weil das Ausüben von Sportklettern überhaupt nichts darüber aussagt, ob man ein guter Alpinist ist. Viele gute Alpinisten gehen auch Sport klettern, weil es ein gutes Training ist. Das ist kein Widerspruch, sondern zu eng gedacht.
3. Wenn es Messner um die Ethik geht, muss man auch sagen, dass Kobusch viele ethische Grundsätze (wie Minimalismus, Eigenständigkeit und Wählen von unbegangenen Routen) von Messner in seiner Philosophie aufgenommen hat. Aus meiner Sicht muss man Kobusch in seinem jungen Alter dafür loben, wie viele Gedanken er sich über die Beziehung Berg/Mensch gemacht hat und natürlich auch angelesen hat.
4. Wahrscheinlich ist Messners Hauptpunkt die Kommerzialisierung (wenn er sich nicht von Kobusch persönlich angegriffen fühlt, weil dieser die Wahl der 14 Achttausender als Ziel bezüglich der Willkürlichkeit aufgrund des metrischen Systems problematisiert hat, wobei er im gleichen Zug den Respekt gegenüber Messner betont hat). Dieser ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen, wenn man betrachtet, dass Kobusch vor dem Gelingen der Projekte extrem medienwirksam ist. Aber auch Messner ist sicherlich auch dadurch bekannt geworden, dass er geschickt die Medien genutzt hat. Jetzt die konkreten Regeln vorzugeben, vor allem auch der neuen Generation - das ständige Posten ist auch nicht mein Ding, aber es hat seinen Wert für die junge und zukünftige Generation und ermöglicht einen intensiven Austausch und Einblick in unterschiedliche Perspektiven, Lebensweisen und Beschäftigungsmöglichkeiten.

Letztlich betrachte ich Messners Kritik an Kobusch in diesem Fall aus den genannten Gründen als problematisch. Statt konkret Kobusch Vorhaben zu betrachten und dann differenziert zu kritisieren, bleibt er vage, kennt Kobusch Hintergründe kaum und hebt dann seine eigenen Leistungen hervor und führt sie aus. Grundsätzlich wünsche ich mir mehr Respekt in Form von durchdachter, fairer und faktenbasierter Kritik, denn dann kann man diese auch als konstruktiv und Möglichkeit, etwas positiv zu verändern, ansehen.

Martin Neukamm

Vorab, ich ziehe meinen Hut vor Reinhold Messners Leistungen. Leider stiegen ihm Ruhm und materieller Erfolg stärker zu Kopf als es ein Mensch verkraften kann. Er scheint vor Arroganz und Selbstverliebtheit offenbar die Menschlichkeit vergessen zu haben, das wird in seinen Interviews immer wieder deutlich.

Würde auch nur ein Funke des Glücks in ihm wohnen, über das er so gern spricht, würde er in sich ruhen wie Buddha. Dann hätte er es weder nötig, seine Eigenleistung an der Rupalwand zu verherrlichen, noch mit purem Aktivismus jenseits der 70 seine eigene Sterblichkeit vergessen zu machen. Stattdessen triefen seine Zeilen vor Bitterkeit über die vermeintlichen "Äffchen", derer er evolutionär selber einer ist - und von denen er sich mit Anfang 20 in Null komma nichts unterschied. Der einzige Unterschied: Damals gab es weder Kletterhallen noch Facebook noch Hightech-Ausrüstung.

Methner

Na klar der alte Messner muss seine Meinung zu allem in die Öffentlichkeit sch****en. Ich glaube fast, rum zu krakeelen hat mit Alpinismus auch nichts zu tun.

Ein alter, bitterer Mann, der viel zu viel von sich selbst hält. Armselig.

Damien François

Ein Teil meines letzten Satzes fehlt, pardon!
"Selten habe ich jedoch bei einem sloch jungen Autoren - Jost war da wohl gerade mal Anfang 20 - so viele interessante philosophische Einsichten gelesen."

Damien François

Ich kenne Jost ein wenig, habe ihn zweimal in Nepal (2013 am Flughafen, als er von der Ama Dablam zurück kam und ich vom Manaslu; 2015 am EBC, als er auf den Lhotse wollte und ich auf den Everest) getroffen. Ich habe ab und an Kontakt zu ihm. Er ist ein passionierter und freundlicher, sehr starker Bergsteiger. Er redet gern von seinen Erfahrungen am Berg weil er sich selbst als Versuchskaninchen betrachtet, genau wie Reinhold Messner... früher auch. Ich betrachte weder RM noch JK als "Egomane" - schade, daß RM JK das vorwirft, was er selber praktiziert hat...
Jost kündigt seine VERSUCHE an? Na und? Was ist daran falsch? Er hat nichts angekündigt, was er nicht später auch versucht hat! Ihm geht es wohl kaum darum Geldgeber an Land zu ziehen, Herr Messner...
Ich empfehle jedem die Lektüre des Buches von Jost; als promovierter Philosoph und selber Autor habe ich viel gelesen, in meinem 57jährigen Leben. Selten habe ich jedoch bei einem sloch jungen Autoren - Jost war da wohl gerade mal Anfang 20.
Ich wünsche dir, Jost, TASHI DELEK am Big E!

Andreas

Ich weiss nicht, weshalb Messner auf Kobusch rumhacken muss. Zweifelsohne hat Messner Unglaubliches erreicht. Aber weshalb sollte Jost Kobusch nicht an den Everest fahren, wenn ihm der Sinn danach steht? Es gibt keine Pflicht die südtiroler Ochsentour zu absolvieren, bevor man den Everest im Winter versucht.

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