Immer mehr Menschen drängen in die Berge. Doch ihr alpinistisches Können ist teils überschaubar – mehr Unfälle und Probleme sind daher leider vorprogrammiert.

2019 gingen so viele DAV-Mitglieder in die Berge wie nie zuvor: rund 1,3 Millionen Menschen. Wo Masse unterwegs ist, leidet auch die "Qualität" der Gäste.

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Viele Bergführer, Bergretter und Hüttenwirte klagen logischerweise über die gestiegenen Ansprüche der Gäste und ihre sinkenden alpinen Fertigkeiten. Die Folge ist auch ein stetig wachsendes Sicherheits- und Informationsbedürfnis.

Beim Münchner Haus auf der Zugspitze etwa weist ein Schild auf die jenseits des Gitters beginnenden alpinen Gefahren hin. Immer öfter gewinnt man den Eindruck, der gesunde Menschenverstand rückte in den Hintergrund zu Gunsten der Suche nach einer Haftbarkeit für eigenes Verschulden.

Beim Eintritt in Kletterhallen unterschreibt man einen sogenannten Haftungsausschluss ebenso wie beim Mountainbike-Verleih oder der Verleihstation im Freeride-Shop im Winter. Und warum? Ganz einfach: Weil in unserer heutigen Gesellschaft für alles und jeden jemand verantwortlich sein muss.

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Sobald ein Unglück geschieht – und sei es nur ein Materialschaden –, wird sofort die Frage nach dem Schuldigen gestellt. Der Klettersteig war zu schwer? Was hat denn der Führerautor da wohl falsch angegeben? Die Wanderung führte zu einem Kreislaufkollaps?

Die Teilnehmer einer Hochgebirgswanderung litten unter Unterkühlung? Ja hat denn den Armen niemand gesagt, dass sie eine warme Jacke und Mütze mitnehmen sollen – auch im Sommer? Unverantwortlich!

Meist wird bei den anderen gesucht, selten bei sich selbst. Dabei könnte man doch in den Bergen lernen, wieder mehr Selbstverantwortung zu übernehmen und so auch als Persönlichkeit wachsen. Denn sind wir doch mal ehrlich: Wo kann man heute noch ein selbst gewähltes Risiko eingehen?

Nicht, dass wir uns jetzt falsch verstehen: Wir sind keine Hasardeure. Aber wir wollen selbst entscheiden (lernen) können, mit wie viel Risiko wir unterwegs sind.

Video: "Vollkasko-Mentalität" am Berg? Auch das BR-Magazin "quer" widmete der Frage kürzlich einen Beitrag.

Das Ergebnis unserer Kontrovers-Umfrage zu dem Thema findet Ihr hier.

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61 Kommentare

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chriss

Diese Umfrage wird im falschen Forum diskutiert.
Natürlich sind all diejenigen die die Seite alpin.de lesen für Antwort B, denn alle diese Leser beschäftigen sich ja mit den Risiken des Bergsports.
Man müsste die Umfrage dort starten wo sich diejenigen tummeln die das erste mal am Berg sind oder sich mit den Risiken nicht befassen.
Nicht falsch verstehen, die Frage ist die richtige und ich möchte keinen Vorwurf machen. Aber evtl. sollte man Links zur Umfrage auf den Webseiten der Hütten oder der Anbieterseiten für Bergpauschalreisen platzieren. Das ist ungleich schwerer. Aber die Umfrage auf alpin.de ist statistisch völlig verzerrt.

Anonym

Dann wär's ja kein Abenteuer oder keine Herausforderung mehr. Oder wie Reinhold Messner sagt: "Der Berg muss auch eine Chance haben..."

Manfredo

Es muss nicht alles bis ins letzte Detail geregelt sein; vor allem sollte die ohnehin rasant steigende Vollkasko-Mentalität nicht noch weiter gefördert werden. Wer in die Berge geht, tut dies eigenverantwortlich, sprich auf eigenes Risiko. Es gibt genügend Möglichkeiten sich vorab über die etwaigen Bedingungen zu informieren, wer Einsteiger ist kann mittlerweile zahlreiche Kurse besuchen, warum will man dann mit aller Gewalt die letzten noch halbwegs freien Bastionen in ein Korsett zwängen. Wer diese (Natur)Regeln nicht akzeptieren kann, oder will, soll sich eben einer anderen Beschäftigung widmen! Hätte es all diese gewünschten Sicherheiten und Regelungen schon vor 100 Jahren gegeben, gäbe es heute keinen Alpinismus, bestenfalls gut organisierte Veranstaltungen für Bergtouristen. ... wer eine Wüste durchquert, zu einem Pol wandert, oder schwierige Neuerschließungen auf sich nimmt, macht dies ebenfalls auf eigenes Risiko, und so sollte dies auch in den Alpen bleiben

Petra

Jeder, der in den Bergen unterwegs ist, sollte sein Können und seine Risikobereitschaft einschätzen können. Dies kann nicht von heute auf morgen gelten, sondern ist ein Erfahrungsprozess, an den sich jeder herantasten sollte. Jeder sollte lernen, ab wann der Zeitpunkt, z.B. für eine Umkehr ist (sei es aus technischem Können oder Wetter). Eigenverantwortliches, realistisches Handeln zeichnet uns Menschen mit Verstand aus. Der Gedanke der Leistugnsgesellschaft im Tal (immer schneller, höher und weiter) ist am Berg fehl ab Platz, da sich die Natur nicht beherrschen lässt. Im Gegenteil, wir sollten sie annehmen und uns nach ihr richten. Im Zweifel müssen eben mehr Anläufe für die Besteigung eines Gipfels gemacht werden.

Dr. Inge Rötlich

Hallo, ich und mein Lebensgefährte haben viele Jahre als Fachübungsleiter Alpinklettern (bzw. ich als angehende FÜL Bergsteigen) beim DAV Alpin-Kletterkurse geleitet. Wir sehen immer öfter, daß Leute (insbesondere auf Klettersteigen) sehr schlecht und oft mit altem MAterial ausgerüstet sind, die Kinder sind z. B. ohne Helm unterwegs (während der Vater einen trägt) usw. - in der Regel sind in den Bergen oft die "Besserverdienenden" unterwegs, aber Geld für einen Bergführer oder gutes Material will man nicht investieren. Bergführer verdienen eh zu wenig für die hohe Verantwortung, die sie tragen. Oft werden Leute gerettet, die dann auch noch undankbar sind, obwohl die anderen ihr Leben für sie riskiert haben. Das ist eine sehr gute Entwicklung. Wir beiden mögen auch die "Fun-Klettersteige" nicht, denn dadurch verkommen insbesondere die Alpen immer mehr zu einem großen Abenteuerspielplatz, und die Leute denken eben, es ist ein Spielplatz, ist es aber nicht. Vor allem auch Kollegen Fachübungsleiter/Trainer vom DAV überschätzen oft ihre Fähigkeiten und verstoßen gegen das, was sie eigentlich rechtlich dürfen, das haben wir oft genug erlebt und deshalb unsere Tätigkeit für den DAV eingestellt. Selbst erlebtes Beispiel letztes Jahr in der Brenta auf den Klettersteigen: ein DAV-Trainer kommt mit seiner Mannschaft von oben (ungesichert!!!) auf dem Klettersteig herunter, will mich durchlassen, ich drehe mich beim Hochsteigen und berühre ihn mit meinem Rucksack unabsichtlich, und mußte mich anschreien lassen, daß er jetzt wegen mir fast heruntergefallen wäre - dabei stand er völlig ungesichert im Gelände und alle seine Teilnehmer auch!. Sowas erlebt man leider immer häufiger. Zum Glück funktioniert es beim Klettern noch gut, die meisten Kletterer haben Anstand und helfen, wenn es nötig ist, aber auch das wird immer weniger. Abhilfe dagegen? Ich würde mal z. B. als DAV eine große Informationskampagne machen, daß die Berge kein Spielplatz sind, und fachliches Wissen sowie Erfahrung und eine gute Ausrüstung nötig sind, und Bergführer mit Fug und Recht gutes Geld dafür verlangen, daß sie andere durch die Berge schleppen. Der DAV meint nämlich auch immer, sie können das alles auch ohne Bergführer, die ohnehin schon oft um die Existenz kämpfen. Jeder sollte wissen, was er kann und darf - Schuster, bleib bei Deinen Leisten. Wer schlecht ausgerüstet in die Berge geht und einen Hubschrauber braucht wegen Unterkühlung oder so, sollte u. U. auch an den Kosten der Bergung beteiligt werden, auch wenn er versichert ist. Die Leute kapieren erst dann was, wenn es an den Geldbeutel geht!

Christian M.

Meine Frau und ich sind regelmäßig in den Bergen unterwegs, was man da alles zu sehen bekommt ist echt erschreckend. Von falscher Ausrüstung(Birkenstock), Selbstüberschätzung, kein Verantwortungsbewusstsein weder der Natur oder anderen Berggehern gegenüber.
Jeder der sich in die Berge begibt sollte sich darüber im klaren sein, daß er nicht mehr im Tal auf dem Fußweg unterwegs ist. Wenn ich mich in die Berge begebe bin ich Verantwortlich für mein Handeln und nicht eine Bergwacht, Hüttenwirt oder sonst wer.
Ich für meinen Teil stelle fest, daß der Respekt der Natur gegenüber nicht der ist der er mal war. Es ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden das Hütten fließend kalt und warm Wasser haben, eine Speisekarte wie in einem fünf Sterne Restaurant und das jeder Berg ohne Probleme bestiegen werden kann.
Das ist falsch!!!!! Weniger ist manchmal mehr und dies sollten wir schätzen.

G.H.

Wenn jemand in den Bergen unterwegs sein will dann sollte man die Gefahren akzeptieren die einem auf seiner Route begegenen, bzw. solche Wege wählen mit diesem Risiko man leben kann. Man sollte auch sich Selbst einschätzen können und seine Alpinen Fertigkeiten kennen, bevor man irgendwelche Routen sich als Ziel setzt die man körperlich nicht gewachsen ist.

Anonym

An der Kanzelwand hat sich mal eine Frau beschwert, dass da am Gipfel kein Geländer sei, das sei ja voll gefährlich. Meine damals acht Jährige Tochter hat gesagt, da must halt acht geben. Mehr muss man dazu nicht sagen.

Anonym

Was soll man zu diesem Thema sagen, wenn heute in einer großen deutschen Tageszeitung Folgendes zu lesen ist: "So kommen Sie auf den Berg Mit einem Klettersteig-Set können auch Nicht-Alpinisten durch steile Wände steigen. Sicher sollte es natürlich sein, nicht zu schwer und leicht im Handling. Wir haben sieben Modelle getestet" Verantwortungsbewußtsein mag dem Einen oder Anderen schon in die Wiege gelegt sein, aber Erfahrung kann man halt erst im Laufe der Zeit sammeln. Es kann nicht sein, dass objektiv Unbeteiligte wie Hüttenwirte, Wegwarte etc. für Ereignisse zur Verantwortung gezogen werden, die aus Dummheit (oder Pech!) resultieren.

Marion

Jeder der in den Bergen unterwegs ist sollte eine gute Kondition haben, Karten/Kompass lesen können und über eine gesunde Selbsteinschätzung verfügen. Sich nicht zu schade sein vor Ort Infos über Wetter und Machbarkeit der gewünschten Route einzuholen und dies dann auch zu berücksichtigen bzw. zu beachten. Die Bergführer/Hüttenwirte haben einfach die nötige Erfahrung und wenn etwas nicht geht, dann sollte man dies einfach akzeptierten. Denn wer wirklich der Berge wegen und nicht wegen Instagram oder Facebook losgeht lernt auch Demut, denn die Natur ist einfach gigantisch und wenn sie wollte könnte sie uns einfach abschütteln. Ein freundliches Berg heil an alle Bergkameraden

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