Das muss man wissen

Bergrettung: Wer zahlt im Fall der Fälle?

Bergung, Rettung oder Blockierung - Die Berge können es in sich haben, gut wenn Hilfe kommt.

Bergrettung: Wer zahlt im Fall der Fälle?
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Jedes Jahr zieht es mehr Menschen raus in die Natur und in die Berge. Die Pandemiejahre 2020 und 2021 haben diesen Trend noch verst√§rkt.¬†Doch kennen sie ihr Risiko? Ein pl√∂tzlicher Wetterumschwung, ein falscher Tritt, fehlende Kondition ‚Äď wenn der Hubschrauber fliegen muss, kann ein Rettungseinsatz schnell in die Tausende gehen.

Laut DAV verzeichnete der SAC, die Alpinpolizei √Ėsterreich und die Bergwacht Bayern in den letzten zwei Jahren¬†Steigerungen bei den Bergunf√§llen in den alpinen Kerndisziplinen, w√§hrend die Unfallmeldungen beim DAV sogar zur√ľckgingen. Der¬†Berg-Boom und die erh√∂hte Tourenaktivit√§t f√ľhrten¬†demnach zu einerr Zunahme von Rettungsinstitutionen.

<p>Einsatzkräfte der Wasserwacht und Bergwacht suchen nahe der Höllentalklamm nach vermissten Wanderern.</p>

Einsatzkräfte der Wasserwacht und Bergwacht suchen nahe der Höllentalklamm nach vermissten Wanderern.

© picture alliance/ Lennart Preiss

Damit nach der gl√ľcklichen Rettung nicht das b√∂se Erwachen in Form einer Rechnung ins Haus flattert, ist es ratsam, sich abzusichern. Notf√§lle sind vielf√§ltig: die Suche nach einem Vermissten, eventuell mit einer Hundestaffel. Die Rettung eines Verletzten, unter Umst√§nden per Hubschrauber.¬†Oder die Bergung eines Wanderers, der gest√ľrzt ist. F√ľr Versicherungen stellt sich dann die Frage nach der Art des Einsatzes und dem Ort des Unfalls.

<p>Einsatzkräfte der Bergrettung und Alpinpolizei an der Absturzstelle am Großglockner.</p>

Einsatzkräfte der Bergrettung und Alpinpolizei an der Absturzstelle am Großglockner.

© IMAGO / Eibner Europa

Bergung oder Rettung?

Die Begriffe sind nicht immer trennscharf und werden h√§ufig synonym verwendet, was bei der Diskussion um die Kosten nicht selten zu Missverst√§ndnissen f√ľhrt. Die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) in Deutschland √ľbernehmen die Kosten f√ľr Rettungseins√§tze im eigenen Land, wenn der Einsatz medizinisch notwendig ist.¬†Erleidet ein Wanderer also bei einer Tour einen Herzinfarkt oder wird er von einem Steinschlag getroffen, ben√∂tigt er umgehend medizinische Hilfe.

<p>Wenn der Heli kommen muss, wird es sehr schnell teuer.</p>

Wenn der Heli kommen muss, wird es sehr schnell teuer.

© Imago / Kraft

"Eine Rettung, vor allem per Hubschrauber, wird dann √ľbernommen, wenn ein andersartiger Transport den Zustand des Patienten gef√§hrden w√ľrde", so Birgit Br√ľmmel von der Stiftung Warentest.

St√ľrzt ein Wanderer einen Abhang hinab und bleibt liegen, muss er gerettet werden. Die Kosten des Rettungseinsatzes √ľbernimmt in Deutschland die Krankenversicherung. Welche Leistungen (Hubschrauber, Notarzt und Rettungswagen) im Einzelnen von der Kasse √ľbernommen werden, h√§ngen jedoch von der medizinischen Notwendigkeit ab.

<p>Die Bergung bei einer leichten Verletzungen wird nicht von der Krankenversicherung √ľbernommen.</p>

Die Bergung bei einer leichten Verletzungen wird nicht von der Krankenversicherung √ľbernommen.

© picture alliance / PantherMedia

Verunfallt der Wanderer dagegen nur leicht, das Gel√§nde ist aber nur schwer zug√§nglich und ein Hubschrauber muss ausr√ľcken, handelt es sich um eine Bergung. Und f√ľr Bergungsaktionen kommt die gesetzliche oder private Krankenversicherung in der Regel nicht auf oder im besten Fall nur zu einem sehr geringen Teil.

"Ist der Wanderer nicht so schwer verletzt und k√∂nnte mit dem Krankenwagen transportiert werden, wird es schwierig. Denn wenn der Heli nur zum Einsatz kommt, weil das alpine Gel√§nde keine andere M√∂glichkeit zul√§sst, w√§re das eigentlich eine Bergung", meint Br√ľmmel.

© picture alliance / Martin Huber

Hier w√ľrde eine private Unfallversicherung greifen. Und ohne die kann es schnell teuer werden: Eine Flugminute kostet zwischen 60 bis 90 Euro. F√ľr eine Rettungsaktion stehen dann schnell 3.500 bis 5.000 Euro auf der Rechnung. Je nach Tarif und Unternehmen √ľbernehmen Unfallversicherungen die Kosten f√ľr kostspielige Bergungseins√§tze. Auch bei vermuteten Unf√§llen, also wenn Wanderer vermisst gemeldet werden.

Und im Ausland?

F√ľr die Versicherungen spielt auch der Unfallort eine wichtige Rolle. Innerhalb der EU sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz haben Versicherte einer gesetzlichen Krankenkasse Anspr√ľche auf Kosten√ľbernahme bei einem Unfall. Jedoch richtet sich der Leistungsumfang nach dem jeweiligen Landesrecht.

<p>Sicher am Berg: Welche Versicherung deckt welchen Notfall?</p>

Sicher am Berg: Welche Versicherung deckt welchen Notfall?

© Simon Helle

Ein teilweise deutlicher Eigenanteil ist daher quasi vorprogrammiert. Au√üerhalb von Europa √ľbernimmt nur eine private Auslandsreisekrankenversicherung die Kosten.

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"Grunds√§tzlich empfiehlt sich f√ľr jeden, der regelm√§√üig in den Bergen unterwegs ist, eine Absicherung durch eine private Auslandskrankenversicherung sowie durch eine Unfallversicherung mit Einschluss von Bergungskosten", so Harald Paschken, Versicherungsberater bei den Naturfreunden Deutschlands.

Eine private Auslandsreisekrankenversicherung deckt auch die medizinische Behandlung nach dem Unfall sowie einen R√ľcktransport ins Heimatland ab.

Bei privaten Unfallversicherungen lohnt der Blick ins Kleingedruckte. Denn die √úbernahme von Transport- und Rettungskosten ist bei vielen Unternehmen Bestandteil der Besonderen Versicherungsbedingungen und deshalb ein beitragspflichtiger Zusatzbaustein. Besonders, wenn es um den Transport in ein Krankenhaus oder den R√ľcktransport zum Wohnsitz geht, sollte man √ľber die Versicherungsbedigungen genau Bescheid wissen. Die Leistungspflicht besteht nur, wenn andere Ersatzpflichtige ausfallen. Sprich, wenn nicht noch zus√§tzlich eine private Auslandskrankenversicherung besteht.¬†

Bergrettung: Schutz √ľber den Verein?

Eine umfassende Absicherung bietet vor allem die Mitgliedschaft in einem der alpinen Vereine. Mitglieder des deutschen Alpenvereins (DAV) sind weltweit f√ľr Such-, Bergungs- und Rettungsaktionen w√§hrend alpinistischer Aktivit√§ten (Skifahren, Langlauf, Snowboarden eingeschlossen) bis 25.000 Euro abgesichert.

√Ąhnliche Konditionen bietet auch der √Ėsterreichische Alpenverein (√ĖAV) seinen Mitgliedern. Wer weniger an den Angeboten und Erm√§√üigungen der Vereine interessiert ist, sondern nur eine kosteng√ľnstige Bergekostenversicherung sucht, k√∂nnte auch eine F√∂rder-Mitgliedschaft bei der Bergrettung √Ėsterreich eingehen, etwa √ľber die Bergrettung Salzburg.

Sie kostet 28 Euro, schließt weltweit Boden- und Flugrettung bei Berg- und Wassersport bis 25.000 Euro ein und kann auch von Ausländern abgeschlossen werden.

Der Schweizer Alpenclub (SAC) bietet keine Unfallversicherung im Rahmen seiner Mitgliedschaft, gew√§hrt jedoch Verg√ľnstigungen f√ľr eine G√∂nnerschaft bei der schweizerischen Rettungsflugwacht (REGA). Eine G√∂nnerschaft bei der REGA ist jedoch nicht gleichzusetzen mit einer vollwertigen Versicherung und garantiert keine Rettungsfl√ľge.

Bergrettung: Sonderfall Blockierung

Auf fast 13.000 Eins√§tze kommt allein die Bergwacht Bayern inzwischen j√§hrlich. Tendenz weiter steigend, meldet auch der deutsche Alpenverein, der seit 1952 j√§hrlich die Zahl der gemeldeten Bergunf√§lle erhebt. Die Gr√ľnde sind vielf√§ltig: Es sind immer mehr aktive Bergsportler unterwegs, ver√§nderte klimatische Bedingungen wie etwa vermehrter Steinschlag, eine erleichterte Alarmierung durch Mobiltelefone, aber auch immer mehr alpin Unerfahrene, die sich √ľbersch√§tzen, tragen zum Anstieg der Rettungseins√§tze bei.

Ein rapider Anstieg von Notfällen ist vor allem bei sogenannten Blockierungen zu verzeichnen, also bei Rettungseinsätzen aus ausweglosen Situationen ohne Verletzung.

"Gerade in Zeiten von Notrufhandys¬†und Hubschraubern trauen sich die Menschen oft mehr zu, als sie wirklich k√∂nnen", so Balthasar Laireiter von der Bergrettung Salzburg.¬†"Wenn sie dann am Klettersteig weder vor noch zur√ľck k√∂nnen, z√ľcken sie ihr Handy und holen die Bergrettung."

Die Kosten f√ľr derartige Notf√§lle, die weder Unfall noch medizinischer Notfall sind, schlie√üen aber nur die DAV-Versicherung und die Bergekostenversicherung der Bergrettung √Ėsterreich ein.

Rettung auch bei Leichtsinnigkeit und Fahrlässigkeit?

Ein nicht unerhebliches Thema ist auch, wer zahlt, wenn Bergsteiger leichtsinnig oder gar fahrl√§ssig handeln. Sie beispielsweise mit ungeeigneter Ausr√ľstung in vereistes, schneereiches Gel√§nde gehen oder trotz Unwetter- oder Lawinenwarnungen losziehen? M√ľssen die Bergsteiger in diesen F√§llen die Kosten f√ľr die Rettung selbst tragen?

Die gute Nachricht vorneweg: Der Grund des Einsatzes spielt f√ľr die Bergrettung erstmal keine Rolle. Grunds√§tzlich wird zun√§chst zwischen¬†Notfalleinsatz, also wenn jemand verletzt ist, und¬†Sondereinsatz, also wenn Menschen blockiert sind, sich verstiegen haben oder ersch√∂pft sind, unterschieden. Zu Sondereins√§tzen geh√∂ren auch Tierbergungen, die Vermisstensuche und die Bergung von Toten.

© picture alliance/dpa

Laut Bergwacht Bayern gilt immer der Grundsatz: Wenn jemand verletzt ist oder medizinische Hilfe braucht, dann handelt es sich grundsätzlich um einen Notfalleinsatz, der dann von der Krankenkasse bezahlt wird.

W√§hrend Bergekosten im Ausland auch mit einer Auslandsreisekrankenversicherung abgedeckt werden k√∂nnen, erstattet der Versicherungstr√§ger des DAV auch die Bergekosten in Deutschland ‚Äď und das sogar bei Fahrl√§ssigkeit.

Böses Erwachen?

Auch wenn in Momenten akuter Not die Frage nach den Kosten zweitrangig ist, r√ľckt sie nicht selten anschlie√üend umso mehr in den Vordergrund.

Gerade bei einem Helikoptereinsatz sind leider ein paar tausend Euro schnell zusammengekommen. Abgerechnet wird teilweise noch an Ort und Stelle. Das heißt, man geht mit Kreditkarte in Vorkasse. Oder die Rechnung flattert ein paar Tage später ins Haus. Nicht selten fragen sich dann die Betroffenden, an wen sie sich nun wenden sollen.

© IMAGO / suedraumfoto

Es lohnt sich auf jeden Fall immer einen genauen Blick in die Versicherungsbedigungen zu werfen. Oft schließen private Krankenversicherungen, die vor langer Zeit angeschlossen wurden, die Bergrettung noch mit ein. Bei neueren Versicherungen können diese jedoch schon mal ausgeschlossen sein. Auch die Deckungssumme der Versicherung ist dabei nicht unerheblich, da eine Rettung mit dem Hubschrauber mal schnell in die Tausende gehen kann.

Wie man es auch dreht und wendet, wer regelm√§√üig in die Berge geht, tut gut daran sich abzusichern: mit guter Vorbereitung, ad√§quater Selbsteinsch√§tzung, der Auswahl von Touren, die zum Leitungsniveau passen, und last but not least der n√∂tigen Versicherung f√ľr den Fall der F√§lle.

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Text von Andrea Rudolf

5 Kommentare

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Bergfreundin

Bzgl. der DAV Versicherung die in der Mitgliedschaft enthalten ist, muss man enorm aufpassen, dass die Versicherung nicht greift wegen "Pauschalreise"

"Die im Voraus festgelegte Verbindung von mindestens zwei der folgenden Dienstleistungen, die zu einem Gesamtpreis verkauft oder zum Verkauf angeboten wird, wenn diese Leistung länger als 24 Stunden dauert oder eine Übernachtung einschließt:
‚ÄĘ Bef√∂rderung
‚ÄĘ Unterbringung
‚ÄĘ andere touristische Dienstleistungen, die nicht Nebenleistungen von Bef√∂rderung oder Unterbringung sind und einen betr√§chtlichen Teil der Gesamtleistung ausmachen (z.B. Wanderf√ľhrer)
‚ÄĘ Nicht entscheidend f√ľr die Antwort ist, ob ein Flug inbegriffen ist oder nicht!
‚ÄĘ Auch ‚Äěindividuell‚Äú nach W√ľnschen zusammen gestellte Reisen sind ‚ÄěPauschalreisen‚Äú, sobald 2 oder mehr Reise-Elemente zusammen gestellt werden. Es muss keine ‚ÄěStandard-Reise-Paket‚Äú aus dem Reise-Katalog sein.

Ludwig

Was hier wieder heraus kommt, ist eine neue EU Ellenbogengesellschaft die von vermeindlich √ľberlegenen forciert werden. Jeder wird ohne zusatzkosten heraus geholt. Punkt. Alles andere ist nahe am Zeitgeister 1939.

LOL

Ich interpretiere den Ansatz von Karl so, dass grob fahrl√§ssige Handlungen nicht zu Kosten von Anderen gebilligt werden sollten. Kosten in dem Sinne, dass Eins√§tze bezahlt werden m√ľssen, die vermeidbar gewesen w√§ren und m√∂glicherweise andere Rettungsaktionen dadurch verz√∂gern k√∂nnten.

Eine Versicherung auszunutzen, um so bewusst mehr Risiken einzugehen und weniger Planen zu m√ľssen, ist meiner Meinung nicht wirkliche ein vorteilhafter Trend. Zudem wird nicht von einer Komplett√ľbernahme sondern nur von einem Eigenanteil gesprochen, also ein vertretbarer Anteil.

Das unnötige Risiko wurde schon bewusst eingegangen und durch solch eine Maßnahme sollte dies ja vermieden werden.

Heisltschick!

@Karl... das ist ein ebenso selbstgerechter wie unsolidarischer und kurzsichtiger Kommentar. √Ąrgerlich, einfach √§rgerlich! Sie unterstellen laienhaft und f√§lschlich, eine Blockierung sei zwangsl√§ufig (fahrl√§ssig) verschuldet (und in diesen F√§llen sei eine Rettung nicht "wirklich n√∂tig"). Meinen Sie ernsthaft, es w√ľrde die "Unfallzahlen senken", wenn die Versicherten, die ja bereits √ľber ihren AV-Beitrag eine (dem versicherten Risiko angepasste und wirtschaftlich kalkulierte) Versicherungspr√§mie bezahlt und damit einen entsprechenden (im √úbrigen subsidi√§ren) Anspruch (!) erworben haben, aus Angst vor Inanspruchnahme/Eigenanteil einen rechtzeitigen Notruf unterlassen und in der Folge unn√∂tige Risiken eingehen?

Karl

So sch√∂n es ist √ľber den DAV f√ľr alle F√§lle abgesichert zu sein...die Unfallzahlen senkt das eher nicht. Besonders die Blockierungen sind meiner Meinung nach ein Problem. In diesem Fall w√§re ein entsprechender Eigenanteil (z.B. 500‚ā¨) angebracht. Hat man die Rettung wirklich n√∂tig, wird man das gerne zahlen. Hat man sich fahrl√§ssig √ľbersch√§tzt, keinen Wetterbericht geschaut oder steigt mit v√∂llig falschem Material ein, kostet es eben was.