Was macht eigentlich ... ? Interview Teil II

Tobi von AlpineFex: "Meine Videos appellieren an die Eigenverantwortlichkeit der Menschen"

Viele kennen Tobi aka AlpineFex durch seine 350 (!) Tourenvideos. Am Anfang als Hobbyprojekt gestartet avancierte der immer professioneller werdende Kanal an die Spitze des Bergsportcontents auf YouTube. Im November 2021 schloss Tobi den Channel, nachdem er sich bereits immer weiter zurückgezogen hatte. ALPIN traf Tobi in Garmisch und ließ mit ihm Erfolg und Ausstieg Revue passieren. Ein Gespräch über Selbstreflektion, Leistungsdruck und Kritik.

Teil II unseres Gesprächs mit Berg-Youtuber Tobi aka AlpineFex.
© Konstantin Möller

Das ist Teil II des Interviews mit Tobi aka AlpineFex. Hier geht es zum ersten Teil des Gesprächs.

ALPIN: Wieso hast du ab einem gewissen Punkt die Kommentarfunktion deaktiviert? Lag es an der Kritik?

Das war unmittelbar nach meinem Unfall 2020. Bis zu diesem Zeitpunkt waren alle Kommentare und Daumen-Bewertungen aktiv. Aber nach dem Unfall bin ich ehrlicherweise ziemlich in ein Loch gefallen. Nach der Knie-Diagnose war unklar, ob ich überhaupt noch Bergsport machen kann. Ich habe die Kommentare deaktiviert, um erstmal zur Ruhe zu kommen.

Ich wollte einfach nichts mehr lesen, meine Gesundheit hatte oberste Priorität. Die nachfolgenden Tage und Wochen habe ich dann gemerkt, dass ich diesen Schritt nicht mehr rückgängig machen will. Das "Warum" habe ich in einem separaten Video kommuniziert.

<p>Tobi beim Klettern in den Dolomiten.</p>

Tobi beim Klettern in den Dolomiten.

© Stephan M.

ALPIN: War das im Nachhinein für dich der erste Schritt weg von YouTube?

Ja, das war eine Art "Soft Cut". Ich bin einen Schritt zurückgegangen. Und das war rückblickend der Anfang vom Ende.

ALPIN: Du bist jemand, der in der Szene polarisiert. Was hat das mit dir gemacht? Wie viel Kritik hat dich persönlich erreicht?

Bevor die Kommentare und Bewertungen abgestellt worden war die Rückmeldung auf dem Kanal zu 95% positiv. Viel Kritik hat mich tatsächlich nicht erreicht, vor allem nach dem Unfal 2020. Und ich habe ehrlicherweise nie eine persönliche negative Rückmeldung mitbekommen. Dass hinter meinem Rücken geredet wird, ist mir klar. Je größer man als Kanal ist, desto schlimmer wird das. Man wird schnell unter Beschuss genommen.

Das ist aber normal. Auch Profis bekommen Kritik für Dinge, die sie tun. Ein persönliches Feedback ist mir am liebsten, da ist aber in all den Jahren nie etwas Negatives zur Sprache gekommen, was meinen Kanal angeht. Im Netz ist man anonym und traut sich deshalb vermutlich mehr.

ALPIN: Thema Nachahmer, Transparenz und Falschinformation: Dir wurde vorgeworfen, Bergunglücke verursacht zu haben. Fühlst du dich für Unfälle von Nachahmern verantwortlich?

Ich sehe es so: Ich kläre in meinen Videos über eine Tour und ihre Schwierigkeit auf. Das war auch bei den besagten Videos der Fall. Mehr als an die Eigenverantwortlichkeit der Menschen zu appellieren, kann ich nicht tun. Da muss sich jeder selbst einschätzen können.

<p>Tobi plädiert für eine gesunde Selbsteinschätzung am Berg, gerade in schwierigen Touren. Hier sieht man ihn im frühen Aufstieg zur Tiefkarspitze.</p>

Tobi plädiert für eine gesunde Selbsteinschätzung am Berg, gerade in schwierigen Touren. Hier sieht man ihn im frühen Aufstieg zur Tiefkarspitze.

© Oliver

Ich erkläre in meinen Videos alles zu den Bedingungen. Auch wie steil oder schwer. Wenn ich wegen schlechten Verhältnissen den Plan ändere oder abbreche, wurde das immer gezeigt. Wenn man die Videos richtig schaut, sieht man: Ich bin transparent darin, wie ich Touren gehe.

ALPIN: Du bist bekennender Gear Nerd und am liebsten so leicht wie möglich auf Tour. Verrätst du uns zum Abschluss dein aktuelles Lieblingsstück?

Klar, gerne! Den Rucksack Whiteout 45 von Exped finde ich sowohl was das Material angeht, als auch von der Konzeption her stark. Am häufigsten habe ich ihn bei langen Hochtouren und beim Eisklettern im Einsatz.

<p>Am liebsten ist Tobi im Winter beim Eisklettern auf Tour wie hier im Pitztal.</p>

Am liebsten ist Tobi im Winter beim Eisklettern auf Tour wie hier im Pitztal.

© Konstantin Möller

Text von Lubika Brechtel

8 Kommentare

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Michael auf unserer Facebook-Seite

Hab mir die Videos immer gerne angesehen, waren ja auch sehr professionell aufbereitet. Wir wären auch damals bei der Alpenüberquerung gemeinsam gelaufen, wenn er nicht verletzt gewesen wäre. Wir haben aber trotzdem ein paar Worte wechseln können. Leider bin ich jetzt verletzt und hoffe nächstes Jahr wieder in die Berge gehen zu können.
Ihm die Schuld zu geben, dass Routen aufgrund seiner Videos stärker frequentiert werden und daher mehr Unfälle geschehen, halt ich für sehr weit hergeholt. Demnach dürften sämtliche TV-Formate (Bergauf/Bergab, usw.) niemals gesendet werden.

Piller auf unserer Facebook-Seite

Hab mir seine Touren immer gerne angesehen. Er hat auch schon immer gesagt das es nicht zum nachmachen ist und jeder selber wissen muss was er kann.
So kann er sich jetzt halt voll auf sich konzentrieren

Tobias auf unserer Facebook-Seite

Anderen die Schuld geben, weil man sich selber unterschätzt und meint, jedes Risiko eingehen zu müssen, ist so typisch in Deutschland. Es bleibt jeder für sich selbst verantwortlich so wars schon immer und wird immer so sein.

Leonhard auf unserer Facebook-Seite

Ich möchte das auch gar nicht weiter kommentieren und deine Meinung so akzeptieren wie sie ist.
Du musst einfach auch die Situation verstehen dass zu der Zeit die Grenzen durch Corona geschlossen waren und jegliche Skifahrer die nicht mehr Skifahren konnten auf Tourenski umgestiegen sind.
Das betraf auch jene die gerne Steil abfahren mit Bahn. Zudem waren extrem viele Leute dünnhäutig und besonders gereizt durch die Beschränkungen.
Das bedeutet wir hatten eine massive Zunahme in allen Bereichen von Skitourensport. Das Dammkar war allgemein extrem voll, ein geringer Teil möglicherweise in der Rinne.
Eindeutige Zahlen wirst du auch nur bekommen wenn du z.B ein Gipfelbuch offiziell ausliest.
Das Problem ist auch immer die Beweislage und was davon ist Wirklichkeit.
Wird das nur erzählt oder kann man das auch belegen also handfeste Beweise.
Wenn dich ein damaliger Fan oder Zuschauer mit einem Stein getroffen hat ist das in dem Sinne aber nicht die Schuld vom Blogger. Da musst du dich direkt an die Person wenden die den Stein losgetreten hast und ihn fragen warum er unachtsam durch die Berge geht.
Du wirst da ziemlich viel in einen Topf rein.
Das klingt so ein bisschen wie die Autobahn sind alle ganz schlimm weil die damals von... gebaut wurden. Denk mal drüber nach.
Im Endeffekt ist es ja auch egal ob ein Fremder Bergsteiger inspiriert wurde durch ein Print-Magazin, einen Blogger, durch das Fernsehen oder durch ein Forum.
Es ist jeder für sich selber verantwortlich.
Beispiel Andy84 und der Schulausflug.
Erst haben die alle dem Andy die Schuld gegeben aber die grobe Fahrlässigkeit liegt bei dem Lehrer. Selbes gilt auch für dein Beispiel.

Decon auf unserer Facebook-Seite

Es sind nicht "seine Videos " es ist einfach nur eine andere zeit. Früher wären solche Touren zur Mode geworden wenn sie im Fernsehen, Zeitschriften, Film oder in der Szene bekannt geworden wären. Das gab es vor 50 Jahre und jetzt lediglich das Medium hat sich geändert

Dominik auf unserer Facebook-Seite

danke für deinen Beitrag. Unstrittig dürfte jedoch sein, dass die Frequenz in der Rinne massiv zugenommen hat. Und das glaube ich schon auch beurteilen zu können nachdem ich auch 3,4 mal pro Winter im Dammkar unterwegs bin und mit offenen Augen durch die Welt gehe.
Wenn man im Übrigen von einem seiner Fans mal fast durch Steinschlag um haaresbreite abgeschossen wurde hat man vielleicht nicht mehr das größte Verständnis für sein damaliges Wirken. Der Genannte samt Gruppe ließ sich auch von einem seiner Videos in eine Tour verleiten auf die sie selbst nicht gekommen wären und nicht sonderlich sauber gestiegen sind da schlichtweg auch überfordert mit dem Gelände.

Leonhard auf unserer Facebook-Seite

Servus Dominik,
Ich glaub du kennst die Details der Unfälle nicht als Münchner / Berchtesgadener .
(Nicht abwertend gemeint).
Wenn du wüsstes wer die Verunfallten sind hättest du deinen Text nicht geschrieben. Gleiches gilt für die Berichterstattung damals. Da wurden falsche Informationen verwerdet um jemanden die Schuld zu geben.
Über den Rest lässt sich streiten aber er hat sich am in dem Fall der Tiefkarspitze nichts zu Schulden kommen lassen. Da spielen persönliche und politische Faktoren eine Rolle. Wir haben da vor Ort verschiedene Meinungen zu aber stützen sicher nicht alle diese Propaganda der Zeitung.
Das musste mal gesagt werden!

Dominik auf unserer Facebook-Seite

Seine Videos führen zu höheren Frequenzen in einst ruhigen Touren, was auch die objektiven Gefahren erhöht. Fragt mal die Bergwacht Mittenwald.
Gut dass er weg ist, 20 andere sind dafür dazugekommen.
Wenigstens gibt er es zu, dass das Like und sonstige Feedback durchaus ein Motivator für die Videos waren.
Es freut mich sehr für ihn,dass er die berge jetzt tatsächlich genießen kann. Viele schöne Touren und ein langes Leben wünsche ich ihm.