Extrembergsteiger, Forscher und Lehrer des Dalai Lama

06. Juli 1912: Geburtstag von Heinrich Harrer

Der weltberühmte Österreicher, einer der Erstbesteiger der Eiger-Nordwand und berühmt durch die Verfilmung seines Buchs "Sieben Jahre in Tibet" über seine Erlebnisse mit dem jungen Dalai Lama, hätte am 6. Juli 2024 seinen 112. Geburtstag feiern können.

Konnte auf ein äußerst bewegtes Leben zurückblicken: Heinrich Harrer.
© Imago / Rolf Hayo

Heinrich Harrer wurde am am 06. Juli 1912 als erstes Kind eines Postbeamten und einer Hausfrau in Obergossen (Kärnten) geboren. Der Kärntner entdeckte während seines Studiums in Graz seine Leidenschaft für Sport. Als Mitglied des Akademischen Turnverein Graz wurde der Teenager bereits akademischer Abfahrtsweltmeister und österreichischer Golfmeister.

1936 wurde Harrer in die österreichische Olympiaauswahl berufen, ging aber in den Disziplinen Slalom und Abfahrt letztlich nicht an den Start, da das Nationalteam die Teilnahme an den Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen aufgrund von Verbandsstreitigkeiten boykottierte.

<p>Geschichtsträchtig: Heinrich Harrer (li.) wird zusammen mit Anderl Heckmair, Luwig Vörg und Fritz Kasparek nach der Erstdurchsteigung der Eiger-Nordwand gefeiert.</p>

Geschichtsträchtig: Heinrich Harrer (li.) wird zusammen mit Anderl Heckmair, Luwig Vörg und Fritz Kasparek nach der Erstdurchsteigung der Eiger-Nordwand gefeiert.

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Aber auch so ging es mit der sportlichen Karriere des äußerst talentierten Geografie- und Sportstudenten weiter bergauf: 1937 erfolgte die Ernennung zum Trainer der österreichischen Damen-Ski-Nationalmannschaft.

Heinrich Harrer und die Erstdurchsteigung der Eiger-Nordwand

Ein Jahr später wurde der nun 26-Jährige dann weltweit in die Schlagzeilen katapultiert, als ihm zusammen mit Andreas "Anderl" Heckmair, Ludwig "Wiggerl" Vörg und Fritz Kasparek im Juli 1938 die Erstdurchsteigung der Eiger-Nordwand gelang.

<p>Medienstar: Heinrich Harrer erläutert den Weg durch die Nordwand (Aufnahme von 1938).</p>

Medienstar: Heinrich Harrer erläutert den Weg durch die Nordwand (Aufnahme von 1938).

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Für das NS-Regime kam der Erfolg der deutsch-österreichischen Seilschaft in der berüchtigten "Mordwand" genau zum richtigen Zeitpunkt, hatte man doch erst vier Monate zuvor den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich verkünden können.

Viele historische Bilder findet ihr in dieser Fotogalerie Eiger-Nordwand:

Höhenpunkt der propagandistischen Inszenierung der "Helden vom Eiger" war eine Privataudienz bei Adolf Hitler, an der natürlich auch das junge NSDAP- und SS-Mitglied Heinrich Harrer teilnahm. Der Österreicher beteuerte bis zu seinem Tod, dass er den beiden Organisationen aus rein opportunistischen Gründen beigetreten war, mit der menschenverachtenden Ideologie der Nazis aber zu keinem Zeitpunkt sympathisiert habe.

Kritiker bewerten Harrers Rolle in der NS-Zeit gänzlich anders und sehen in dem Österreicher einen überzeugten Anhänger der NS-Ideologie, der beispielsweise bereits weit vor der Machtergreifung der Nazis in Österreich der SA beigetreten und ein Günstling Heinrich Himmlers gewesen sein soll. Sogar bei der Besteigung der Nordwand habe Harrer eine Hakenkreuz-Fahne im Rucksack dabei gehabt ... 

<p>Andreas Heckmair und Heinrich Harrer bei der Enthüllung einer Gedenktafel zum 60. Nordwand-Jubiläum am 21. Juli 1998.</p>

Andreas Heckmair und Heinrich Harrer bei der Enthüllung einer Gedenktafel zum 60. Nordwand-Jubiläum am 21. Juli 1998.

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Heinrich Harrer: Die Zeit in Tibet

Als Mitglied der Nanga-Parbat Expedition wurde Harrer 1939 vom Ausbruch des Zweiten Weltkrieges überrascht. Bei der versuchten Rückkehr nach Deutschland wurde das gesamte Expeditionsteam von den Briten gefangen genommen und in ein Internierungslager in Dehradun / Uttarakhand verbracht. 1944 gelang Harrer - nach vier gescheiterten Versuchen - schließlich der Ausbruch. 

<p>Sprachengenie: Die Zeit in Gefangenschaft nutzte Harrer, um Hindustani, Tibetisch und Japanisch zu lernen. </p>

Sprachengenie: Die Zeit in Gefangenschaft nutzte Harrer, um Hindustani, Tibetisch und Japanisch zu lernen.

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Zusammen mit Peter Aufschnaiter, dem Leiter der Nanga-Parbat-Expedition, wanderte er anschließend über 2000 Kilometer zu Fuß durch den Himalaya. Nach fast zwei Jahren auf der Flucht erreichten die beiden Männer schließlich die "verbotene Stadt" Lhasa, wo sie wenig für die tibetische Regierung arbeiteten. Harrer wurde zudem Lehrer und Berater des jungen Dalai Lama.

<p>Schüler und Lehrmeister: Mit dem 14. Dalai Lama verband Heinrich Harrer zeitlebens eine innige Freundschaft. </p>

Schüler und Lehrmeister: Mit dem 14. Dalai Lama verband Heinrich Harrer zeitlebens eine innige Freundschaft. 

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Bis zu Harrers Tod sollte die beiden eine enge Freundschaft verbinden. Harrers Erfahrungsbericht über seine abenteuerliche Flucht und die Zeit in Tibet wurde zum Weltbestseller und 1996 mit Brad Pitt in der Hauptrolle verfilmt.

<p>Filmreif: Sein wohl berühmtestes Buch, "Sieben Jahre in Tibet", wurde 1996 mit Brad Pitt in der Hauptrolle verfilmt.</p>

Filmreif: Sein wohl berühmtestes Buch, "Sieben Jahre in Tibet", wurde 1996 mit Brad Pitt in der Hauptrolle verfilmt.

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Harrer unternimmt zahlreiche Expeditionen

Der kommerzielle Erfolg von "Sieben Jahre in Tibet" ermöglichte Harrer über 20 weitere Expeditionen und Forschungsreisen nach Grönland, den Amazonas, in den Himalaya oder in die Anden. 1962 gelang dem Österreicher die Erstbesteigung der Carstensz-Pyramide (4.884m), einer der Seven Summits.

<p>Heinrich Harrer konnte auch als Autor große Erfolge feiern.</p>

Heinrich Harrer konnte auch als Autor große Erfolge feiern.

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Heinrich Harrer wurde 94 Jahre alt. Der Bergsteiger, Autor, Forscher und Lehrer des 14. Dalai Lama verstarb am 07. Januar 2006 in einem Krankenhaus in Friesach (Kärnten). Wenig später wurde er in in seinem Geburtsort Hüttenberg beigesetzt. In der großen Trauergemeinde fanden sich auch Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider und ein persönlicher Gesandter des Dalai Lama,der Heinrich Harrer mit einer Botschaft des Dalai Lama würdigte.

<p>Bewegtes Leben: Heinrich Harrer wird am 14. Januar 2006 Hüttenberg beigesetzt.</p>

Bewegtes Leben: Heinrich Harrer wird am 14. Januar 2006 Hüttenberg beigesetzt.

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Text von Holger Rupprecht

1 Kommentar

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Dzötschenla

Über die Würdigung des ganz außergewöhnlichen Menschen Heinrich Harrer freue ich mich sehr und ich möchte gerne noch ergänzen, dass Herr Professor Harrer nicht nur besondere Leistungen vollbracht hat, sondern auch als Mensch besondere Qualitäten hatte. Heinrich Harrer war sehr feinfühlig, geradlinig und ehrlich, sehr tierliebend und der beste Kamerad, den man sich wünschen kann.
Ich weiß das, ich habe ihn 10 Jahre lang begleitet.