Ondra in der Sächsischen Schweiz

Streaming-Tipp: Adam Ondra klettert 8c im Elbsandstein

Adam Ondra stellt sich einer der strengsten Klettertraditionen Europas: In der Sächsischen Schweiz gelingt ihm die Route "Die Vertreibung der letzten Idealisten" (8c) – ground-up, ohne Chalk und nach den Regeln des Elbsandsteins. Für den Athleten wird die Begehung zu einer besonderen Erfahrung zwischen Risiko, Ethik und Geschichte.

Die Tour "Die Vertreibung der Letzten Idealisten" (8c)  wurde von Robert Leistner 2005 eröffnet. 2019 holt er sich die erste Rotpunktbegehung.
© Youtube: Adam Ondra, Mammut

8c im Elbsandstein: Ondra folgt strengen Regeln

Die Route "Die Vertreibung der letzten Idealisten" (XIIa / 8c) am Nonnengärtner zählt zu den anspruchsvollsten Linien im sächsischen Sandstein. Erstbegangen von Robert Leistner, verlangt sie neben technischer Schwierigkeit auch mentale Stärke. Adam Ondra kletterte die Route vollständig ground-up und verzichtete dabei komplett auf Chalk – eine Begehung im Einklang mit der strengen lokalen Kletterethik.

Ground-Up-Klettern ist ein alpiner Stil, bei dem Erstbegehungen von unten nach oben, ohne vorheriges Abseilen oder Auschecken der Route, erfolgen.

Sächsische Regeln: Kein Chalk, keine mobilen Sicherungen

Das Klettern im Elbsandsteingebirge folgt besonderen Regeln, die weltweit einzigartig sind. Mobile Sicherungsmittel wie Cams oder Klemmkeile sind tabu, um den weichen Sandstein zu schützen. Gesichert wird mit Bandschlingen und wenigen fest installierten Ringen – oft mit großen Abständen dazwischen.

Auch Chalk ist verboten. Gründe für das Verbot: Chalk verstopft die Poren des porösen Sandsteins, was dazu führt, dass Griffe "schmierig" werden und der Fels auf Dauer Schaden nimmt. "Man kann keine Markierungen setzen, keine Tickmarks verwenden – man muss alles onsight klettern", beschreibt Ondra die Herausforderung. Selbst bei Ringabständen von drei bis vier Metern bleibe das Risiko hoch – ein zentraler Bestandteil der lokalen Klettertradition.

<p>Klettern im Elbsandsteingebirge mit Blick auf die Elbe</p>

Klettern im Elbsandsteingebirge mit Blick auf die Elbe

© IMAGO / Pond5 Images

Naturwunder mit jahrhundertealter Klettergeschichte

Die Sächsische Schweiz gehört zu den traditionsreichsten Klettergebieten Europas. Bereits im Jahr 1864 wurde hier mit der Besteigung des Falkensteins einer der Grundsteine des modernen Freikletterns gelegt. Heute umfasst das Gebiet rund 27.000 Kletterrouten auf markanten Felsnadeln und Tafelbergen entlang der Elbe. Auf über 710 Quadratkilometern erstreckt sich die Region beiderseits der deutsch-tschechischen Grenze und bietet neben Kletterei auch ein weit verzweigtes Wanderwegenetz mit etwa 1200 Kilometern Länge.

"Eine der bedeutendsten Erfahrungen meiner Karriere"

Für Ondra wurde die Begehung zu mehr als nur einer sportlichen Leistung. "Was als Zweifel begann, wurde zu einer der bedeutendsten Erfahrungen meiner Kletterkarriere", erklärte er im Anschluss. Die Kombination aus mentaler Belastung, exponierter Kletterei und der Geschichte des Gebiets habe ihn besonders beeindruckt. "Sachsen hat mich gepackt", so Ondra – mit klarer Botschaft: Er will zurückkehren. Eindrücke dieser besonderen Klettererfahrung liefert das Video.

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