So schön es ist, mit einer Handvoll Freunde unterwegs zu sein: Ist eine Gruppe größer als drei oder vier Personen, gibt es in der Durchführung und Planung einiges zu beachten. Wir stellen Euch die wichtigsten Aspekte vor.

Oft ist es bei Gruppentouren ja so, dass ein paar Freunde eine Tour planen und dann kommen von "irgendwo" (Freunde von Freunden) noch zwei Leute mit. 

Die Erfahrung zeigt, dass dies häufig zu Schwierigkeiten führt. Wie ist das Leistungsniveau dieser Leute? Wie verhalten sie sich in schwierigen Situationen. Wie ist ihre Teamfähigkeit? Aspekte, die in diesem Kontext nicht leicht zu beurteilen sind. 

Kommunikation und Information ist in der Gruppe besonders am Berg wichtig.

| © Birgit Gelder

Tipp: klar absprechen, ob man noch "andere" mitbringen darf oder ob die Gruppe klar definiert ist. Auch in anderen Bereichen sollte man vorher klären, wie sich eine Gruppe zusammensetzt. Sind es nur Singles oder auch Pärchen oder nur Pärchen. Homogene Gruppen funktionieren von der Dynamik her in aller Regel besser als gemischte Gruppen.

Aufgabenverteilung

Ist die Zusammensetzung einer Gruppe mal geklärt, macht es heutzutage Sinn, einen einheitlichen Kommunikationskanal zu organisieren. Beispielsweise eine WhatsApp-Gruppe bietet sich dafür ideal an. Dann weiß jeder zu jeder Zeit, was Sache ist.

Gemeinsam zum Gipfel: Das funktioniert am besten, wenn sich die Planung am schwächsten Teilnehmer orientiert.

| © Birgit Gelder

Bei der Vergabe der Aufgaben ist es das einfachste, wenn einer alles macht – wenn er denn will. Denn Tourenplanung kann eine sehr aufwendige Geschichte sein, besonders wenn es um Bergtouren geht. Ein typischer Streitfall entsteht vor allem dann, wenn etwas nicht so funktioniert wie geplant und wenn dann über die Organisation geschimpft wird. Das sollte tabu sein.

Leichter ist es, wenn man die Aufgaben verteilt. Allerdings sollten die Aufgabenbereiche ganz klar definiert sein. Einer bucht die Hütten, einer kümmert sich um die Ausrüstung, einer um die Touren etc. Besonders die Buchung der Unterkünfte sollte aber immer einer für alle machen. Denn sonst kann es sein, dass die ersten vier noch einen Platz bekommen, die letzten drei aber nicht mehr. 

Dass man heute viele Hütten bei etwas größeren Gruppen Monate im Voraus buchen muss, wird man merken, wenn man die erste Reise organisiert. Je größer die Gruppe, desto länger muss die Vorlaufzeit sein.

Von Vorteil ist es, vorher ganz klar über die finanziellen Vorstellungen oder Möglichkeiten gesprochen zu haben. Weiß jeder, was die Halbpension auf einer Hütte kostet? Was für eine Unterkunft soll es im Tal sein? Darf es das Drei-Sterne-Hotel sein oder eher die Jugendherberge? Das vorher (einstimmig) geklärt zu haben, beugt Diskussionen auf der Tour vor.

Tourenplanung

Die Tourenziele müssen sich bei einer Gruppentour nach dem Schwächsten richten. Ist die Gruppe sehr inhomogen, kann das zu Problemen führen. Während dem einen 1200 Höhenmeter zu wenig sind, kommt der andere schon auf dem Zahnfleisch daher. 

Je größer eine Gruppe ist, desto langsamer ist sie unterwegs.

| © Imago / Westend61

Und ist es bei der Tourenlänge noch in Maßen ausgleichbar, gilt das Prinzip des „schwächsten Teilnehmers“ natürlich erst Recht, wenn es um die Schwierigkeit geht. Und das sollte schon bei der Planung berücksichtigt, werden, denn wenn ein Teilnehmer nicht schwindelfrei ist, kann man viele Passagen oder Routen gar nicht gehen.

Ein besonderes Augenmerk gilt der zeitlichen Planung von Touren mit vielen Teilnehmern. Es ist nun mal eine Tatsache, dass eine Gruppe mit sieben Personen langsamer ist als eine Zweiercrew. Und das muss man bei der Planung unbedingt bedenken (besonders jetzt im Herbst mit den kurzen Tagen). 

Da braucht man für 1000 Höhenmeter halt nicht zwei Stunden, sondern schnell mal drei Stunden. Nicht umsonst wird auch bei den Formeln zur Berechnung von Gehzeiten bei einer Gruppengröße über fünf Personen von nur mehr 300 Hm und 4 Kilometern pro Stunde (kleine Gruppe: 400 Hm und 5 km pro Std.) ausgegangen. Und bis man morgens loskommt, verzögert sich auch der Start gern, weil ein Teilnehmer noch auf Toilette ist …

Wer trifft Entscheidungen?

Eine wichtige und im Zweifelsfalle weitreichende Frage ist die des "Leaders". Hat ein Teilnehmer der Gruppe eine deutlich höhere Kompetenz in dem, was die Gruppe tut? Oder sind alle in etwa gleich stark? Wie werden am Berg Entscheidungen getroffen? 

Ein Problem entsteht in Gruppen, wenn unterschiedliche Meinungen bestehen. Je mehr Leute, desto schwieriger die Abstimmung.

| © Birgit Gelder

Demokratisch (was oft lange Diskussionen mit sich bringt) oder entscheidet der Kompetenteste? Dann ist der aber auch für die Entscheidung verantwortlich (juristisch). 

Gibt es einen deutlich Erfahreneren, wird er juristisch ohnehin als der „informelle Führer“ behandelt und muss sich im Falle eines Unfalls vielleicht sogar verantworten. Ein Punkt, den man unbedingt vorher besprechen sollte. Es muss ja nicht so sein, dass der informelle Führer auch der "Lautsprecher" der Gruppe ist.

Und auch für den Fall, dass die Reise/Tour kurzfristig abgesagt werden muss, sollte man Vorsorge treffen. Betrifft das alle Teilnehmer, sollte das noch recht einfach sein (Kosten durch alle Teilnehmer teilen). Aber wer kommt für die Kosten auf, wenn nur ein Teilnehmer kurzfristig absagt und dadurch Folgekosten entstehen?

So schön Touren mit vielen Freunden sein können, sie bergen einige Fallstricke. Eine transparente und gründliche Planung ist gerade mit vielen Teilnehmern immens wichtig, denn eines wird mit einer größeren Gruppe echt schwierig: kurzfristiges Umplanen und Umbuchen.

 

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