Renommierte hochalpine Kletterei im dritten Grad, eine landschaftlich tolle Tour in bestem Fels.

Der Großglockner als höchster Gipfel Österreichs ist für sich genommen bereits ein sehr attraktives Ziel für jeden Alpinisten. Die imposante Form dieses Berges, seine Höhe, die fantastische Rundumsicht und die Fülle an interessanten Anstiegswegen machen ihn zu einem der begehrtesten Gipfel der Ostalpen.

Wirklich leicht gemacht wird einem der Weg zur Spitze aber nicht. Selbst der Normalweg über die Adlersruhe weist Stellen I auf, ist zum Teil versichert, stellenweise ausgesetzt und hat wegen der zunehmenden Ausaperung am Glocknerleitl eine neue Schlüsselstelle bekommen: einen mit Felsschutt durchsetzten Eishang, für den es keine Ausweichmöglichkeit gibt.

Tourentipp Großglockner - Stüdlgrat

Schwindelfrei sollte man auf dem Stüdlgrat schon sein.

| © Andreas Strauß

Der schönste Anstieg aufs Dach Österreichs ist jedoch nicht der Normalweg, sondern der Stüdlgrat. Der lange Felsgrat beginnt oberhalb des Sporns mit der Stüdlhütte und zieht auf gut 500 luftigen Höhenmetern direkt zum Gipfel hinauf. Die Schwierigkeiten überschreiten nirgends den III. Grad, Eisenstangen und Bohrhaken sichern die Kletterei ab und seit einigen Jahren befinden sich an den Schlüsselstellen sogar Drahtseile.

Dass man angesichts dieser Rahmenbedingungen am Stüdlgrat selten allein sein wird, ist selbstverständlich. Über den Normalweg steigt man zur Adlersruhe ab, so ergibt sich eine tolle Rundtour, die zu den Highlights jedes Bergjahrs zählen wird.

Die Tour - Großglockner über den Stüdlgrat, 3798 m (Glocknergruppe)

  • Schwierigkeit: Klettertour, mittel, III

  • Dauer: 2 Tage

  • Höhenmeter: 1900 Hm

Der Stüdlgrat ist eine hochalpine Kletterei im III. Schwierigkeitsgrad. Sowohl im Aufstieg wie im Abstieg geht man zudem über Eis und Gletscher, sodass der Alpinist als Ganzes gefordert ist. Landschaftlich hervorragend, toller Fels und riesige Aussicht.

Tourentipp Großglockner - Stüdlgrat
© alpin.de

Route: Vom Lucknerhaus, 1918 m, steigt man über die Lucknerhütte auf zur Stüdlhütte, 2801 m. Von hier auf einem Steig nach Norden und aufs Teischnitzkees (Gletscherausrüstung). Nahe am Luisengrat haltend geht es bis auf gut 3300 m, hier gelangt man über einen Steig im Schrofengelände auf den Stüdlgrat hinauf. Dem Grat folgend geht es anfangs im I. und II. Grad bis zum Frühstücksplatz, 3550 m. Ab hier steiler und im III. Grad teils kurz mit Drahtseilversicherung den Grat hinauf bis zum Gipfel, 3798 m, überwiegend luftig und ausgesetzt.

Über den Normalweg steigt man ab: Vom Gipfel in die Obere Glocknerscharte, jenseits auf den Kleinglockner, 3770 m, und über Fels hinab (Eisenstangen, I – II im Fels). Über das Leitl (teils apere Eisrinne, 40 Grad, steinschlaggefährdet) geht es aufs Hofmannskees und zur Adlersruhe, 3454 m. Versichert bis auf das Ködnitzkees (Vorsicht Spalten) und über Stüdl- und Lucknerhütte zum Ausgangspunkt zurück.

Tourentipp Großglockner - Stüdlgrat

Am Ziel der ersten Tagesetappe. Die Stüdlhütte im Nationalpark Hohe Tauern, optimaler Startpunkt für den Grat.

| © Strauß

ALPIN-Info

Tourentipp Großglockner - Stüdlgrat

Übersichtskarte Großglockner

| © alpin.de

Info: Tourismusinformation Kals, A-9981 Kals am Großglockner, Tel. +43 50212 540, kalstourismus.at

Anreise: Aus dem Salzachtal fährt man über Mittersill und den Felbertauerntunnel (ganzjährig, Maut) Richtung Kals, 1325 m.

Beste Zeit: Juli – September

Talort: Kals / Großglockner, 1325 m

Ausgangspunkt: Parkplatz am Lucknerhaus, 1918 m

Gehzeiten: Lucknerhaus – Stüdlhütte 3 Std., Stüdlhütte – Einstieg Stüdlgrat 1 ½ Std., Einstieg Stüdlgrat – Großglockner 4 – 6 Std., Großglockner – Adlersruhe 1 – 2 Std., Adlersruhe – Lucknerhaus 4 Std.

Hütten: Stüdlhütte, 2801 m, Mitte Juni – Anfang Oktober, Tel. +43 4876 8209, davplus.de/stuedlhuette; Erzherzog-Johann-Hütte auf der Adlersruhe, 3454 m, Mitte Juni – Anfang Oktober, Tel. +43 4876 8500, erzherzog-johann-huette.at

Bergführer: Bergführer Kals, Tel. +43 664 4161289, bergfuehrer-kals.at

Literatur: Willi End: Alpenvereinsführer Glockner- und Granatspitzgruppe, Bergverlag Rother, 2011.

Karte: AV-Karte, 1: 25 000, Blatt 40, Großglocknergruppe

Absicherung: Am Stüdlgrat einige Eisenstangen, Bohrhaken, an kurzen Stellen Drahtseilversicherungen.

Ausrüstung: Kletter- und Hochtourenausrüstung. Ein paar Expressschlingen reichen, lange Schlingen sind hilfreich. Steigeisen, Pickel und Eisschraube sind für die Gletscherabschnitte zwingend erforderlich.

Den GPS-Track zur Tour finden Sie als Download unter www.alpin.de/gps-0716.

Die Tour über den Stüdlgrat stammt aus dem fünfseitigen Schritt-für-Schritt Artikel "Himmelsleiter: Großglockner – Stüdlgrat". Darin nehmen die Autoren und Fotografen Andrea und Andreas Strauß Sie mit ihren Bildern mit auf die Tour auf den Großglockner. Zu jedem Abschnitt der Tour finden Sie dort ein Foto inklusive einer aussagekräftigen Beschreibung. Erschienen ist diese Tourenreportage in Bildern in ALPIN 07/2016, erhältlich in unserem Online-Shop.

Text von Andrea Strauß

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