Gletschertour für Einsteiger und Genießer

Bergportrait: Der Similaun (3.606 m)

Dank seiner leichten Erreichbarkeit, der relativ kurzen Anstiege und der geringen technischen Anforderungen ist der Similaun einer der begehrtesten Gipfel dieser Größenordnung alpenweit.

Bergportrait: Silmilaun
© Herbert Raffalt

Der Similaun: Die Lage

Der Similaun ist ein gutmütiger Berg – und ein ziemlich attraktiver obendrein. Von Norden und Osten betrachtet, wirkt er wie eine mächtige Schaufel. Nach Nordwesten hin fließt der behäbige Niederjochferner talwärts. Allein die Südseite hinab ins Südtiroler Schnalstal zeigt sich sehr viel schroffer.

Dass dennoch die meisten der frühen Besteigungen von der Südtiroler Seite aus erfolgten, mag der Tatsache geschuldet sein, dass die Schnalstaler Bauern seit jeher im Frühsommer ihre Schafe über das 3000 Meter hohe Niederjoch auf die Venter Weiden getrieben haben. Dabei kamen die Hirten keine zwei Wegstunden unter der imposanten Eiskappe vorbei. Ein Eindruck, der gewiss schon damals Begehrlichkeiten weckte.

<p>Schafübertrieb von Vernagt im Schnalstal nach Vent ins Ötztal.</p>

Schafübertrieb von Vernagt im Schnalstal nach Vent ins Ötztal.

© picture alliance / Udo Bernhart

Heute lockt der Similaun die Bergsteiger in Scharen, zumal der Normalweg über den Niederjochferner und der noch schönere Aufstieg über den Marzellkamm zumindest optisch noch vergleichsweise wenig vom großen Schmelzen betroffen sind. 

Der Berg ist ein ideales Ziel für Einsteiger und Genießer, denn technische Schwierigkeiten sind nicht zu bewältigen. Nur der Gipfelgrat ist stellenweise schmal und ein bisschen ausgesetzt, grad recht für einen wohligen Schauder. Und dass der Niederjochferner im Frühling einen zauberhaften Skianstieg bereithält, ist in den einschlägigen Kreisen sowieso hinlänglich bekannt. Auch die Schneeschuhgeher haben die sanften Hänge längst für sich entdeckt.

<p>Abstieg über den Westgrat bis zum Niederjochferner.</p>

Abstieg über den Westgrat bis zum Niederjochferner.

© Herbert Raffalt

Der Similaun: Historisches

Die erste dokumentierte Besteigung erfolgte im Jahre 1834 durch den Geistlichen Thomas Kaserer und den Bauern Josef Raffeiner auf der heute kaum mehr gebräuchlichen Route aus dem Schnalstal über das Kasererwartl und den Grafferner. Der Similaun kam schnell in Mode: Schon in den 1860er-Jahren – so vermeldet die "Erschließung der Ostalpen" – wird er "bereits alljährlich von einer regelmässig wachsenden Zahl von Bergfreunden besucht".

<p>Zur rechten Zeit am rechten Fleck: Sonnenaufgang am Similaun.</p>

Zur rechten Zeit am rechten Fleck: Sonnenaufgang am Similaun.

© Herbert Raffalt

Der Similaun: Gletschertour für Einsteiger und Genießer

Toureninfo Similaun

  • Schwierigkeit: Leichte Gletschertour, die auch Einsteigern großes Vergnügen bereitet. Firn und Eis bis 30 Grad, keine technischen Schwierigkeiten.

  • Höhenmeter: Von der Martin-Busch-Hütte 1.110 Hm, 4,5 Std. Aufstieg, 2,5 Std. Abstieg.

  • Ausrüstung: Hochtourenausrüstung mit Seil, Pickel, Steigeisen.

  • Talort: Vent, 1.896 m.

  • Ausgangspunkt: Gebührenpflichtige Parkmöglichkeit am Ortseingang von Vent. Nach Südwesten durch den Ort, über die Venter und Niedertaler Ache hinweg zum Eingang ins Niedertal, dort beginnt der Hüttenaufstieg.

  • Hütte: Martin-Busch-Hütte, 2501 m, DAV Berlin, bewirtschaftet Ende Juni bis Ende September sowie in der Skitourensaison von Anfang März bis Mitte Mai, sonst offener Winterraum, 2,5 Std. von Vent, hotel-vent.at

  • Route: Von der Martin-Busch-Hütte kurz südwestlich das Niedertal einwärts, bis eine Brücke den Bach überqueren hilft. Jenseits um die Ausläufer des Marzellkamms herum, wobei man sich an Verzweigungen stets rechts hält. In Serpentinen über die schrofige Ostflanke des Kamms auf den Grat selbst. Nun stets mit herrlichen Tiefblicken in das imposante Becken des Marzellferners am Kamm entlang nach Süden, bis die Felsen auf etwa 3.170 m unter dem Niederjochferner verschwinden. Mit Steigeisen und Pickel ausgerüstet, spaziert es sich ohne große Anstrengung am breiten Kamm auf den Gipfelaufbau zu. Nur das letzte Stück unter dem Westgrat ist ein bisschen steiler und verlangt Aufmerksamkeit. Über den Grat mal schmäler, mal breiter zum höchsten Punkt.

  • Abstieg: Über den Westgrat hinab, bis er sich im Niederjochferner verliert. P. 3363 wird im Bogen nach Norden umgangen, in der Folge immer am Gletscherrand zur längst sichtbaren Similaunhütte hinab. Von dort führt ein markierter Steig durch das Niedertal hinaus zur Martin-Busch-Hütte.

  • Tipp: Mitte Juni und Mitte September findet der traditionelle Schafübertrieb über das Niederjoch statt. Etwa 2000 Schafe ziehen dann begleitet von Hirten und Hunden durch die hochalpine Landschaft auf die Sommerweiden oder in den heimischen Stall. Ein archaisches Bild – unbedingt sehenswert! Die voraussichtlichen Termine gibt’s unter suedtirol.com

<p>Austria Alpin - Große Gipfel Österreichs</p>

Austria Alpin - Große Gipfel Österreichs

© Tyrolia Verlag

Mit freundlicher Genehmigung aus:

Austria Alpin - Große Gipfel Österreichs

Autor: Robert Demmel mit Fotografien von Herbert Raffalt und Bernd Ritschel

Preis: 29.95 Euro

Details: 240 Seiten mit 300 farb. Abbildungen und 52 Kartenskizzen

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