Ohne Gletscherberührung auf den höchsten Zillertaler

Bergportrait: Der Hochfeiler (3.510 m)

Der Südwestgrat des Hochfeiler ist eine gestandene Bergtour, die in Höhen weit über 3000 Metern führt. Alleingängern und alpin erfahrenen Wanderern bietet diese Tour ein großes Erlebnis.

Blick vom Hochfeiler - hinten das Zillertal und der Schlegeisspeicher.
© picture alliance / imageBROKER | Martin Braito

Der Hochfeiler: Primus inter Pares

Zuerst hatte man den Großen Löffler als höchsten Zillertaler Gipfel im Visier, später den Schwarzenstein. Zu guter Letzt waren die englischen Alpinisten Freshfield, Fox und Tuckett überzeugt, mit dem Großen Möseler den höchsten Zillertaler Berg zu erobern. 

Über das Ergebnis der Theodolitenmessung – 3478 m – am Gipfel waren die Herren nicht sehr "amused". 

<p>Der Hochfeiler und seine Trabanten spiegeln sich im Friesenbergsee.</p>

Der Hochfeiler und seine Trabanten spiegeln sich im Friesenbergsee.

© Bernd Ritschel

Es dauerte keine sechs Wochen, bis der gut 30 Meter höhere Hochfeiler in dem Wiener Alpinisten Paul Grohmann und den Führern Georg Samer und Peter Fuchs am 24. Juli 1865 seine glücklichen Erstbesteiger gefunden hatte. Sie kamen wie die meisten ihrer Nachfolger aus dem Pfitscher Tal. 

Der Hochfeiler: Die Lage

An seinem westlichen Eckpfeiler schwingt sich der Zillertaler Hauptkamm zu seinen höchsten Höhen empor: Mit 3510 Metern hat sich der Hochfeiler als Primus inter Pares aber lange erfolgreich vor aufdringlichen Bewerbern versteckt.

Schon in den 1880er-Jahren erfreute sich der Anstieg aus dem Pfitscher Tal wachsender Beliebtheit: 1881 erreichten 11 Touristen den Gipfel, 1883 waren es bereits 25, 1885 sogar schon 45. Rechnet man diese Zahlen hoch, wird leicht vorstellbar, was heute auf dem Südwestgrat los ist. Angesichts der Tatsache, dass man dort im Hoch- und Spätsommer meist überhaupt keinen Schnee mehr antrifft, ist das auch kein Wunder.

<p>Bei  bestem Trittfirn ist die Nordwand absoluter Hochgenuss.   </p>

Bei bestem Trittfirn ist die Nordwand absoluter Hochgenuss.

© Bernd Ritschel

Anspruchsvoller zeigt sich das eisige Gesicht des Hochfeilers nach Norden. Dorthin bricht der breite Gipfelfirst in einer abenteuerlich steilen Eiswand auf das spaltenzerfurchte Schlegeiskees ab. Die Nordwand hat unter der Klimaerwärmung empfindlich gelitten, sodass man heute nur noch im Mai und Anfang Juni brauchbare Verhältnisse antrifft.

Der Hochfeiler: Historisches

Die 60 Grad steile Wand wurde bereits im August 1887 von Dr. Franz Dyck am Seil seines Führers Hans Hörhager erstmals durchstiegen – eine für die damalige Technik und Ausrüstung herausragende Leistung.

<p>Vom Gipfel genießt man die Aussicht zum  Olperer.  </p>

Vom Gipfel genießt man die Aussicht zum Olperer.

© Bernd Ritschel

Richtig skurril ist aber ein Vorfall, der sich bereits drei Jahre vorher in der Wand zutrug. Der verwegene Alleingänger Dr. Eugen Guido Lammer beschloss vom Gipfel über die westliche Begrenzungsrippe der Nordwand abzusteigen: "Einmal warf ich mich über eine Eisschicht allzu vertrauensvoll auf einen Klotz zu, der mir treulos in beiden Armen blieb. Die anstrengende Bewegung, welche nötig war, um die zentnerschwere Last seitlich hinabzuschleudern, ertrug mein schlechter Tritt nicht, und während der Fels links hinabdonnerte, glitt ich über einige Wandpartien … 

bis die Steigeisen sich verankerten. Ich stieg nun weiter bis zu einem Schneestreifen, der zur Randkluft des Schlegeiskeeses und vermutlich über diese hinabführte. Ich setzte mich in die Rinne … vermied alles Bremsen und ließ mich durch die Schnelligkeit des Abfahrens über die Randkluft auf die ebene Firnterrasse des Kessels hinauswerfen.“ Eugen Guido Lammer zählt zu den Gründervätern des Abenteueralpinismus – theoretisch wie praktisch!

Toureninfo: Die Besteigung des Hochfeiler

Wenngleich der Hochfeiler über den Südwestgrat relativ problemlos ohne Eis- und oft auch ohne Schneeberührung zu erreichen ist, darf er keinesfalls unterschätzt werden.

<p>Die  eisige Nordwand im ersten Morgenlicht – Traumbedingungen wie diese trifft man  aber nur noch im Frühling an.  </p>

Die eisige Nordwand im ersten Morgenlicht – Traumbedingungen wie diese trifft man aber nur noch im Frühling an.

© Bern Ritschel
  • Schwierigkeit: Der Südwestgrat ist eine gestandene Bergtour, die in Höhen weit über 3000 Meter führt. Alleingängern und alpin erfahrenen Wanderern bietet diese Tour ein großes Erlebnis. Der gesamte Anstieg ist bestens markiert, über zwei steilere Aufschwünge hilft ein Stahlseil hinweg. Im Gipfelbereich kurzer, aber durchaus scharfer Firngrat oder Stellen I im Fels.

  • Höhenmeter: 800 Hm, 3 Std. Aufstieg, 2 Std. Abstieg.

  • Ausrüstung: Normale Bergausrüstung. Im Frühsommer und für die Begehung des Gipfelgrates können Leichtsteigeisen nicht schaden.

  • Talort: St. Jakob in Pfitsch, 1449 m.

  • Ausgangspunkt: Hüttenparkplatz an der dritten Kehre der Pfitscher-Joch-Straße, 1720 m.

  • Hütte: Hochfeilerhütte, 2.710 m, AVS Sterzing, bewirtschaftet von Ende Juni bis Ende September, sonst offener Winterraum, 3 Std. von der Pfitscher-Joch-Straße, hochfeilerhuette.com

  • Route: Von der Hütte führt ein schmaler Steig nach Nordwesten an den Beginn des Südwestgrates. Dort hilft ein Drahtseil über eine Steilstufe auf den Gratrücken. Der ausgetretene Steig schlängelt sich nun immer längs der farbigen Markierungen und zahlreichen Steinmännchen über den gutmütigen Kamm hinauf. Erst weiter oben wird der Rücken etwas steiler, dort liegt dann auch manchmal Schnee. Trotzdem geht es ohne Schwierigkeiten weiter an den Gipfelgrat. Wer gerne noch etwas Hochtourenflair genießen möchte, packt die Steigeisen aus und steigt links über die Firnschneide zum höchsten Punkt. Wer derlei Extravaganzen nicht braucht, hält sich weiter rechts und kraxelt über Schutt und Schrofen (I) zum Gipfelkreuz.

  • Abstieg: Ebenfalls über den Südwestgrat

  • Alternative Route: Königstour am Hochfeiler ist die bis zu 60 Grad steile Nordwand. Trotz Klimaerwärmung wird sie im Mai und Juni noch regelmäßig begangen, wenngleich das Eis in den letzten Jahren stark abgenommen hat und oberhalb des Bergschrundes ein Felsriegel überklettert werden muss. Insbesondere hat die Steinschlaggefahr aus den Gipfelfelsen zugenommen, da diese gleich am Morgen in der Sonne liegen und früh im Jahr ausapern. Bester Stützpunkt ist das Günther-Messner-Biwak, von dort gelangt man in 2,5 Std. über die Grießscharte und das Schlegeiskees zum Einstieg. Für die 340 m hohe Wand benötigt man je nach Sicherungsaufwand 1–4 Std.

<p>Austria Alpin - Große Gipfel Österreichs</p>

Austria Alpin - Große Gipfel Österreichs

© Tyrolia Verlag

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Austria Alpin - Große Gipfel Österreichs

Autor: Robert Demmel mit Fotografien von Herbert Raffalt und Bernd Ritschel

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