Ein Wochenende in der wilden Tourenregion von Klosters

Bergsteigerregion Klosters: Zwischen Gipfeln, Gletschern und Bergseen

Ein Wochenende reicht nicht aus, um die Bergwelt rund um Klosters wirklich zu erfassen – aber es genügt, um sich in sie zu verlieben. Zwischen grünen Hochtälern, klaren Bergseen und den Gletschern der Silvretta zeigt sich die Region vielseitig, ursprünglich und wild.

Bergsteigerregion Klosters: Zwischen Gletschern und Bergseen.
© Andreas Erkens

Diese Wildheit zieht Wanderer, Bergsteiger und Kletterer gleichermaßen an. Zwei davon sind Andreas und Holger aus dem ALPIN-Team, die an diesem Wochenende mit lokaler Begleitung auf Entdeckungsreise gehen.

<p>Noch schnell ein Foto: der Schottensee und dahinter das Gross und Chlein Seehorn.</p>

Noch schnell ein Foto: der Schottensee und dahinter das Gross und Chlein Seehorn.

© Andreas Erkens

Ungezähmte Natur rund um Klosters

Hier könnte man stundenlang einfach nur schauen", sagt Alexandra und blickt über das smaragdgrüne Wasser des Hüenersees. Die Mitarbeiterin der Destination Davos Klosters ist heute zusammen mit ihrer Freundin Bettina und dem ALPIN-Team unterwegs. Dabei ist der genannte nur einer von vier malerischen Bergseen der Vier-Seen-Wanderung. Eine landschaftlich spektakuläre Tagestour, die sich auch für geübte Wanderer ohne allzu große alpine Ambitionen eignet.

<p>In wilder Gebirgslandschaft: der Hüenersee.</p>

In wilder Gebirgslandschaft: der Hüenersee.

© Andreas Erkens

Vom Ausgangspunkt an der Alp Sardasca führt sie durch blühende Almwiesen an der gemütlichen Selbstversorgerhütte am Seetalsee vorbei und hinauf zum imposanten Schottensee mit seinem kristallklaren Wasser. Nun leiten selten begangene Steige anspruchsvoll und steil hinauf zum Schottenseefürggli, einer Scharte auf über 2600 Meter Höhe. Dort öffnet sich der Blick auf eine karge, spröde Hochgebirgslandschaft. 

<p>Gemütlich: Blick aus der&nbsp;Selbstversorgerhütte am Seetalsee.</p>

Gemütlich: Blick aus der Selbstversorgerhütte am Seetalsee.

© Holger Rupprecht

Der anschließende Abstieg auf die andere Seite führt zurück in sanftere Gefilde – mit dem Schlappinsee als stillem Höhepunkt kurz vor Ende der Tour."Es ist diese Mischung aus Dramatik und Sanftheit, die Klosters so besonders macht", weiß Alexandra, als der gemeinsame Wandertag unter einem traumhaften Regenbogen zu Ende geht.

<p>Auf der Vier-Seen-Wanderung: doppelter Regenbogen beim Blick hinab zum Verstanclabach</p>

Auf der Vier-Seen-Wanderung: doppelter Regenbogen beim Blick hinab zum Verstanclabach

© Andreas Erkens

Tällispitz mit Urgestein Ueli

Am zweiten Tag wird es alpiner. Gemeinsam mit Bergführer Ueli Hew bricht das ALPIN-Team frühmorgens zur Bergtour auf die Tällispitz auf. Trittsicherheit, Erfahrung beim Gehen im Blockgelände und gute Kondition sind Voraussetzung für diese Tour.

<p>Optisch wie menschlich ein echtes Juwel im Gebirge: die Silvrettahütte.</p>

Optisch wie menschlich ein echtes Juwel im Gebirge: die Silvrettahütte.

© Andreas Erkens

Ueli kennt die Region wie kaum ein anderer. Schon seit 1974 führt er hier Gäste und hat selbst zahlreiche anspruchsvolle Routen erstbegangen. Dabei ist er keiner, der viel Aufhebens um sich selbst macht. "Ich bin halt d’hei in dä Bärg", sagt der fitte 75-Jährige, lächelt und geht dabei zügig weiter.Am Gipfel der Tällispitz ist es still, kein Geräusch der Zivilisation zu hören. Es zeigt sich ein Panorama der Extraklasse: das stolze Silvrettahorn, der werbebekannte Piz Buin, höchster Gipfel Vorarlbergs, die markante Dreiländerspitze und die weiten Flächen des Silvrettagletschers. Eine Szenerie von beeindruckender Größe – und zugleich eine, die sich stark und schnell verändert.

<p>Gletscherblick und 1-APanorama: auf der Tällispitz.</p>

Gletscherblick und 1-APanorama: auf der Tällispitz.

© Andreas Erkens

Beim Abstieg wird der Wandel sichtbar. "Früher war hier alles anders", sagt Ueli beim Betreten des Silvrettagletschers. "Damals hatte das Eis noch ganz andere Dimensionen", erinnert sich der Bergführer an noch gar nicht so lange zurückliegende Zeiten. Seit den 1970er-Jahren verlor der Gletscher rund 50 Meter an Mächtigkeit. Was bleibt, sind helle Felsflächen, Schutt und die Ahnung davon, wie es einmal gewesen ist.

<p>Im Wandel: Ende des Silvrettagletschers und zugleich der Ursprung des Verstanclabachs.</p>

Im Wandel: Ende des Silvrettagletschers und zugleich der Ursprung des Verstanclabachs.

© Andreas Erkens

Wohlfühlen auf der Silvrettahütte

Auf dem Rückweg macht die Gruppe Halt an der Silvrettahütte. Und ist sofort begeistert. Nicht nur die Lage auf 2341 Meter Höhe ist eindrucksvoll, sondern auch das Team um Hüttenwirt Marco Brot, der seit zehn Jahren mit Leidenschaft für einen reibungslosen Betrieb sorgt. Die Küche ist herzhaft, die Stimmung einfach familiär. Es wird gelacht, Karten gespielt und Touren geplant. "Wir sehen uns als Basis für Entdecker", erklärt Marco. Ob Wanderer, Kletterer, Hoch- oder Skitourentourengeher: Bei ihm auf der Hütte treffen sich alle, die die Wildheit der Silvretta nicht nur sehen, sondern auch selbst erleben wollen.

<p>Altehrwürdig: in der urigen Gaststube der Silvrettahütte.</p>

Altehrwürdig: in der urigen Gaststube der Silvrettahütte.

© Andreas Erkens

Wer in der Region um Klosters unterwegs ist, findet eine Bergwelt, die noch Raum bietet für Weite, Stille und intensive Naturerlebnisse. Schafft man es, sich darauf einzulassen, nimmt man sicher mehr mit als nur Gipfelfotos. Vielleicht die Erkenntnis, dass die Region mehr als ein Wochenende Zeit verdient – und die leise Ahnung, dass man wiederkommen muss – möglicherweise gar im Winter.

<p>Liebevoll bewirtschaften Marco Bort und sein Team die Silvrettahütte.</p>

Liebevoll bewirtschaften Marco Bort und sein Team die Silvrettahütte.

© Andreas Erkens

Bergsteigerregion Klosters: Ursprünglich und echt

Klosters im Schweizer Kanton Graubünden steht für eine Bergregion, die sich ihren wilden Charakter noch bewahrt hat. Fernab von sonstigem Massentourismus und Inszenierung lädt sie dazu ein, sich unmittelbar auf die Natur einzulassen. Charakteristisch für Wanderungen rund um das keine 5000 Einwohner zählende Bergdorf sind ruhige Touren auf wenig begangenen Pfaden. 

Kletterer finden in der Umgebung zahlreiche alpine Mehrseillängenrouten sowie einen Klettergarten am Eingang des Schlappintals. Weitere Klettermöglichkeiten warten in der Nähe der Silvrettahütte, die im Sommer als Ausgangspunkt für Hochtouren und im Winter für Skitouren dient – Klassiker sind das Silvrettahorn oder der Piz Buin. 

<p> Wilder Charakter: unterwegs in den Bergen rund um Klosters.</p>

Wilder Charakter: unterwegs in den Bergen rund um Klosters.

© Andres Erkens

Insgesamt finden Bergfreunde rund um den auf knapp 1200 Meter Höhe gelegenen Ort eine breite Vielfalt technisch moderater bis hin zu anspruchsvollen Touren: ein kleines Paradies für all jene, die Abgeschiedenheit und authentische Bergwelt suchen. 

Weitere Informationen: klosters.ch

<p> Authentische Bergwelt rund um Klosters: das ALPIN-Duo Holger Rupprecht (li.) und Andreas Erkens (re.) mit Bergführer Ueli Hew am Gipfel der Tällispitz.</p>

Authentische Bergwelt rund um Klosters: das ALPIN-Duo Holger Rupprecht (li.) und Andreas Erkens (re.) mit Bergführer Ueli Hew am Gipfel der Tällispitz.

© Holger Rupprecht

Text von Holger Rupprecht

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