Mit Prusik- und Gardaknoten kann man einen Flaschenzug oder eine Lose Rolle zur Spaltenbergung aufbauen. Mit Seilklemmen geht das viel leichter und effizienter. Wir haben fünf unterschiedliche Modelle getestet.

Hightech oder Tradition? Seilklemmen (im Volksmund) oder Umlenkrollen mit Rücklaufsperre (als Fachausdruck) erobern den Bergsport.

Seilklemmen im Test: Wann benutze ich eine Seilklemme?

Ob bei Hochtouren für die Spaltenbergung oder beim Klettern als "Backup", um ggf. am Seil hochzusteigen oder um einen Express-Flaschenzug zu bauen. Auch zum simultanen Klettern werden Seilklemmen gerne verwendet. Einsatzbereiche, ob vom Hersteller dafür vorgesehen oder vom Anwender zweckentfremdet, gibt es viele. Von der professionellen Bergrettung mal ganz zu schweigen.

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Puristen sagen, diese Klemmen braucht es nicht. Mit Prusik- und Gardaknoten geht alles, wozu extra Material mitnehmen? 

Das ist grundsätzlich richtig. Doch die Effektivität von Seilklemmen ist ungleich höher und die Handhabung einfacher. Vor allem, weil bei diversen Anwendungsbereichen deutlich weniger Reibung entsteht als beispielsweise mit einem Gardaknoten. Und dafür trägt man ein Gewicht von unter 100 Gramm gerne.

Doch durch das Mitführen der Klemmen ist der Freund noch nicht aus der Spalte geholt. Wenn man die schönen Klemmen dabei hat, muss man auch wissen, wie sie einzusetzen sind (vgl. ALPIN 7 | 20), denn nur als Zierde am Gurt helfen sie wenig. Dazu sollte man auf jeden Fall die Gebrauchsanleitung lesen. Denn jede der hier vorgestellten Klemmen hat ihre Eigenart.

Seilklemmen im Test: Wie funktionieren die Klemmgeräte?

So sehen sich rein äußerlich die Klemmen von CT (RollnLock) und Kong (Duck) sehr ähnlich, in der Funktion als Seilrolle unterscheiden sich die Klemmen dann aber deutlich. 

Bei der einen (Kong) muss das Seil in der Umlenkfunktion auch durch den Karabiner laufen, bei der anderen (Climbing Technology) muss das Seil "nur" durch die Rolle gelegt werden. 

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Einer der Hauptunterschiede ist die Technik, wie sich die Klemmen am Seil "festbeißen". Und bei den Klemmen mit den Zähnen (Edelrid, Petzl, Wild Country) ist festbeißen der richtige Ausdruck. Die Zähne stehen in einem Winkel in Bewegungsrichtung des Seils auf einem beweglichen Nocken. 

Zieht man das Seil in die "richtige" Richtung, läuft es sehr gut durch das Gerät. In der Gegenrichtung (Blockierrichtung) verhaken sich die Zähne in den Mantel des Seils und ziehen damit den Nocken zu, der das Seil zusätzlich abklemmt.

Die beiden anderen Klemmen (Climbing Technology und Kong) arbeiten auch mit einem Klemmnocken, aber mit "Stufen", die die nötige Reibung erzeugen, damit der Nocken das Seil abklemmt.

Den kompletten Test findet ihr in ALPIN 8/21.

Seilklemmen im Test: Unser Fazit

Was alle Klemmen NICHT können: einer dynamischen Belastung Standhalten. Daher sind sie auch nicht zur Nachsicherung eines Kletterers gedacht (z. B. bei Mehrseillängenrouten). Solange man das Seil straff einholt, wäre das für die meisten Klemmen kein Problem. 

Gibt es aber Schlappseil und der Kletterer stürzt, kann es ja nach Seil und Klemme zu einer mehr oder weniger massiven Beschädigung des Seils bis hin zum Seilriss kommen. Ähnlich verhält es sich bei der Verwendung einer Klemme zum simultanen Klettern.

Die Seilklemmen sind tolle Teile mit vielen sinnvollen Einsatzbereichen. Aber bitte nur in Bereichen verwenden, für die die Geräte auch gemacht und gedacht sind!

Hier findet ihr unseren Test mit fünf verschiedenen Seilklemmen. Klickt auf das Produktbild für eine Großansicht:

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