Sicher ins Tal - auch ohne Sicht

Orientierung bei Nebel und Whiteout: So geht's!

Abfahren bei schlechter oder gar keiner Sicht – das macht kein Skitourengeher gerne. Bei guter Tourenplanung sollte es gar nicht erst dazu kommen.

Abfahren bei Nebel
© Imago / Cavan Images

Bei schlechter Sicht wieder heil ins Tal: Richtiges Verhalten beim Blindflug

Bei schlechter Sicht ist die Abfahrt nach einer Skitour eine echte Herausforderung, oftmals ein sprichwörtlicher "Blindflug". Mangelnde Orientierung mündet unter Umständen in lawinengefährlichem Steilgelände, ist verletzungsträchtig und lässt kaum Abfahrtsgenuss aufkommen.

<p>Besonders gefährlich ist das Phänomen Whiteout, wenn man keine Helligkeitsunterschiede mehr wahrnehmen kann.</p>

Besonders gefährlich ist das Phänomen Whiteout, wenn man keine Helligkeitsunterschiede mehr wahrnehmen kann.

© Imago

Besonders schwierig ist die Orientierung beim Phänomen des Whiteout, bei dem durch diffuse Lichtverhältnisse keine Helligkeitsunterschiede und Horizonte mehr wahrnehmbar sind, was zu Desorientierung und Gleichgewichtsverlust führt.

Da können Urängste aufkommen, denn wer stürzt sich schon gern ins Ungewisse. Für den Führenden der Gruppe ist die Orientierung besonders herausfordernd. Die nachfolgenden Teilnehmer haben es leichter, sie können sich am Führenden orientieren. Generell solltet Ihr Folgendes beachten:

Vor und während der Tour solltet Ihr alle zur Verfügung stehenden Hilfsmittel nutzen. Plant die Tour zu Hause oder auf der Hütte mit Skitourenführern, topografischen Karten mit Skirouten, Kompass, Tourenberichten im Internet sowie mit den Infos von Hüttenwirten und Bekannten, die die Tour kennen. Nutzt unterwegs die Orientierung mit GPS-Geräten.

<p>Felsen helfen bei der Orientierung im Nebel und bilden einen Kontrast.</p>

Felsen helfen bei der Orientierung im Nebel und bilden einen Kontrast.

© Picture Alliance

GPS-Gerät ohne Empfang? Der richtige Umgang mit Karte & Kompass will gelernt sein.

Wenn Euer GPS-Gerät keinen Empfang hat oder ausfällt, sollten Ihr die klassische Orientierung mit Karte, Kompass, Marschzahlen und Höhenmesser beherrschen. Ohne Vorbereitung ist bei widrigen Wetterbedingungen (Schneefall, Kälte, Wind, Nebel) eine Orientierung mit Karte und Kompass erschwert bis unmöglich.

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Passt Eure Abfahrt den Sichtverhältnissen an und lasst Euch Zeit: In der Bewegung des Skifahrens fällt es schwer, Entscheidungen zu treffen. Macht deshalb Orientierungspausen, um sich bewusst für die beste Route zu entscheiden. Auch wenn der Skigenuss leidet, am sichersten sind Schrägfahrten mit Spitzkehren.

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Eine geeignete Skibrille ist wichtig: Neben der Sonnenbrille gehört eine nicht beschlagende Skibrille mit großem Sichtfeld und Filtern für schlechte Sichtverhältnisse immer in den Rucksack. Sie verbessert die Wahrnehmung von Kontrasten (vorhandene Geländekanten oder Skispuren sind leichter erkennbar) und schützt die Augen bei starkem Wind vor mechanischer Einwirkung durch Schneekristalle und Eispartikel.

Orientiert Euch anhand markanter Geländepunkte: In der Abfahrt kann es entscheidend sein, dass Ihr im Aufstieg vermerkte Punkte und deren Höhe (Felsblöcke, Felsriegel, Grate, Hinweisschilder etc.) wiedererkennt.

Im Whiteout: Abfahrt vom Gipfel und über Gletscher

Kehrt rechtzeitig um und orientiert Euch an Eurer Aufstiegsspur: Bei Nebel könnt Ihr Euch an den sichtbaren Aufstiegsspuren zurück ins Tal tasten. Bei starkem Neuschneefall mit Windeinwirkung ist die Abfahrt ein "Blindflug" und Eure Aufstiegsspuren sind im Nu zugeschneit.

Kehrt rechtzeitig um und verzichtet auf den Gipfel, solange Ihr Euch an Euren eigenen Spuren ins Tal orientieren könnt. Wenn Ihr eine Abfahrt über eine unbekannte Route geplant habt: Verwerft den Plan und fahrt lieber entlang der Aufstiegsroute ab, auch wenn die Spuren schon zugeweht sind.

Im Nebel: Vorsicht bei unbekanntem Terrain

Die Orientierung in unbekanntem alpinen und unverspurten Gelände oder auf spaltenreichen Gletschern ist selbst mit modernen GPS-Geräten sehr anspruchsvoll und erfordert viel Erfahrung, Instinkt und manchmal eben auch Glück.

Rechnet damit, dass Euer GPS-Gerät keinen Empfang hat oder ausfällt. Verlasst nicht auf die in der Karte eingezeichneten Spaltenbereiche, da sich diese durch Gletscherrückgang verändern können.

Abfahrt von der Hütte

Plant Eure Abfahrtsroute mit allen verfügbaren Informationen. Auf der Hütte könnt Ihr in Ruhe Eure Abfahrt mit Karte, Kompass, Höhenmesser, GPS und dem Expertenwissen des Hüttenwirts planen.

Erstellt eine Marschtabelle und steuert die markanten Punkte an (Felswände, Grate, Rippen etc.), die Ihr auch bei schlechter Sicht eindeutig zuordnen könnt und an denen Ihr Euch sich ins Tal "hangeln" könnt.

Dabei ist häufig nicht der kürzeste Weg der beste Weg. Lieber Umwege und auch Gegenanstiege in Kauf nehmen, wenn sie besser für die Orientierung sind.

Warten sie auf den richtigen Abfahrtszeitpunkt

<p>Klickt auf das Bild, um eine kompakte Übersicht mit Tipps zu Abfahrten auch ohne Sicht zu bekommen.</p>

Klickt auf das Bild, um eine kompakte Übersicht mit Tipps zu Abfahrten auch ohne Sicht zu bekommen.

Oftmals gibt es im Tagesverlauf eine Verbesserung der Sichtverhältnisse, die Ihr nutzen solltet. In der sicheren Hütte könnt relativ entspannt den besten Zeitpunkt abwarten und notfalls noch einmal übernachten. Bei starkem Neuschneefall müsst Ihr allerdings das Risiko einschätzen, das sich bei späterer Abfahrt durch den Anstieg der Lawinengefahr ergibt.

Tipp: Bei der Orientierung im Nebel ist ein genauer Höhenmesser sehr hilfreich. Zusammen mit einer guten Karte kann man so in etwa feststellen, wo man ist. Der Kompass ist nur dann hilfreich, wenn man frühzeitig seinen genauen Standpunkt festgelegt hat und einer Marschzahl (Route) folgen will.

 

Text von Andreas Wölki

2 Kommentare

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Jiker

Vor allem helfen Routen mit einfacher Orientierung: Auf einem breiten Hang ohne lokale Gefahrenstellen und mit klaren Abgrenzungen kann man sich weniger leicht verfahren oder versteigen, als wenn man kleine Durchstiegsstellen finden oder Gefahrenstellen vermeiden muss. Im Zweifelsfall muss man damit rechnen, dass man nur noch per grober lokaler Hangneigung und/oder grober Kompassrichtung orientieren kann. Gerade "bei Wetter" ist der Höhenmesser locker mal 50-100 Höhenmeter daneben, das GPS kann ausfallen und seien wir ehrlich, wer kann in der Praxis wirklich genauer als +-30° mit dem Kompass peilen. Dann ist es essenziell dass man nichts Wichtiges verfehlt, und alle Umgrenzungen wie Waldränder eindeutig sind. Anders herum kann bei einem breiten Hang ohne Gefahrenstellen und mit klarer, einfacher Waldgrenze auch nicht wirklich viel schief gehen. Rauf oder runter, die Richtung mit Kompass anpeilen, wie hoch man ist weiß man dank Höhenmesser und dann unten die Waldgrenze entlang tasten bis man die Einstiegsroute findet.

Felix Werner auf Facebook

Wer schon mal ein richtiges Whiteout erlebt hat weiß, nur ein GPS kann einen da wieder zuverlässig heim führen. Alle anderen "Tipps" sind nutzlos. (Whiteout = man weiß nicht mehr, ob man noch fährt oder steht).