Der katalanische Berglauf-Superstar Kilian Jornet musste am 07. September zusammen mit seiner Partnerin Emelie Forsberg aus der Nordwand der Aiguille du Midi (3842m) gerettet werden. Die beiden Athleten befanden sich auf einer Trainigstour am Fredonpfeiler und mussten gut 50 Meter vor dem Ausstieg aufgrund schlechter Wetterbedingungen aufgeben. Jornet hatte erst kürzlich mit zwei Fabelzeiten an Matterhorn und Mont Blanc für Aufsehen gesorgt.

Läuft allen davon: Kilian Journet (Foto: picture-alliance.com).

Läuft allen davon: Kilian Journet (Foto: picture-alliance.com).

Gerade einmal 2 Stunden und 52 Minuten hatte der 26-Jährige am 21. August für seine Speedbesteigung des Matterhorns gebraucht - in Auf- und Abstieg wohlgemerkt. Jornet war, nur in Lauf-Bekleidung, am Nachmittag von dem italienischen Örtchen Breuil-Crevinia (2428m) aus Richtung Matterhorngipfel (4478m) gestartet und kam, weniger als drei Stunden später, wieder dort an.

Gut einen Monat zuvor hatte die Trailrunning-Ikone bereits am höchsten Berg der Alpen eine neue Bestzeit hingelegt: Die 3773 Höhenmeter von Chamonix auf den Gipfel des Mont Blanc (4810m) und wieder retour bewältigte der Katalane in sagenhaften 4 Stunden und 57 Minuten. Sein Begleiter, der französische Profibergläufer und bisherige Mont Blanc - Rekordhalter Matheo Jacquemoud, musste auf halber Strecke aufgrund eines Spaltensturzes aufgeben.

Matterhorn und Mont Blanc sollten für den in Läuferkreisen hymnisch verehrten Journet allerdings nur den Auftakt zu einem weit spektakuläreren Ziel sein. Der mehrfache Welt- und Europameister im Skibergsteigen und Gewinner des Ultratrail du Mont Blanc hatte angekündigt, sein Können auch am Mount Everest unter Beweis stellen zu wollen.

Kein Laufgelände: Augille du Midi (Foto: picture-alliance.com).

Kein Laufgelände: Augille du Midi (Foto: picture-alliance.com).

Ob sich Jornet mit der Trainingstour am Fredonpfeiler der Aiguille du Midi bereits auf den geplanten Super-Coup im Himalaya vorbereiten wollte, ist nicht bekannt, darf aber bezweifelt werden. Denn die Everest-Saison startet erst wieder im Frühjahr des nächsten Jahres. Kritiker des Katalanen dürften sich allerdings nach der erfolgreichen Rettung des Berglaufstars bestätigt fühlen: Jornet und Forsberg wurden - in leichter Laufbekleidung und Trailrunning-Schuhen - aus der Wand geflogen.

Grob fahrlässig und respektlos habe er gehandelt, so der Vorwurf aus dem Lager der Bergführer von Chamonix. Jornet sei ein schlechtes Beispiel für viele Hobby-Läufer. Denn die Zahl derer, die sich ähnlich schlecht ausgerüstet ins Hochgebirge wagten und dann gerettet werden müssten, nehme ständig zu, so Jean-Louis Verdier, Bergführer und Sicherheitsbeauftragter der Region Chamonix.