Sieben Berggipfel, 45 Kilometer Strecke mit knapp 5000 Höhenmeter Anstieg und ebenso 5000 Höhenmetern Abstieg - das sind die beeindruckenden Daten der Seven Summits Tour rund um die Bergwelt der Gemeinde Schröcken im österreichischen Vorarlberg - zu absolvieren in einem Tag und das für einen guten Zweck. So sollten diesmal 850 000 Höhenmeter und ein stattlicher Erlös für das internationale Hilfsprojekt Ropka zusammen kommen.

Rastlos: Von Gipfel zu Gipfel.

Die Herausforderung war klar umschrieben, Künzelspitze, Rothorn, Braunarl, Mohnenfluh, Juppenspitze, Höferspitze, einmal rauf und wieder runter über die sieben Berge der Tour. War endlich ein Gipfel geschafft, richtete sich der Blick schon auf den nächsten Grenzberg rund um Warth-Schröcken, der Fremdenverkehrsregion am Arlberg. Rund 22 Stunden waren für die außergewöhnliche Tour angesetzt.

Die Strecke führte die 45 Kilometer durch die Landschaft des Bregenzerwaldes und die Tannbergregion, also entlang des Grenzgebietes zwischen Vorarlberg und Tirol. Unvergesslich waren die Aufstiege. 5000 Höhenmeter steil bergauf, Aufstiege über Almwiesen, Bergkämme und hochalpine Höhenwege, die niemals zu enden schienen - und dann die Abstiege, die Stunden später oftmals gehörige Schmerzen in den Beinen bereiteten. Tausende von Schritten , mal beschwingt, von der Euphorie einen weiteren Gipfel "gestürmt" zu haben, mal mühsam - aber immer das Ziel vor Augen.

Gemeinsames Bergerlebnis

Die Tour war mehr als eine Bergwanderung, das gemeinsame Bergerlebnis allerdings auch nicht als Berglauf ausgeschrieben. Dennoch waren Kondition, Training, gute Vorbereitung, Selbstüberwindung und vieles mehr erforderlich für die immense sportliche Herausforderung bei einmaligen Wetterbedingungen. Schließlich half jeder Schritt, jeder Tropfen Schweiß und jede Selbstüberwindung auch anderen Menschen. "Die Tour verbindet und überwindet", sagt Eric Leitner. "Sie verbindet die Teilnehmer, die hier über Berggrate wandern, mit Menschen, die zehntausende Kilometer entfernt in der Himalayaregion leben - durch einen Gedanken und wichtiger: Durch ein Spende."

Der neue Tag erwacht : Bergwanderer warten auf der Künzelspitze auf den Sonnenaufgang. Viele Teilnehmer sind schon fünf Stunden unterwegs.

Leitner ist in Österreich Koordinator der internationalen Hilfsorganisation Ropka. Der Name ist das tibetanische Wort für "Helfen". "Wir denken, Bildung überwindet Armut. Und so ist unser Schwerpunkt die Ausbildung von Mädchen, Waisenkindern sind Kindern aus den ärmsten Schichten", so Eric Leitner, der sich über einen stattlichen Erlös der Seven Summits Tour Schröcken freuen konnte.

Das internationales Hilfswerk unterstützt in 150 Projekten in erster Linie Kinder in den entlegensten Regionen der Welt, wo sich andere Organisationen nicht oder kaum vorwagen. Ropka wurde 1980 vom tibetischen Arzt Akong Rinpoche und der Schweizer Schauspielerin Lea Wyler gegründet.

High-Tech-Ausrüstung statt Knickebockers

Die Seven Summits Tour führt auf eine Idee zweier Bergsteiger aus Schröcken zurück, die in den 1950er Jahren die Route gemeinsam bewältigten. Während inzwischen selbst Hobbyläufer mit speziellen Berglaufschuhen, Funktionskleidung und Trinkrucksäcken ihre Tour angehen, gingen seinerzeit Alois Schwarzmann und Pius Bischof die Berge rund um Schröcken mit genagelten Schuhen, mit Knickerbockers und Lederriemen an. Sie stapften bergauf über schmale Pfade, mussten durch Bäche, weil es kein Brücken gab und suchten sich ihre Route über Grashänge und Steinfelder, heißt es in der Chronik. Denn es fehlten Wegweiser und Straßen.

Weiter, immer weiter.

"Aber beide kannten ihre Berge gut, sie waren hier aufgewachsen und schon hunderte Male schweifte ihr Blick über die Bergkämme", weiß Tourenführer Jürgen Strolz. Freilich - bislang hatte noch niemand vor ihnen alle Berge rund um Schröcken an einem Tag bestiegen. Organisator Strolz weiter: "Niemand hatte sich an eine solch kühne Idee gewagt. Wozu auch? Es gab noch keine Ultramarathons, Trinkrucksäcke und Energieriegel." Inzwischen ging die vom ihm koordinierte Seven Summits Tour in die vierte Auflage.

Die Ausrüstung heute ist mit dem Equipment des vergangenen Jahrhunderts nicht mehr zu vergleichen. "Trotz moderner Bergausrüstung sind die Gefahren freilich die gleichen" so Strolz. Vor allem die steilen Felsflanken des Braunarls forderten nicht nur Trittsicherheit und Konzentration beim Überqueren , auch wenn Helfer der Bergrettung die Teilnehmer am Klettergurt über die gefährlichsten Passagen begleiteten.

Start mitten in der Nacht

Los ging es Mitten in der Nacht - damit das Ziel noch am selben Tag erreicht werden konnte. Freilich taten die meisten Teilnehmer kein Auge zu, schließlich war schon um 1.30 Uhr eine letzte Besprechung, in der Organisator Jürgen Strolz nochmals die Tourenführung erklärte. Vorbei an der Bregenzer Ach ging es im Dunkeln hinauf auf die Künzelspitze. Wie Glühwürmchen waren die Wanderer mit ihren Stirnlampen die Bergspitze hochgeklommen.

Der Gipfel am Braunarl ist erreicht. Hier werden die Bergwanderer mit einem beeindruckenden Panorama belohnt.

Dort präsentierte sich der neue Tag -immerhin schon nach einer durchschnittlichen Laufzeit von über fünf Stunden und 1300 Höhenmetern mit einem beeindruckenden Sonnenaufgang ehe es weiter über tiefe Grashänge auf das Rothorn, den Hochberg zum höchsten Punkt, den Braunarl (2649 Meter) ging. Hier belohnte der beeindruckende Ausblick über Vorarlberg und Tirol für die Strapazen.

Bergsprint nach 16 Stunden

Einzigartig war ein Bergsprint nach 16 Stunden. "Ganz Ambitionierten wurde bis zur Höferspitze für den drei Kilometer langen Abschnitt mit 450 Höhenmetern die Zeit genommen. Das Interesse an der Seven Summits Tour wächst mit jedem Jahr. Waren es anfangs nicht einmal ein Dutzend Bergläufer, starteten heuer 85 Männer und Frauen. Die ersten ambitionierten Bergläufer erreichten das Ziel am späten Nachmittag, andere erst in der Dunkelheit. Nur 30 Starter absolvierten "die Sieben auf einen Streich".

Damit zählt die Tour zu den anspruchsvollsten Veranstaltungen in der Alpenregion. Auf verschiedenen Abschnitten hatte der Veranstalter Abstiege nach Schröcken angeboten . "Schließlich standen Zeit und Strecke nicht im Vordergrund, sondern der gute Zweck und die Möglichkeit, einmal seine körperlichen Grenzen auszutesten", so Jürgen Strolz.

Text und Fotos: Peter Ehler / Nürnberger Nachrichten

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