Die meisten Hütten sind bereits in die Sommersaison gestartet und auch immer mehr Bergwanderer drängt es - trotz durchwachsenem Wetters - verstärkt nach draußen. Doch Vorsicht ist geboten: Oberhalb der Baumgrenze finden sich noch zahlreiche Schneefelder, die schnell zur tödlichen Gefahr werden können - wie auch zwei Unfälle des vergangenen Wochenendes wieder traurig unter Beweis gestellt haben.

Volle Konzentration bei der Querung von Altschneefeldern (Foto: OeAV).
Volle Konzentration bei der Querung von Altschneefeldern (Foto: OeAV).

Angesichts der verzögerten Schneeschmelze und der großen Schneemengen im vergangenen Winter sind Bergwege oberhalb der Waldgrenze vielerorts noch von Schneefeldern bedeckt. Für Bergwanderer kann der harte Altschnee zur gefährlichen Falle werden.

Oft wird die Gefahr des Abrutschens gar nicht erkannt oder völlig unterschätzt. Mit meist schweren bis tödlichen Verletzungen enden Stürze, bei denen das Schneefeld in felsdurchsetztes Gelände oder gar in einen Steilabbruch mündet - so auch am vergangenen Wochenende.

Tödliche Unfälle

Am Freitag war eine 55-jährige Deutsche beim Abstieg vom Pitztaler Jöchl (2996m) in Tirol tödlich verunglückt. Bei der Querung eines Schneefeldes verlor die Bergwanderin das Gleichgewicht und rutschte über felsdurchsetztes Gelände in die Tiefe. Dabei zog sie sich lebensgefährliche Verletzungen zu. Trotz schneller Hilfe aus der Luft Die Deutsche verstarb kurz darauf noch an der Unfallstelle.

Bereits einen Tag zuvor war ein 37-Jähriger Münchner bei einer Tour auf den Hochwanner (2744m) im Wettersteingebirge über 200 Meter abgestürzt und später seinen schweren Kopf- und Brustverletzungen erlegen. Laut Polizeiangaben war der Mann auf einem Schneefeld ausgerutscht.

Vorsicht auch bei flachen Hängen

"Dass bereits flache Hänge mit einer Neigung von 30 Grad ein Absturzrisiko bergen können, ist sehr vielen Berggehern nicht bewusst. Optisch laden die Schneefelder zum sorglosen Überqueren ein - aber wenn man ausrutscht, kann man kaum mehr bremsen", warnt Michael Larcher, Bergsportexperte im Oesterreichischen Alpenverein (OeAV). Unterschätzt werde vielfach die hohe Geschwindigkeit, die man bereits nach kurzer Rutschstrecke aufnimmt.

So ist erwiesen, dass die Rutschgeschwindigkeit bei einem etwa 40 Grad steilen, harten Firnhang bereits 98 Prozent der freien Fallgeschwindigkeit erreicht. Dabei spielt - entgegen der landläufigen Meinung - auch die Art der Bekleidung keine große Rolle.

Klicken Sie sich durch die Slideshow mit einer kleinen Bilderserie, wie Sie sich verhalten sollten, wenn Schneefelder gequert werden müssen.

Das heißt, auch Kleidung mit rauer Oberfläche hat kaum Bremswirkung, wenn man auf hartem Firnschnee stürzt oder ausrutscht. "Zum Queren sollten zumindest die oberen zehn Zentimeter der Schneedecke aufgeweicht sein, damit man auch wirklich Tritte setzen kann", so Larcher.

Wie im Ernstfall reagieren?

Bei einem Ausrutscher gilt es, sich sofort in die Bauchlage zu drehen und mit den abgespreizten Armen und Beinen zu bremsen, noch bevor die Geschwindigkeit so groß ist, dass sie nicht mehr kontrolliert werden kann.

"Stöcke können zwar eine Hilfe sein, das Gleichgewicht zu halten, sicher begehbar werden Altschneefelder dadurch allerdings nicht. Die adäquate Ausrüstung wären Steigeisen und Pickel, aber die gehören normalerweise nicht zur Ausrüstung von Bergwanderern. Und natürlich müsste zuerst der richtige Umgang mit diesen Ausrüstungsgegenständen geübt werden", erklärt Larcher.

Nothelfer: Wer bei Touren im Frühsommer auf Leichtsteigeisen verzichtet, sollte zumindest Spikes im Rucksack mit dabei haben.
Nothelfer: Wer bei Touren im Frühsommer auf Leichtsteigeisen verzichtet, sollte zumindest Spikes im Rucksack mit dabei haben.

Der Bergsportexperte weiter: "Grundsätzlich sollte vor dem Betreten eines Schnee- oder Firnfeldes immer die Warnlampe aufleuchten. Ein Wanderweg, der in ein steiles Altschneefeld mündet, kann Grund genug sein, eine Tour abzubrechen."

Eine durchaus interessante Ausrüstungsalternative für Wanderer sind laut Michael Larcher "Spikes" aus gehärtetem Edelstahl. Ihr Vorteil gegenüber Leichtsteigeisen und "Grödeln" besteht darin, dass sie äußerst leicht sind, in Sekundenschnelle über den Bergschuh gezogen werden können, ein geringes Packmaß besitzen und verhältnismäßig günstig sind.

Wanderungen gut vorbereiten

Der OeAV rät, sich gerade in der diesjährigen Wandersaison vor jeder Tour sehr genau über die aktuellen Verhältnisse zu informieren. Auch sollte bedacht werden, dass sich die Bedingungen je nach Hangausrichtung ändern können - etwa wenn ein Wanderweg von der Sonnenseite in nordgerichtete Hänge führt.

Neben einer gewissenhaften Planung ist natürlich bergtaugliches Schuhwerk eine wichtige Voraussetzung. Besondere Vorsicht ist mit Kindern geboten: Nur bei mäßiger Neigung und einem sanften Auslauf, der keine Steine aufweist, sind Schneefelder ein geeigneter Spielplatz!

Alle auf alpin.de veröffentlichten News finden Sie hier.