Ötzi lebt – zumindest sein Mikrobiom

Überraschender Fund im Gewebe von Gletschermumie Ötzi

Mehr als 5000 Jahre lag Ötzi im Eis verborgen. Nun haben Forscher in seinem Gewebe Hinweise auf Mikroorganismen gefunden, die sich offenbar erst in jüngerer Zeit vermehrt haben.

Bild einer früheren Probenentnahme des Eiszeitmannes.
© picture alliance / dpa

Überraschender Fund im Gewebe von Gletschermumie Ötzi

Mehr als drei Jahrzehnte nach seiner Entdeckung gibt der berühmte Gletschermann Ötzi der Wissenschaft weiterhin Rätsel auf. Ein internationales Forschungsteam hat bei Untersuchungen des Mikrobioms der rund 5.300 Jahre alten Mumie überraschende Spuren von Mikroorganismen gefunden, die offenbar noch lange nach Ötzis Tod aktiv waren.

Wie die Wissenschaftler im Fachjournal Microbiome berichten, fanden sie in Gewebeproben der Mumie kälteangepasste Hefestämme mit moderner DNA. Nach Einschätzung der Forscher müssen sich diese Mikroorganismen in vergleichsweise jüngerer Zeit vermehrt haben – obwohl Ötzi über Jahrtausende in eisiger Umgebung konserviert wurde.

<p>Ötzi&nbsp;in&nbsp;der&nbsp;Bozener&nbsp;"Tiefkühltruhe".</p>

Ötzi in der Bozener "Tiefkühltruhe".

© picture alliance / Robert Parigger

Für die Studie verglich das Team das Mikrobiom der Mumie mit Proben aus dem Gletschereis und dem Boden rund um die Fundstelle in den Ötztaler Alpen. Dabei konnten sie nicht nur Spuren ursprünglicher Darmbakterien des Gletschermanns nachweisen, sondern auch Mikroorganismen identifizieren, die vermutlich aus der damaligen Gletscherumgebung stammen.

Die Ergebnisse liefern neue Einblicke in das komplexe Zusammenspiel zwischen Mumien, Umwelt und Mikroorganismen. Zugleich zeigen sie, dass selbst extrem kalte Bedingungen biologische Prozesse nicht vollständig stoppen.

34 Jahre Ötzi-Fund: Zahlen, Daten, Fakten
Wissenswertes rund um den Fund der Steinzeitmumie Ötzi
34 Jahre Ötzi-Fund: Zahlen, Daten, Fakten

Klickt Euch durch die Slideshow mit interessanten Zahlen und Fakten rund um den Fund der berühmtesten Gletschermumie.

zur Galerie

Wer war Ötzi?

Ötzi war 1991 in den Ötztaler Alpen nahe der österreichisch-italienischen Grenze auf knapp 3200 Metern entdeckt worden. Die außergewöhnlich gut erhaltene Mumie wird heute im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen unter kontrollierten Kühlbedingungen aufbewahrt. Ötzi gilt als die älteste natürlich erhaltene Gletschermumie Europas.

Der Mann lebte vor rund 5300 Jahren in der Kupferzeit. Dank der jahrtausendelangen Konservierung im Eis konnten Forscher außergewöhnlich viele Details über sein Leben entschlüsseln – darunter seine Ernährung, Krankheiten, Tätowierungen und sogar seine letzten Mahlzeiten. Heute zählt Ötzi zu den am intensivsten untersuchten archäologischen Funden weltweit.

Text von Lubika Brechtel

0 Kommentare

Kommentar schreiben