"Eine Frage purer Entschlossenheit"

Extremer Alleingang: Charles Dubouloz trotzt in den Pyrenäen den Elementen

Mehr als 40 Tage wartete Charles Dubouloz auf ein Wetterfenster – endlich eingestiegen, wurde das Winter-Solo am Pic du Midi d’Ossau zur Tortur. 300 Meter über dem Boden verlor der Alpinist seinen Rucksack. Ohne Ausrüstung, Wasser und nur mit Fleecejacke kämpfte er sich dennoch bis zum Gipfel.

Extremer Alleingang: Charles Dubouloz trotzt in den Pyrenäen den Elementen
© Instagram/Charles Dubouloz

300 Meter über dem Boden den Rucksack verloren

Der französische Alpinist Charles Dubouloz hat am 25. und 26. Februar 2026 die West- beziehungsweise Nordwestwand des Pic du Midi d’Ossau solo durchstiegen, unter extremen Bedingungen und mit einem dramatischen Zwischenfall. Mehr als 40 Tage hatte Dubouloz auf ein stabiles Wetterfenster gewartet.

Als sich schließlich eine Gelegenheit bot, startete er entschlossen in sein Projekt. Doch rund 300 Meter über dem Boden geschah das Unerwartete: Sein Rucksack löste sich und stürzte in die Tiefe – mitsamt der gesamten Ausrüstung. "Ich hatte nichts mehr. Ich war nackt", beschreibt Dubouloz die Situation.

Entscheidung für die Flucht nach vorne zahlt sich aus

Zu diesem Zeitpunkt lag noch mehr als die Hälfte der Wand über ihm. Trotz der prekären Lage entschied er sich weiterzuklettern. Der Rückzug erschien ihm ebenso komplex wie die Fortsetzung. Was folgte, war laut Dubouloz "eine Frage purer Entschlossenheit". Die Nacht verbrachte er sitzend im Schnee, lediglich mit einer Fleecejacke bekleidet – ohne Biwakausrüstung, ohne ausreichenden Kälteschutz. 

Am nächsten Tag kämpfte er sich erschöpft weiter nach oben. Gegen Ende des Tages erreichte er schließlich den Gipfel des markanten Pyrenäenbergs. Viel Zeit zum Genießen blieb nicht: Ausgekühlt, dehydriert und völlig entkräftet hatte er nur noch ein Ziel: trinken.

Mit der Solo-Begehung setzt Dubouloz einen eindrucksvollen Schlusspunkt unter ein Projekt, das ihn Geduld gelehrt und physisch wie mental an seine Grenzen gebracht hat. Unterstützt wurde er im Vorfeld unter anderem bei der Wetterplanung. Der Abstieg – beziehungsweise die Heimreise per Fahrrad – dürfte im Vergleich zur Wand fast wie Erholung gewirkt haben.

Über das Projekt der Wintertrilogie

Mit dem Durchstieg hat der 36-Jährige seine Wintertrilogie vollendet, zu der die "Divine Providence" im Montblanc-Massiv und die "Gamma-Route" an der Barre des Écrins zählen. Dubouloz' Wintertrilogie begann Anfang Dezember mit einer Radtour durch drei bedeutende französische Gebirgszüge. Nach Anstiegen im Montblanc- und im Écrins-Massiv radelte er für den letzten Teil der Tour in die Pyrenäen.

Text von Lubika Brechtel

0 Kommentare

Kommentar schreiben