23. September 2025 | Das war die Verleihung in Altaussee
Am 20. September erhielt Barbara "Babsi" Zangerl den international renommierten Paul-Preuss-Preis – ALPIN-Redakteur Andreas Erkens war live bei der Verleihung vor Ort.

Ausgezeichnet: Babsi Zangerl erhält den Paul-Preuss-Preis 2025. Alexander Huber (li.), Joe Bachler (Obmann der IPPG) und Laudator Florian Scheimpflug gratulieren als Erste.
Babsi Zangerl ist schon lange keine Unbekannte mehr im Alpinismus. Was als zarte Karriere beim Bouldern begann, wurde schnell zu einem kräftigem und soliden Bergsport-Gewächs und ist heute eine der erfolgreichsten alpinen Kletterinnen weltweit. Zangerl hat zahlreiche anspruchsvolle Trad-Routen im oberen X. Schwierigkeitsgrad am El-Capitan im Yosemite Rotpunkt wiederholt. Eine davon – den 1000 Meter hohen, 32 Seillängen langen "Freerider" – hat sie sogar geflasht, also von unten bis oben ohne einen einzigen Sturz!
Das war vor ihr noch niemandem in einer Route am El Capitan gelungen. Nicht einmal ihrem Idol Lynn Hill, die dort als erste die Route "The Nose" frei begangen hatte. Und das sind nur einige der herausragenden Leistungen von Babsi Zangerl. Als Preisträgerin des Paul-Preuss-Preises 2025 steht sie als erst zweite Frau nach Catherine Destivelle in einer Reihe mit weiteren ausgezeichneten Persönlichkeiten des Bergsports wie Reinhold Messner, Alexander und Thomas Huber, Hanspeter Eisendle, Bernd Arnold oder Beat Kammerlander.

Als erst zweite Frau nach Catherine Destivelle steht Babsi Zangerl in einer Reihe (buchstäblich wie übertragen) mit anderen alpinen Spitzensportlern wie Reinhold Messner, den Huberbuam oder Beat Kammerlander.
Laudatio von Florian Scheimpflug
Kein Wunder also, das Florian Scheimpflug, selbst Kletterer und langjähriger Chefredakteur des österreichischen Klettermagazins Climax, zu Beginn seiner Laudatio für die Preisträgerin auf den Wunsch der Jury, "ein paar Worte" zu Babsi zu sagen, süffisant einräumte: "Ich werde mit dieser Aufgabe scheitern." Denn Babsis Tourenbuch allein sei schon so "dick wie ein Ziegel". Am Ende seiner Ausführungen stand für ihn dann neben der Gratulation noch das Besondere des Klettersports – Message: Klettern ist ein Team-Erfolg: "Man teilt schließlich ein gemeinsames Seil."
So wie Babsi Zangerl und Jacopo Larcher, ihr Lebensgefährte. Mit ihm gemeinsam habe sie ihre größten Erfolge gefeiert und vieles erleben dürfen – zuletzt fast auch seine Flash-Begehung am Freerider, die nur daran gescheitert war, dass Jacopo einen kleinen Untergriff übersehen hatte beim ersten Versuch des Duos an einer der Schlüsselstellen.
Doch anstelle nun zu schimpfen oder frustriert zu sein, half er Babsi, die Stelle perfekt zu analysieren und putzte sie für sie, damit wenigstens ihr der Flash gelingen konnte. Der Rest ist Geschichte. Damit zeigen die beiden, so Scheimpflug, worum es beim Klettern eigentlich ginge: Um großartige gemeinsame Erlebnisse. Es folgten wohlwollender Beifall in der Halle, ein Strauß Blumen für Babsi und natürlich der Paul-Preuss-Preis 2025! Herzliche Gratulation auch von ALPIN!
Das Können ist des Dürfens Maß
Ein wenig gerührt bedankte sich anschließend die 37-Jährige gebürtige Tirolerin bei Laudator Flo Scheimpflug, Obmann Joe Bachler und Alexander Huber, einem der Ehrenvorsitzenden. Huber hatte zuvor den rund 200 Gästen im neuen Veranstaltungssaal von Altaussee anhand einiger spannender Filmszenen aus einer hervorragenden Dokumentation von Lutz Maurer über Paul Preuss nahegebracht, was die Kletterethik des 1913 verstorbenen Ausnahmekletterers auszeichnete:
"Das Können ist des Dürfens Maß", lautete das Preuss'sche Credo. Und so gelangen ihm zahlreiche bis heute für die damalige Zeit unglaubliche Erstbegehungen, bei denen er die gleichen Routen anschließend auch wieder hinabkletterte!
Darunter der Preuss-Turm an der Kleinen Zinne oder die Guglia di Brenta. Unter den Gästen so illustre Namen wie Dani Arnold, Dörte Pietron, Hanns und Lilo Schell, Robert Schauer, Ivo Rabanser, Igor Koller, Beat Kammerlander, Bernd Arnold sowie zahlreiche Alpin-Journalisten wie Ernst Vogt oder Michael Düchs.
Podiumsdiskussion zum Thema "Grenzen des Grenzgangs"
Letzterer war gemeinsam mit dem Preisträger des Vorjahres, Dani Arnold, der Leiterin des DAV-Damen-Expedkaders, Dörte Pietron sowie Höhenbergsteiger Robert Schauer und einem Nachwuchsalpinisten aus einem der ebenfalls anwesenden Länder-Kader Teil einer eingehenden und nicht unspannenden Podiumsdiskussion. Unter der Leitung von Jan Mersch – selbst ehemaliger Trainer des Deutschen Expedkaders – diskutierte man die "Grenzen des Grenzgangs" mit interessanten Positionen.
Dabei verwies Extrem-Alpinist Dani Arnold auf die Frage, ob die Außenwelt den Grenzgang bis zum Äußersten – also dem Einsatz des eigenen Lebens - fordere: "Der Tod ist wichtig – er muss dabei sein! Jeder soll und darf natürlich Bergsport betreiben, wie er will. Aber wer vorne mitspielen will, muss ihn eben in Kauf nehmen!", fand Arnold.
Michi Düchs, Moderator der TV-Sendung "Bergauf – Bergab" im Bayerischen Fernsehen gab zu, dass der ultimative Preis der Tod sei und dieser im Bergsport nicht wegzudiskutieren wäre. Jedoch hielt Düchs dagegen, dass jeder und jede die Berge auch ohne dieses große persönliche Risiko genießen könnte. Und das versuche er in seinen Sendungen auch zu transportieren – jenseits von Heroismus und Kampfes- oder Sieges-Stereotypen.
Auf einen versöhnlichen Punkt brachte es schließlich Dörte Pietron: "Ich mache Bergsport auch in gefährlichem Gelände. Aber nicht, weil ich da ums Leben kommen kann, sondern obwohl! Weil das Leben und die Erfahrungen, die damit verbunden sind, unglaublich wertvoll sind." Ein großartiges Schlusswort einer sehr gelungenen Veranstaltung, die nach der Verleihung des Preises mit dem Wichtigsten endete, das alle Bergsportler verbindet, ob Profi oder nicht: dem Austausch über die gemeinsame Leidenschaft!

Aufg'spuit: Alex Huber (Mitte) spielt mit der lokalen Musik während des gemütlichen Abendausklangs.






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