Beliebtes Ausflugsziel zerstört

Achtung Lebensgefahr: Eiskapelle am Watzmann eingestürzt

Die Eiskapelle zu Füßen der Watzmann Ostwand ist ein beliebtes Ausflugsziel für Besucher der Königssees. Nun ist der Hohlraum unter dem tiefst-gelegenen permanenten Eisfeld der Deutschen Alpen eingebrochen. Vor dem Betreten wird gewarnt, es besteht Lebensgefahr.

Achtung Lebensgefahr: Eiskapelle am Watzmann eingestürzt
© Nationalpark Berchtesgaden

Beliebtes Ausflugsziel: Eiskapelle am Watzmann eingestürzt

Die Eiskapelle am Watzmann ist Geschichte. Das Naturdenkmal, bisher bekannt als tiefstgelegene dauerhafte Schneehöhle der Alpen und eines der bedeutendsten Geotope Bayerns, ist eingestürzt. Der Nationalpark Berchtesgaden sieht darin eine unmittelbare Folge des Klimawandels: Die steigenden Temperaturen haben den jahrhundertelang beständigen Firnkörper so stark geschwächt, dass er nun zusammenbrach. 

Zwar hatten Forscherinnen und Forscher das Verschwinden des einzigartigen Naturphänomens vorausgesagt, doch der frühe Zeitpunkt überrascht selbst die Expertinnen. Ob sich die Eiskapelle in den kommenden Jahren neu ausbilden kann, ist ungewiss – zumal ihre Lage auf nur rund 900 Metern Höhe gegen eine Rückkehr spricht.

Die Eiskapelle liegt unterhalb der Watzmann Ostwand und ist von St. Bartholomä am Königssee in einer kurzweiligen Wanderung erreichbar. Für die 250 Höhenmeter und rund sechs Kilometer der Wanderung sollte man rund zwei Stunden veranschlagen.

„Es ist bedrückend und schockierend zugleich."

„Es ist bedrückend und schockierend zugleich, dass die Eiskapelle, die schon Alexander von Humboldt im November 1797 besuchte, nun einfach verschwunden ist“, erklärt Nationalparkleiter Dr. Roland Baier. „Damit verlieren wir nicht nur eine bedeutende Sehenswürdigkeit im Berchtesgadener Land, sondern auch ein überregional wertvolles Geotop.“

<p>Die Eiskapelle in früheren Tagen.</p>

Die Eiskapelle in früheren Tagen.

© IMAGO / Westend61

Unübersehbares Zeichen für den Klimawandel in den Alpen

Der Einsturz sei, so Baier, ein unübersehbares Zeichen für die Veränderungen, die der Klimawandel in den Alpen anstößt: „Dem Verschwinden der Eiskapelle werden nach den Prognosen in wenigen Jahren auch unsere beiden Gletscher folgen." Das zeigt so Bauer auch auf wie wichtig es ist, dass im Nationalpark die Folgen des Klimawandels wissenschaftlich untersucht und für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden

Seit 1953 hat die Eiskapelle am Watzmann knapp eine Million Kubikmeter Firneis eingebüßt – allein seit Ende 2019 mehr als 575.000 Kubikmeter. Schneearme Winter und heiße Sommer setzten dem Geotop massiv zu, zuletzt beschleunigten warme Regenfälle den Zerfall, bis die Höhle im Sommer 2025 schließlich kollabierte.

<p>Die Überreste der eingestürzten Eiskapelle.</p>

Die Überreste der eingestürzten Eiskapelle.

© Nationalpark Berchtesgaden

Durch Einsturz überrascht

„Mit den Flächenzuwächsen durch die schneereichen Winter 2017 bis 2019 war die Hoffnung groß, dass die Eiskapelle wieder Eisstände wie in den 1980er-Jahren erreichen könnte“, erklärt Andreas Wolf, Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. Doch die Entwicklung nahm eine andere Richtung: Zwischen 2019 und 2022 halbierte sich die Fläche von 37.800 auf 18.900 Quadratmeter. „Dass der Kollaps schon im Sommer 2025 passiert, hat uns überrascht“, so Wolf.

Ob die Eiskapelle endgültig verschwunden ist, bleibt offen. „Am Ende des Eisgrabens unterhalb der Watzmann-Ostwand werden sich auch künftig Lawinenschneemassen sammeln und ein Firneisfeld mit Hohlräumen bilden. In welcher Größe und Beständigkeit, wird sich zeigen“, sagt Wolf. Ganz aufgeben will er den Glauben an eine Rückkehr nicht: „Ein oder mehrere kalte, schneereiche Winter könnten vielleicht wieder eine kleinere Eiskapelle entstehen lassen.“ Ende Oktober 2025 werden Wolf und sein Team erneut im Nationalpark Berchtesgaden Vermessungen vornehmen – um nachzusehen, was vom einstigen Naturwunder geblieben ist.

Neue alpine Gefahren: Akute Steinschlaggefahr!

Mit dem Einsturz der Eiskapelle ist nicht nur ein einzigartiges Naturphänomen verschwunden – es sind auch neue alpine Gefahren entstanden. Nationalparkleiter Dr. Roland Baier warnt unmissverständlich: „Wir raten dringend davon ab, die Reste der Eiskapelle zu betreten. Im gesamten Bereich herrscht akute Steinschlaggefahr. Auch der letzte noch stehende Eisbogen und die Eiswände am Rand können jederzeit kollabieren. Vor Ort kracht und rumpelt es im Minutentakt.“

Auch Geoforscher Andreas Wolf sieht die Lage kritisch: „Durch den vollständigen Verlust des Widerlagers der Firneismassen verliert der südliche Moränenhang im Eisgraben weiter an Stabilität. Große Felsblöcke rutschen über das aufgelockerte Material talwärts und gefährden Personen im Bereich. Hier können lebensbedrohliche Situationen entstehen.“ 

<p>Die Überreste der eingestürzten Eiskapelle.</p>

Die Überreste der eingestürzten Eiskapelle.

© Nationalpark Berchtesgaden

Eisgraben meiden und die Sicherheitswarnungen respektieren

Der Nationalpark Berchtesgaden appelliert daher eindringlich an Wanderer und Besucher:innen, den Eisgraben zu meiden und die Sicherheitswarnungen zu respektieren.

Vom Einsturz der Eiskapelle sind auch die Zustiege in die Watzmann-Ostwand betroffen. Ostwand-Gehern wird dringend geraten, sich vorab über die aktuelle Situation vor Ort zu informieren.

Text von Thomas Harrer

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