Gletschersturz am Kleinen Nesthorn: Teile von Blatten verschüttet
Am Donnerstagnachmittag (28. Mai 2025) kam es oberhalb von Blatten zu einem massiven Gletscherabbruch. Große Teile des Birchgletschers am Kleinen Nesthorn gerieten ins Rutschen, nachdem sich über Tage hinweg rund neun Millionen Tonnen instabiles Schuttmaterial vom Berg gelöst und auf dem Gletscher abgelagert hatte.
Das abgehende Material verschüttete Teile des bereits evakuierten Dorfs Blatten. Die Evakuierung der rund 300 Bewohner war in der Anfang der Woche angeordnet worden, nachdem Fachleute zunehmende Instabilität festgestellt hatten. Dennoch wird derzeit eine Person vermisst. Informationen über weitere Verletzte liegen bislang nicht vor.
Ein Sprecher des kantonalen Einsatzstabs bestätigte, dass der Fluss Lonza auf einer Länge von etwa zwei Kilometern durch das abgestürzte Material aufgestaut wurde. Erste Einschätzungen deuten darauf hin, dass derzeit keine akute Überschwemmungsgefahr besteht. Die Lage wird jedoch weiter überwacht. Einheiten der Armee unterstützen vor Ort bei der Lagebeurteilung und technischen Sicherung.
Ein Video von Ponoma Media auf Youtube zeigt den Gletschabbruch und die riesige Staubwolke:
Gemeinde und Politik reagieren: "Dorf verloren, aber nicht das Herz"
Gemeindepräsident Matthias Bellwald sprach von einer "großen Zerstörung" und rief zu einer koordinierten Wiederaufbauplanung auf. "Das Unvorstellbare ist heute eingetroffen", sagte Gemeindepräsident Matthias Bellwald in einer bewegenden Pressekonferenz im Nachbardorf Ferden. "Wir haben das Dorf verloren, aber nicht das Herz.“ Die Bundespräsidentin sowie mehrere Mitglieder des Bundesrats äußerten ihr Mitgefühl und sagten Unterstützung zu. Erste Maßnahmen konzentrieren sich auf die Sicherung des Abflusses der Lonza.
Drohnenaufnahmen des Schweizer Rundfunks zeigen das Ausmaß der Zerstörung:
Geologische Ursachen: Auftauender Permafrost als Ursache
Laut Einschätzung des Schweizerischen Erdbebendienstes ging dem Abbruch ein Erdbeben der Stärke 3,1 voraus. Ob dieses als Auslöser oder Begleiterscheinung zu werten ist, bleibt Gegenstand der Untersuchung. Fachleute führen den instabilen Zustand am Kleinen Nesthorn auf eine Kombination geologischer Prozesse zurück. Dabei werden neben natürlicher Erosion auch längerfristige Temperaturveränderungen und die Destabilisierung von Permafrostböden diskutiert.
Die Ereignisse rund um Blatten werden in den kommenden Wochen weiterhin Thema in der alpinen Risikoforschung bleiben. Für das Lötschental steht nun zunächst die Schadensaufnahme und Gefahrenanalyse im Vordergrund. Weitere Evakuierungen seien laut Kanton derzeit nicht geplant, könnten jedoch kurzfristig notwendig werden, sollte sich die Situation entlang der Lonza verschärfen.

Das Dorf Blatten im Lötschental nach dem Bergsturz.

5 Kommentare
Kommentar schreibenMir liegt es fern, gewisse Zusammenhänge zwischen unserem Lebensstil und Naturkatastrophen anzuzweifeln, aber im Fall von Bergstürzen ist die Sache doch etwas komplizierter. So entstand der wunderschöne Almsee in der Würmeinzeit (!) vor 13000 Jahren durch einen riesigen Felssturz. Neben den unzähligen Felsstürzen, die sich ereigneten und sicherlich noch ereignen werden, sah ich die Folge von einem in Randa (1981), der durch Zufall keinen Menschen zu Schaden kommen ließ. Ohne auch Experte in diesem Gebiet zu sein (Geologie), hatte dieser riesige Felzsturz gerade Gründe in der Zusammensetzung des dortigen Felsmaterials. Auch der mögliche Felssturz in Graubünden, wo ein Dorf evakuiert werden mußte, hat eher geologische Zusammenhänge. Und natürlich spielen auch hydrogeologische Einwirkungen, also die extremen Temperaturunterschiede eine große Rolle. D.h. durch diese Einwirkungen wird das "untere" Bergmaterial instabil - und bricht dann eben irgendwann weg. Das wurde mir bewußt, als ich vor ein paar Jahren aufs Bietschhorn kletterte - bis zu einer Höhe von 3500 Metern dachte ich, daß ich an Felsstürzen schuld bin, höher war es dann besser. Aber ein Gipfel steht nicht von selbst - d.h. die Sache wird instabil und stürzt eben irgendwann ein, was auch Geologen in Modellen bestätigen. Die Alpen werden in 200.000 Jahren sicherlich ganz anders aussehen. Klar, vermutlich beschleunigen wir etwas im Moment diese Änderungen, aber im geologischen Zeitrahmen werden im Gebirge noch weitere Dörfer in Gebirgen verschwinden.
Natürlich stimme ich den anderen Kommentatoren hier zu, daß unserer Lebensstandard nicht der besseren Entwicklung zuträglich ist, was die Menschheit anbelangt. Aber darüber zu diskutieren, ist alpin.de, wo auch viele Waren, die in Fernost produziert werden, bewirbt, wohl nicht der richtige Rahmen. Bruno
Was war unter dem Ort, der jetzt tragischerweise verschüttet wurde? Im Übrigen sind das normale, ganz natürliche Reaktionen. Gab und gibt es seit vielen hunderten Jahren speziell im Alpenraum. Wer sich selbst einschränken möchte, soll das tun, es wird jedoch nichts ändern, dass es weiter Bergstürze geben wird.
@ Ana:
Leider hast du in all deinen Punkten Recht. Die von dir begonnene Aufzählung ist wohl endlos. Aber genau das wären die richtigen Konsequenzen und vor Allem das richtige Thema für eine neue Richtung.
Viele Menschen schauen sicher sehr betroffen auf das kleine Dorf in der Schweiz, haben Mitgefühl und sind traurig über die Entwicklungen, die der Klimawandel mit sich bringt.
Aber: Wie viele davon sind bereit, auf persönlichen Luxus zu verzichten? Die jährliche(n) Flugreise(n)? Die geile Bergtour im allerletzten unberührten Winkel, nur mit langer Anfahrt erreichbar? Das neueste E-Bike, damit ich auch höher, schneller, weiter komme? Die Erdbeeren aus Chile mitten im Januar, oder den Spargel aus Peru im März? Wer bringt noch seinen Kindern bei, dass es sinnvoll ist, sich einzuschränken, abzuwägen, nachzudenken bevor man das x-ten Plastikspielzeug kauft?
Wir warten alle darauf, dass die anderen anfangen. Die anderen sollen sich zuerst entschließen. Die Politik soll uns sagen, was wir ändern sollen.
Dabei könnte jeder für sich im Kleinen anfangen, etwas zu ändern. Hilft vielleicht nicht viel. Aber was, wenn es jeder täte....?
Es ist einfach nur schrecklich. Mit dem Lötschental verbinde ich soo viele schöne Erinnerungen. Was waren das für tolle Tage, an denen man im Frühjahr, nach Skitouren im Konkordiagebiet, in das schon grüne Tal hinabfuhr. Über die letzten Schneereste kam man mit etwas Glück vielleicht noch bis an den Dorfrand von Blatten. Es roch nach sonnenverbrannten Holzstadel, nach Heu und Lebensglück. Man war müde und zufrieden. Blatten vermittelte das Gefühl von Geborgenheit und Beständigkeit. Ein Ort der all das Übel dieser Welt vergessen ließ. Nun hat unser Lebenstill seinen Preis eingefordert. CO2, ein winziges Gasmolekül vermag ganze Berge zum Einstürzen zu bringen. Es treibt die Temperaturen nach oben und den Permafrost aus den Bergen.
Wer noch zweifelt der möge sich die letzten Jahre vor Augen halten. Piz Cengalo, Fluchthorn, Piz Scerscen, Monte Rosa, Eiger, Matterhorn....Leider wird nichts mehr so bleiben, wie es einst war. Das Lötschental wird nicht das letzte Drama bleiben.
Mein Herz blutet, meine Seele weint.