Neue Route "Navigando fra le spine"

Winter is not over yet: Fay Manners eröffnet neue Steilwandabfahrt im Aostatal

Steil ist geil: Für die aus Großbritannien stammende Skibergsteigerin und Alpinistin Fay Manners ist dieser Satz Programm. Mit ihrer neu eröffneten Steilwandabfahrt am Becco della Pazienza (3606 m) über dem Aostatal stellt sie erneut ihr Können unter Beweis.

Winter is not over yet: Fay Manners eröffnet neue Steilwandabfahrt im Aostatal
© Fay Manners/Marco Malcangi

Winter is not over yet, zumindest nicht in den Hochlagen der Alpen: Am 26. April gelang der Alpinistin gemeinsam mit ihrem italienischen Begleiter Marco Malcangi die Neutour am 3606 Meter hohen Becco della Pazienza. In ihrem Erlebnisbericht schildert die Britin die anspruchsvolle Erstbegehung:

Fay Manners eröffnet neue Steilwandabfahrt im Aostatal: Erlebnisbericht

"Da ich in Chamonix lebe und Vollzeit-Alpinistin mein "Beruf" ist, war ich in Januar und Februar oft in Italien, um Eisfälle und Linien für mögliche Projekte zu erspähen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich das Valnontey-Tal hinaufging, um dort die Eiskletterrouten "Repentance Super" (WI5/M6) und Di Fronte al Trimento (WI5+/M7) zu versuchen. Dort fiel mein Blick auf die Berge hinter den Eisfällen im Tal und ich fragte mich, was dort oben wohl sein mochte.

In den letzten Jahren hatte ich schrittweise immer mehr mit dem Skibergsteigen begonnen, und begann auf diese Art, die Alpen noch einmal neu zu entdecken. Im Toponeige für den Gran Paradiso fand ich einige bereits befahrene Linien in der Nähe des Bivacco Borghi. Ich war fasziniert von der Abfahrt durch die Nordostwand des Tête de Valnontey, einer der markantesten Wände der Region. Aber über die Jahre war ich oft nicht in der Nähe, wenn die Bedingungen dafür ideal gewesen wären.

<p>Steil ist geil, oder wie war das?</p>

Steil ist geil, oder wie war das?

© Marco Malcangi

Dann lernte ich 2024 Marco kennen: Wir waren beide mit verschiedenen Partnern die Südwand des Montblanc abgefahren und waren beim Warten auf den Bus nach Hause ins Gespräch gekommen, was für ein Zufall! Marco ist in Mailand aufgewachsen und lebt seit fünf Jahren in Cervinia, wo er derzeit die Ausbildung zum Bergführer macht. Er ist daher viel im Gebiet um Monte Rosa und Zermatt unterwegs, hat sich aber auch in vielen anderen Ecken der Alpen und den dortigen Bedingungen versucht. 

Während eines Gesprächs erzählte mir, dass er schon immer neugierig auf die riesigen Gipfel des Valnontey war, da er dort oft mit dem Mountainbike unterwegs gewesen war. Nachdem ich im Frühjahr aus Patagonien zurück in Chamonix war, schrieben wir uns erneut und hielten uns gegenseitig über gute Schneebedingungen auf dem Laufenden. Dann beschlossen wir, ersteinmal zusammen die Nordostwand der Punta Tersiva abzufahren - bei perfektem Pulverschnee und in völliger Einsamkeit!

"Vor allem ist mir wichtig, Frauen für diese Disziplin zu begeistern"

Da es diese Woche in der Gegend von Cogne viel geschneit hatte, war der ideale Zeitpunkt für ein gemeinsames Abenteuer gebkommen! Ich habe ein paar Freunde aus der Gegend, die oft im Valnontey-Tal wandern gehen und uns Fotos von den schneebedeckten Bergen geschickt haben. Das hat Marco und mich sehr motiviert, dort etwas auszuprobieren! Also brachen wir am Abend des 25. April zum Bivacco Borghi auf, hatten allerdings zunächst Schwierigkeiten, das Biwak zu finden.

Es lag wie ein Bunker im Schnee vergraben. Als wir endlich fündig geworden waren, schliefen wir hervorragend, nur wir beide, eingehüllt in über 20 Decken! Am Morgen erkundeten wir das Gebiet und beschlossen, eine neue Linie am wunderschönen Becco della Pazienza zu eröffnen. Uns fiel auf, dass es keine direkte Linie vom Gipfel gab. Vielleicht lag es daran, dass die unteren Abschnitte in der Vergangenheit nicht so stark mit Schnee bedeckt waren.

<p>Die neu eröffnete Linie auf einen Blick.</p>

Die neu eröffnete Linie auf einen Blick.

© Fay Manners/Marco Malcangi

Wir waren zunächst unsicher, ob es möglich wäre, da der Schnee aus der Ferne stark vom Wind beeinflusst wirkte. Wir sahen jedoch Schneegrate in der Wand, die uns magisch anzogen und beschlossen, einen Blick in die Wand zu werfen und umzukehren, wenn der Schnee unbefahrbar oder gefährlich sein sollte. Als wir am Fuß der Wand ankamen und mit dem Aufstieg begannen, wurde uns sofort klar, dass der Schnee perfekt war: sehr stabil und weich. Die Ausgesetztheit einer Traverse schreckte uns etwas ab, aber gerade das machte schließlich den Reiz der Route aus.

Als wir nach Gipfel und Pulver-Abfahrt sicher zurück im Tal waren, tauften wir die Route "Navigando fra le spine", was so viel bedeutet wie "Segeln durch die Grate". Wir hoffen, dass andere erfahrene Skibergsteiger unsere Abfahrt wiederholen und dieses wunderschöne Tal so genießen wie wir. Vor allem ist mir wichtig, Frauen für diese Disziplin zu begeistern, sie sollen sich Touren zutrauen, die noch nie zuvor gemacht wurden."

<p>Am Gipfelgrat.</p>

Am Gipfelgrat.

© Fay Manners

Die harten Fakten zu "Navigando fra le spine"

  • Name der neuen Route: "Navigando fra le spine"

  • Schwierigkeitsgrad: 5.3 E4

  • Abfahrtslänge: 450 m

  • Erstbegeher: Fay Manners und Marco Malcangi

  • Berg: Becco della Pazienza (3606 m)

  • Talort: Valnontey, Aostatal, Italien

  • Datumder Erstbefahrung: 26. April 2025

Text von Fay Manners

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