Absturz beim Free-Solo-Klettern

Martin Feistl an der Scharnitzspitze tödlich verunglückt

Am vergangenen Samstag (18. Mai 2024) stürzte der deutsche Alpinist Martin Feistl an der 2468 Meter hohen Scharnitzspitze in den Tod. Der 27-Jährige war ungesichert in der Spitzenstätter Route unterwegs, als er den Halt verlor und in die Tiefe stürzte.

Tod beim Free-Solo-Klettern: Martin Feistl an der Scharnitzspitze abgestürzt
© DAV/Silvan Metz

Tod beim Free-Solo-Klettern: Martin Feistl an der Scharnitzspitze abgestürzt

Bei dem abgestürzten Kletterer im Wetterstein handelt es sich laut einer Mitteilung des Deutschen Alpenvereins um den deutschen Alpinisten Martin Feistl. Der 27-Jährige aus Dießen am Ammersee war am 18. Mai Free Solo in einer anspruchsvollen Südwandroute an der Scharnitzspitze aus bislang unbekannten Gründen abgestürzt. 

Laut Informationen der Polizei war der 27-Jährige Free Solo in der Spitzenstätter Route (VII, 270 m) unterwegs, als er gegen 12:25 Uhr in einem steilen und leicht überhängenden Bereich der Route den Halt verlor und in die Tiefe stürzte. Nach ca. 40 Metern freien Falls schlug er auf einem Felsband am Wandfuß auf. Durch die Wucht des Aufpralls wurde Feistl in ein Altschneefeld geschleudert, auf dem er noch weitere 50 Meter abrutschte.

Erst im steinigen Bereich unterhalb des Schneefelds kam der tödlich verletzte Kletterer nach etwa 250 Metern zum Liegen. Er verstarb noch an der Unfallstelle, obwohl ein zufällig anwesendes Mitglied der Bergrettung sofort zu dem Abgestürzten abseilte. Ein alarmierter Polizeihubschrauber barg die Leiche. 

<p>Martin Feistl während der Zeit im Expedkader.</p>

Martin Feistl während der Zeit im Expedkader.

© DAV/Silvan Metz

Über Martin Feistl

Zwischen 2016 und 2018 war der herausragende Bergsteiger und Kletterer Mitglied im Expeditionskaders des Alpenvereins. Als Abschlussexpedition gelang dem damals Zwanzigjährigen gemeinsam mit drei Kameraden der Aufstieg über den Westgrat auf den Shivling (6543 m) im indischen Garwhal Himalaja.

Feistl machte auch in den Folgejahren mit zahlreichen Erstbegehungen, Expeditionen und anspruchsvollen Wiederholungen auf sich aufmerksam. Dabei war sein eigener Anspruch, eine Route stets "so sauber wie möglich" zu begehen bzw. zu erschließen. Dieses puristische Credo bescherte dem Athleten 2020 eine Erwähnung beim Piolet d'Or für die Erstbegehung von Stalingrad an der Grubenkarspitze im Karwendel.

Dabei war sich der Kletterer stets dem schmalen Grat zwischen Risiko und Mäßigung bewusst:

"Es sind diese Grenzverschiebungen, die mich immer wieder antreiben. Mit wachsender Erfahrung merke ich aber auch sehr eindrücklich, wie einerseits der Drang, an die Grenzen zu gehen, ähnlich stark bleibt, gleichzeitig aber das Ziel, ein alter Bergsteiger zu werden, eine immer größere Rolle spielt. Hier eine Balance zur inneren Zufriedenheit zu finden, wird immer mehr zur Hauptaufgabe in meinem Bergsteigerleben," schrieb er über seinen inneren Zwiespalt. 

Wir in der Redaktion sind erschüttert, dass ein weiterer junger Alpinist in den Bergen einen zu frühen Tod fand. Feistl war ein reflektierter Geist, der sich immer wieder mit durchdachten und kritischen Nachrichten bei uns zu Wort meldete. Er wird der Kletterszene fehlen.

Text von Lubika Brechtel

22 Kommentare

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Klaus Dziallas

Ja alles richtig, als ich in diesem Alter war ging es mir ähnlich. Immer wieder
eine neue Herausforderung suchen und finden . Ob es Angst oder nur Glück war wieder unbeschadet Heim zukehren , ich weiß es im meinem hohen Alter nicht. Es stimmt mich so traurig das Martin nicht wie ich das Glück hatte mit unendlichen schönen Erinnerungen alt zu werden.

Tom

Egal ob ein Alexander Huber, ein Hans-Jörg Auer oder eben ein Martin Feistl. Für mich ist es immer unverantwortlich nicht nur sich selbst sondern auch allen Menschen im Umfeld gegenüber, solche Routen free solo zu begehen. Bei allem außergewöhnichen Kletterkönnen aller genannten und weiterer reicht doch schon ein kleiner Stein oder andere Einflüsse, die der Kletterer nicht beeinflussen kann, um abzustürzen...

Aaron

Jung stirbt, wen die Götter lieben.

Florian Hausmann

Ein inspirierender und toller Mensch- mein Beileid und viel Kraft an die Angehörigen!

Kerstin 68

Es ist sehr traurig. Mensch warum sind die Menschen so verrückt und sichern sich nicht ab. Meine Gedanken sind bei der Familie.

Norbert

....als "nur" Übungsleiter Bergsteigen schreibe ich hier:

" Free solo " - Klettern inkludiert immer das Risiko des Absturzes, dass wird auch Feistl berücksichtigt haben.

Er hat sich entschieden. Und oft verzeiht das eigene Handeln am Berg keine Fehler. So wie hier.

Und: wir waren alle einmal jung und tatendurstig.

Mein Mitgefühl begleitet dennoch selbstredend seine Angehörigen.

Manfred

Ruhe in Frieden... mit den Bergen

Bergfex

Tragisch.. einfach nur tragisch..Free Solo ist eine Gratwanderung 50:50 zwischen Sein und Nichtsein... Martin hat die

Rosi

Es tut mir sehr,sehr,leid...Jung,fähig,kritisch
.mein Mitgefühl ist bei seiner Familie.
Ruhe bei Gott

Edmund F.

Immer wieder erschütternd diese Unglücke in den Bergen. Aber man muss auch sagen: Sie machen es freiwillig und kennen das hohe Risiko.

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