Wer ist der Boss?

Brixental: Traditioneller Hengstauftrieb am 26. Juni

Der Hengstauftrieb oberhalb von Kirchberg in Tirol in den Kitzbüheler Alpen gilt fast noch als Geheimtipp. Dabei ermitteln die schweren Deckhengste in einem spektakulären Kräftemessen den Leithengst für die bevorstehende Sommersaison auf der Alm.

Brixental: Traditioneller Hengstauftrieb am 26. Juni
© Monika Neiheisser

Die perfekt gestriegelten Norikerhengste fletschen die Zähne, bäumen sich auf die Hinterbeine um Macht und Größe zu demonstrieren, wiehern laut, treten mit den Hufen mal links, mal rechts. Nur wenn der Leithengst vor dem Auftrieb auf die Alm ermittelt wurde, können die Kaltblütler ihre Sommerfrische entspannt genießen. Doch nicht der Stärkste wird zum Chef gekürt, vor allem Intelligenz, Ruhe und Ausdauer zählen. Nur wer seine Kraft zielführend einsetzt, wenn es darauf ankommt und Ruhe bewahrt, wird als Leithengst von der Herde akzeptiert.

<p>Wer ist der Boss?</p>

Wer ist der Boss?

© Monika Neiheisser

Wenn im Gebirge ein Gewitter tobt, muss sich die Herde auf ihren Anführer verlassen können. Innerhalb von drei Stunden ist der Leithengst der bevorstehenden Saison ermittelt, die weitere Rangordnung tragend die Kaltblütler in den zwei Tagen danach aus, bevor es auf die Hochalm geht. Der Machtkampf auf der Niederalm der Stallbachkaralm im Brixental ist nichts für zimperliche Gesellen.

Noriker wurden ursprünglich zur Arbeit im Gebirge eingesetzt

Dabei gelten die Noriker als gutmütig, verlässlich und entspannt. Pferde, die einst vorzugsweise bei der Arbeit im Gebirge eingesetzt wurden. Heute sind sie ideale Freizeit- und Sportpferde, die sich auch von Anfänger:innen reiten lassen und die Gästekutsche zuverlässig hinter sich her ziehen, aber auch Springturniere nicht scheuen. Bevor der Kampf beginnt, muss jedes Pferd auf der Waage stehen, die sich zwischen 700 und 800 Kilo einpendelt.

<p>Der Hengstauftrieb im Brixental ist eine alte Tradition.</p>

Der Hengstauftrieb im Brixental ist eine alte Tradition.

© Monika Neiheisser

Alte Tradition wird zum modernen Fest

Vor ein paar Jahren noch wurde der Hengstauftrieb im kleinen Rahmen des Tiroler Noriker Pferdezuchtverbands und ein paar Pferdeliebhabern abgehalten, da er zur artgerechten Almhaltung gehört. Inzwischen wird das archaische Schauspiel umrahmt mit Festzeltstimmung zelebriert. Die Zuchthengste haben gerade ihre anstrengende Decksaison hinter sich. Diese findet von März bis Juni im Tal vorwiegend in der Aufzuchtstation der Landeswirtschaftlichen Lehranstalt in St. Johann in Tirol stattfindet.

<p>Das Spektakel lockt zahlreiche Gäste an.</p>

Das Spektakel lockt zahlreiche Gäste an.

© Monika Neiheisser

Bis zu vier Stuten täglich bespringen die Hengste liebestolle Stuten, denn die Noriker werden nur mit Natursprung und nicht mit künstlicher Befruchtung gezüchtet. Drei Monate dürfen sich die reinrassigen Noriker auf der vier Hektar großen Hangkoppel von Juli bis September erholen. Drei Monate genießen sie frisches Gras, die Ruhe des Landschaftsschutzgebiets und die frische Luft, damit sie so gestärkt die lange Saison im Stall gesund verbringen.

Mehr Informationen zum Hengstauftrieb

Wer das diesjährige Kräftemessen der Kaltblütler miterleben will, hat am 26.06. die Gelegenheit. Eine 1,5-stündige Wanderung führt vom Parkplatz Kirchberg/Aschau durchs abgeschiedene Spertental hinauf zur Stallbachkaralm. Wer mag, geht geführt mit Blasmusik. Mehr Informationen gibt es hier.

<p>Nicht der Stärkste wird zum Chef gekürt: Vor allem Intelligenz, Ruhe und Ausdauer zählen.</p>

Nicht der Stärkste wird zum Chef gekürt: Vor allem Intelligenz, Ruhe und Ausdauer zählen.

© Monika Neiheisser

Text von Monika Neiheisser

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