Der italienische Bergsteiger Cesare Maestri ist am 19. Januar 2021 im Alter von 91 Jahren gestorben.

War er oben - oder war er es nicht? Der Name Cesare Maestri wird wohl auf ewig mit dem Cerro Torre (3128 m) verbunden bleiben, jener steilen Granitnadel in Patagonien, deren Besteigung lange Jahre für absolut unmöglich gehalten wurde. 

Genialer Kletterer und kontroverse Persönlichkeit: Cesare Maestri ( 2. Oktober 1929 in Trient; † 19. Januar 2021 in Tione di Trento).

| © Malfer

Als Maestri verkündete, am 31. Januar 1959 zusammen mit dem Tiroler Toni Egger den Gipfel des Cerro Torre erreicht zu haben, war dies eine Weltsensation. Auskosten konnte der Italiener, der in den 1950er-Jahren von vielen als bester Felskletterer der Welt gefeiert wurde, diesen Erfolg jedoch nicht. 

Denn für seine Behauptung, den Torre erstmals bestiegen zu haben, fehlten ihm stichhaltige Beweise. Zusammen mit Toni Egger, der beim Abstieg wahrscheinlich von einer Eislawine erfasst worden war, blieb auch die Kamera mit dem angeblichen Gipfelfoto verschwunden.

Maestris Schicksalsberg: der Cerro Torre. 

Als 1974 durch Zufall sterbliche Überreste von Egger in einer Gletscherspalte auf der Westseite des Cerro Torre entdeckt wurden, geriet Maestri in weitere Erklärungsnöte; hatte er doch stets behauptet, mit seinem Seilpartner auf der Ostseite des Berges geklettert zu sein. 

Ihren ehemals ausgezeichnten Ruf in der alpinen Szene hatte die sogennante "Spinne der Dolomiten" bereits vier Jahre zuvor weitestgehend ruiniert: Mit Hilfe eines benzingetriebenen Luftkompressors und 360 gesetzten Bohrhaken "arbeitete" sich Maestri 1970 die Südwestflanke seines Schicksalsberges hinauf. 

Hängt heute noch in der Wand: der 150 Kilogramm schwere Kompressor von Cesare Maestri. 

| © Wikipedia / Kristoffer Szilas

Auf eine Besteigung des legendären Gipfeleispilzes, der den höchsten Punkt des Dreitausenders markiert, verzichtete er jedoch, da dieser seiner Meinung nach kein fester Bestandteil des Berges sei. 

Anders als gehofft, konnte sich Maestri mit seiner später als "Kompressor-Route" bekannt gewordenen Linie nicht "rehabilitieren". Im Gegenteil! Viele seiner Kritiker werteten die Aktion als weiteres Indiz dafür, dass Maestri auch 1959 den Gipfel des Torres nicht erreicht habe.

Spuren, die Maestris Version von der Erstbegehung stützen würden, konnten - trotz intensiver Suche - bis heute nicht gefunden werden. Dafür umso mehr Anhaltspunkte, die gegen die Darstellung von Maestri sprechen

Trotz hunderter von schwersten Erstbegehungen in den Dolomiten und der Brenta, viele davon im Alleingang - vom Torre wird das ehemalige Ehrenmitglied des Club Alpino Italiano und Träger des Ritterkreuzes des Verdienstordens der Italienischen Republik auch nach seinem Tod nicht mehr loskommen.

1 Kommentar

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etna

Der Cerro Torre und Cesare Maestri bleiben für immer verbunden. Die Geschichte der Erstbesteigung(en) lesen sich wie ein alpiner Krimi.
Maestri, als einer der weltbesten Kletterer seiner Zeit, war aber auch ein Abenteurer. Sich damals dem Cerro Torre auch nur zu nähern ist nicht zu vergleichen mit heute.
Zu der Wahnsinnstat "Kompressorroute" hat ihn auch die Presse und die Öffentlichkeit getrieben, das muß man auch berücksichtigen.
Für mich bleibt Maestri als Kletterer und Alpinist nach wie vor ein Idol, heutigen Berufskletterern meilenweit voraus.
Cesare Maestri - Ruhe in Frieden!