Am 3. April 2006 bricht die österreichische Profibergsteigerin zum vierthöchsten Berg der Erde, den Kangchendzönga in Nepal, auf. Sie will den 8.586 Meter hohen Himalaja-Riesen im Alpinstil über die Route der Erstbegeher an der Südseite des Berges erreichen.

Auf dem Weg nach Nepal: Gerlinde Kaltenbrunner. Bild: Ralf Dujmovits.
Auf dem Weg nach Nepal: Gerlinde Kaltenbrunner. Bild: Ralf Dujmovits.

Bereits zum zweiten Mal startet die oberösterreichische Höhenbergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner zum Kangchendzönga oder "Kantsch" im Osten Nepals, um eine Besteigung des mächtigen Riesen zu versuchen.

Das Expeditionsteam wird etwa Mitte April 2006 im südseitigen Basislager am Fuß des Berges auf 5.400 Meter anlangen. Zur Akklimatisierung besteigt die Extrembergsteigerin mit ihrem Expeditionsteam den 7.353 Meter hohen Kabru oder den 7.349 Meter hohen Mt. Talung, die beide vom Basislager aus erreicht werden können.

"Ehrlichste Form des Bergsteigens"

Der Gipfelversuch am Kangchendzönga über die anspruchsvolle Route der Erstbegeher erfolgt im Alpinstil - keine Fixseile, die bereits im Vorfeld an schwierigen Passagen eingebracht werden, keine Hochträger, kein zusätzlicher, künstlicher Sauerstoff.

"Der Alpinstil ist für mich die schönste und ehrlichste Form des Bergsteigens. Sobald das Wetter es zulässt, beginnt der Aufstieg ohne vorherige Erkundungstouren, oder bereits eingerichtete Hochlager. Biwaks im Auf- und Abstieg sind vorgesehen", gibt die 35-jährige Einblick in ihre Bergphilosophie.

Nach der Besteigung am Kangchendzönga - übersetzt die "Fünf Schatzkammern des großen Schnees" - plant sie eine Besteigung des 8.501 Meter hohen Lhotse im Everestgebiet des Himalaja.

Das Expeditions-Team

Gerlinde Kaltenbrunner im Aufstieg am Gasherbrum I auf 7000m nach Lager III. Bild: Ralf Dujmovits.
Gerlinde Kaltenbrunner im Aufstieg am Gasherbrum I auf 7000m nach Lager III. Bild: Ralf Dujmovits.

Mit acht bestiegenen Achttausender-Hauptgipfeln und insgesamt zehn Gipfeln über 8.000 Meter ist Gerlinde Kaltenbrunner die derzeit weltweit erfolgreichste Höhenbergsteigerin. Ihr Ziel ist es, in den kommenden Jahren alle vierzehn Achttausender-Hauptgipfel der Erde im Alpinstil zu besteigen.

Mit im Team sind Deutschlands erfolgreichster Höhenbergsteiger und Lebens- und Bergpartner von Gerlinde Kaltenbrunner, Ralf Dujmovits, der Japaner Hirotaka Takeuchi, und der finnische Spitzenbergsteiger Veikka Gustafsson.

2003 startete Gerlinde Kaltenbrunner gemeinsam mit Ralf Dujmovits ihren ersten Versuch am Kangchendzönga über die Nordseite des Berges - eine der größten Massenerhebungen der Erde. Nach zweimonatigem Warten auf ein Wetterfenster musste dieser aufgrund schwieriger Wetterbedingungen auf 7.200 Metern abgebrochen werden.

Der Berg

Der Kangchendzönga wurde nach mehrmaligen Gipfelversuchen seit der Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrhundert durch eine britische Expedition unter der Leitung von Charles Evans 1955 über die Südseite erstbestiegen.

Seit damals betraten nur 196 Menschen den Gipfel des Kangchendzönga. Am höchsten Punkt der Erde, dem Mount Everest, standen vergleichsweise 2.500 Bergsteiger und Bergsteigerinnen.

8.000er Hauptgipfel von Gerlinde Kaltenbrunner

  • 1994: Broad Peak (Vorgipfel, 8.041 m)
  • 1998: Cho Oyu, Nepal / Tibet (West, 8.201m)
  • 2000: Shisha Pangma, Tibet (Central Gipfel, 8.008m)
  • 2001: Makalu, Nepal (8.463m)
  • 2002: Manaslu, Nepal (8.163m)
  • 2003: Nanga Parbat, Pakistan (Kienshofer Route, Diamirflanke, 8.125m)
  • 2004: Annapurna I (Franzosenroute, 8.091m)
  • 2004: Gasherbrum I, Nepal (Japanercouloir, 8.068m)
  • 2005: Shisha Pangma, Tibet (8.013m über die Südwand)
  • 2005: Gasherbrum II, Pakistan (8.035m)

In ALPIN 04/06 hat Nathalie Steinlechner die Profisportlerin ausführlich porträtiert. Zur Einzelheftbestellung . Weitere Informationen:

www.gerlinde-kaltenbrunner.at

www.amicalalpin.de

Gerlinde Kaltenbrunner über ihren Erfolg am Gasherbrum II