Andrea Rudolf war für ALPIN bei der Vorstellung der rund zweistündigen Kino-Produktion dabei.

"Ich hoffe Euch gefällt der Film. Die Bergaufnahmen vom Himalaya sind fantastisch.“ So begrüßt uns Hans Kammerlander auf der Premiere des Films „Manaslu – Berg der Seelen“.

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Ein Film, der die Lebensgeschichte des heute 62jährigen Extrembergsteigers erzählt. Doch man sollte keine trockene Dokumentation erwarten. Regisseur Gerald Salima hat es geschafft eine authentische Biographie zu drehen.

Video: Der offizielle Trailer zum Film.

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Angereichert mit packenden Spielfilmszenen sowie sehr ruhigen Anteilen, in denen der Protagonist im Interview mit Star-Regisseur Werner Herzog ehrlich die Hintergründe hinter den Fakten beleuchtet. Der Film zeichnet das Portrait eines Mannes, der sein Leben den Bergen verschrieben hat, der große Triumphe feierte, aber auch schmerzliche Verluste und echt Tragödien erleben musste.

Aufgewachsen im Südtiroler Ahrntal, als Sohn von armen Bergbauern, lernt Hans von klein auf Ausdauer, Disziplin und Willensstärke. Eigenschaften, die ihn prägen und sein Leben lang begleiten. Als er in der heimischen Stube am Radio mit der Erstbesteigung einer sächsischen Seilschaft auf die große Zinne in den Dolomiten mitfiebert, wächst in ihm der Wunsch Berge zu besteigen. "I mag amal klettern". 

Gute Freunde: Hans Kammerlander mit Star-Regisseur Werner Herzog.

| © Planet Watch

Man begleitet ihn auf dem Weg vom Bergführer ohne Aufträge, der als Kranführer und weiterhin auf dem heimischen Hof arbeitet, zum jungen, wilden Kletterer, auf den schließlich auch Reinhold Messner aufmerksam wird. Messner sieht das Potential und nimmt ihn auf einige seiner Achttausender-Unternehmungen mit. Insgesamt sieben der 14 Achttausender besteigen sie gemeinsam – dann machte Kammerlander allein weiter und verfolgte eigene Projekte. 

1996 feiert er seinen größten Erfolg. In 16 Stunden und 40 Minuten steigt er über die Nordroute ohne Sauerstoff auf den Mount Everest auf und fährt ihn anschließend mit den Skiern ab. Sein Speedrekord, der bis heute ungebrochen ist, und die erste Skiabfahrt vom höchsten Berg der Erde machen ihn weltberühmt. Kammerlander wird zum Superstar. Und ist nicht zu bremsen.

Der Regisseur hat dafür ein ganz besonderes Bild gewählt. Während seines Aufstiegs sieht man immer wieder buddhistische Mönche, die aus gefärbtem Sand in Stunden mühevoller Arbeit ein kunstvolles Mandala herstellen. Ein Prozess der Stunden um Stunden dauert, und dann durch eine Handbewegung zerstört wird. Ein tragischer Unfall im Jahr 2013 beendet seine kometenhafte Karriere. Er fährt betrunken, ein junger Mann stirbt. Die Öffentlichkeit lässt ihn fallen. Er zieht sich zurück. Verfolgt andere Projekte.

Voller Saal, volle Bühne: Bei der Premiere von "Manaslu - Berg der Seelen".

| © Andrea Rudolf

In einer der Interview-Szenen mit Werner Herzog fragt er: "Warum bin i no da und so viele meiner Freunde sind tot?“ Der tragische Verlust zwei seiner besten Freunde innerhalb weniger Stunden 1991 am Manaslu war wohl der schmerzhafteste Verlust seines Lebens. Ein Freund stürzt aus ungeklärten Gründen ab, der andere wird neben ihm vom Blitz erschlagen. Er selbst überlebt das Gewitter nur knapp, dem Wahnsinn nahe. Danach sagt er, habe er „die Berge als Feind gesehen". 

MAKING OF MANASLU Gasherbrum from Gerald Salmina on Vimeo.

Video: Impressionen von den Dreharbeiten im Himalaya.

Er zieht sich zurück. Heute, 27 Jahre später sagt er, es wäre besser gewesen damals nicht den Kopf einzuziehen, sondern darüber zu sprechen, doch die Erinnerung und der Verlust sitzen tief. 2017 kehrt Hans zusammen mit dem erfahrenen Höhenbergsteiger Stephan Keck zurück. Zum Manaslu – seinem Schicksalsberg. Auch Keck hat eine besondere Beziehung zu diesem Berg. 

2012 wurde er als Expeditionsleiter Zeuge und Ersthelfer einer Lawinenkatastrophe, in der zwölf Menschen ihr Leben ließen. Beide Männer verbindet ihre tiefe Liebe zum Land Nepal, zu den Menschen, beide engagieren sich dort sozial. Im Herbst 2017 brechen sie auf, um den 8163 Meter hohen Gipfel des Manaslu zu besteigen und auf einer neuen Route mit den Skiern abzufahren. Vergangenheitsbewältigung. Einen Abschluss suchen.

ALPIN-Redakteurin Andrea Rudolf im Gespräch mit Hans Kammerlander.

Der Film erzählt die Geschichte eines des größten Bergsteigers unsere Zeit. Wertfrei versucht der Regisseur zu hinterfragen, was diesen Menschen trotz aller Tragödien immer wieder in die Berge treibt und findet in seinen Interviewszenen darauf schöne Antworten. "Ich passe eben in keine Schablone", sagt Hans zum Schluss. 

Recht hat er. Ein sehr bewegendes Portrait – authentisch, bildgewaltig und unaufgeregt ehrlich. Absolut sehenswert.

Ab 14. Dezember ist "Manaslu - Berg der Seelen" in Österreich und Südtriol in den Kinos zu sehen, ab 03. Januar 2019 dann in Deutschland.

Text von Andrea Rudolf

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2 Kommentare

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mannisch

Komme gerade aus dem Kinosaal, absolut sehenswert!

Weigel, Klaus

Hans Kammerlander ist ein toller Typ. Er ist vor allem immer fest mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben, er ist nicht abgehoben. Ich habe ihn selbst mehrere Male in Südtirol bei von ihm geführten Wanderungen kennen- und schätzen gelernt. Eine beeindruckende aber immer bescheidene Figur.