Vor 135 Jahren schrieb Johann Grill (1835-1917) in der mächtigsten Wand der Ostalpen ein Stück Alpingeschichte.

Die Watzmann-Ostwand gilt mit einer Wandhöhe von 1800 Metern als die größte Felswand der Ostalpen. Ihre Durchsteigung ist noch immer die Paradetour am Watzmann, und bleibt trotz moderater Kletterschwierigkeiten eine äußerst ernste Angelegenheit:

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Über 100 Menschen haben diese Herausforderung seit 1881 mit dem Leben bezahlt - weit mehr als in der Eiger-Nordwand.

"Die größten Probleme in der Ostwand sind die Orientierungund objektive Gefahren wie Steinschlag. Und wenn von Westen her ein Gewitter aufzieht, dann sieht man es nicht. Da gehst du auf einmal durch Sturzbäche, wo vorher allestrocken war", erläutert Hubert Heil. 

Der 81-Jährige kennt sich aus mit den Gefahren der Wand. Als Polizeibergführer und Bergretter hatte es der geborene Mittenwalder jahrzehntelang mit den Opfern dieses mythischen "Schicksalsberges" zu tun.

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"Der hundertste Tote war für uns kein Jubiläum, sondern ein trauriger Anlass" erinnert sich Heil in unserer großen Watzmann-Titelstory in ALPIN 07/2015

Johann Grill, besser bekannt als der Kederbacher, gehört nicht dazu. Am 18.06.1881 schrieb der Holzknecht und Bergführer Alpingeschichte, als er zusammen mit dem Wiener Alpinisten Otto Schück erstmals durch die Ostwand stieg.

Rund 14 Stunden benötigten die beiden Berg-Pioniere vor 135 Jahren für ihre Meisterleistung. Die aktuelle Bestmarke liegt bei 2 Stunden, 2 Minuten und 53 Sekunden. Philipp Reiter und Martin Schidlowski gelang diese Fabelzeit am 27. August 2015.

Apropos Rekorde: Keiner hat die Watzmann-Ostwand so oft durchstiegen wie Heinz Zembsch. Über 410 Mal kletterte der Berchtesgadener Bergführer durch das vertikale Felsenlabyrinth.

Und Kederbacher? Der blieb dem Watzmann Zeit seines Lebens verbunden. Nicht nur als Bergführer, sondern auch als der erste Hüttenwirt des Watzmannhauses, das er 17 Jahre lang bewirtschaftete.

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