Alpinist, Bergführer, Ausbilder und Buchautor

Vittorio Messini im Interview: "Ich war nie mit großem Risiko unterwegs"

Von Florenz nach Osttirol: Vittorio "Vitto" Messini ist Bergführer, Bergretter, Ausbilder, Buchautor und Alpinist. Ein Gespräch über die Psychologie des Führens, südländisches Temperament und das unheilbare Infiziert-Sein mit dem Virus namens "Bergsport".

Tausendsassa Messini ist nicht nur Bergführer sondern auch: Bergretter, Ausbilder, Buchautor und Alpinist.
© Christian Riepler

Vitto, du wurdest in Florenz geboren und bist als Kind nach Kals gezogen. Wie hat dich das geprägt?

Ehrlich gesagt habe ich damals nicht viel mitentschieden. (lacht) Meine Eltern – mein Vater ist Forstwirt, meine Mutter Frisörin – haben beschlossen, dass sie nach Österreich ziehen wollen. Da ich von den Ausflügen in die Apenninen schon mit dem Bergvirus infiziert war, war ich nicht allzu unglücklich. Aber es war schon ein harter Weg. Ich konnte ja gar kein Deutsch – und dann noch der starke Dialekt. Das war eine richtige „Watschn“. Weg von Florenz und unserem kleinen Bauernhof mit Oliven. Aber ich habe mich durchgebissen.

Wann kommt noch das typisch italienische Temperament in dir zum Vorschein?

Geblieben ist vor allem das Verlangen, nach Italien zu fahren, und dass ich mit Gästen gerne in die Dolomiten gehe. Dort gefällt es mir immer sehr, vielleicht deshalb? Mit meinen Kindern spreche ich Italienisch, auch das ist mir wichtig. Aber was das Temperament angeht, fühle ich mich nicht als typischer Südländer. Geschrei und wilde Gestik gibt es bei mir nicht, dafür gutes Essen und guten Wein.

Hast du mal überlegt, mit deiner Familie zurückzuziehen?

Nein, nie. Italien bietet für Familien nicht so gute Rahmenbedingungen wie Österreich. Es gibt keine Kinder- oder Familienbeihilfe, schon gar nicht, wenn man wie ich selbstständig ist. Auch meine Eltern sind ein wichtiger Grund, weshalb ich mir die Rückkehr nicht vorstellen kann.

<p>Die ALPIN-Redakteurin hat Vitto als sehr angenehmen Gesprächspartner erlebt. Bei der Glocknerwand-Überschreitung, die am Tag nach dem Gespräch stattfand, war sie beeindruckt von seiner Empathie als Bergführer. </p>

Die ALPIN-Redakteurin hat Vitto als sehr angenehmen Gesprächspartner erlebt. Bei der Glocknerwand-Überschreitung, die am Tag nach dem Gespräch stattfand, war sie beeindruckt von seiner Empathie als Bergführer. 

© Christian Riepler

Du hast vorhin erwähnt, dass du schon als Kind vom "Bergvirus" infiziert wurdest. Wo genau hat er dich erwischt?

Ein Schlüsselerlebnis war meine erste Glocknerbesteigung im Alter von zehn Jahren. Damals, 1998, war ich mit meinem Vater im Urlaub in Heiligenblut und er hat kurzerhand einen Bergführer gebucht, der uns hinaufgeführt hat. Ich war absolut fasziniert, denn ich hatte so etwas noch nie erlebt oder gesehen. Wie auch, ohne Instagram und Co. Ich war so begeistert von diesem Erlebnis und der Souveränität des Bergführers, dass ich mir vornahm: ‚Das will ich auch können.‘

Das ganze Gespräch mit ALPIN+ lesen

Text von Lubika Brechtel

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