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Die 17 berühmtesten Kletterrouten der Welt
Der Petit Dru im Mont-Blanc-Massiv gilt als Symbol des Alpinismus. Nach der Erstbesteigung 1879 und Bonattis legendärer Solotour 1955 prägten massive Felsstürze in den 1990er- und 2000er-Jahren das Bild der Westwand – der berühmte Bonatti-Pfeiler existiert in der alten Form heute nicht mehr.
An seine Stelle trat die Lafaille-Route, 2001 von Jean-Christophe Lafaille solo eröffnet. 2025 gelang Leo Billon und Enzo Oddo die erste freie Begehung (8b+). Damit bleibt der Petit Dru ein Ort, an dem Alpingeschichte und moderne Spitzenkletterei aufeinandertreffen.
Die Nordwand des Matterhorns war 1931 die erste der großen Nordwände der Alpen, erstbegangen von Toni und Franz Schmidt. Sie gilt als historische Herausforderung des Alpinismus – steil, ausgesetzt und von unberechenbaren Bedingungen geprägt. Legendär sind Solobegehungen wie jene von Walter Bonatti (1965), die den Mythos der Wand weiter verstärkten.
Das Matterhorn selbst wurde durch ikonische Bilder und Filme weltweit zum Symbol des Bergsteigens. Besonders die Nordwand mit ihrer markanten Silhouette über Zermatt zählt zu den berühmtesten Fotomotiven der Alpen. Bis heute zieht sie Alpinisten aus aller Welt an.
Der Walkerpfeiler ist auch heute noch eines der begehrtesten Ziele für den extremen Bergsteiger. Der Walkerpfeiler bildet mit Eiger Nordwand und Matterhorn Nordwand auch die drei großen Nordwände der Alpen Erstbegangen 1938 von Riccardo Cassin, Luigi Esposito und Ugo Tizzoni, gilt der Pfeiler als extrem anspruchsvoll. Technische Schwierigkeiten, Exposition und die Länge der Wand machen jede Begehung zu einem alpinen Abenteuer.
Zusammen mit Ludwig Vörg, Fritz Kasparek und Heinrich Harrer knackt Anderl Heckmair im Juli 1938 das "letzte ungelöste Problem der Alpen". Er durchsteigt die Eiger-Nordwand – ein 1800 Meter hohes Schild aus steilem Fels und Eis. Die "Heckmair-Route" ist auch heute noch eine der am häufigsten gekletterten Routen durch die Eiger-Nordwand. Hinterstoißer-Quergang, Todesbiwak, Götterquergang und weiße Spinne sind Begriffe, die weit über die Kletter-Community hinaus Berühmtheit erlangt haben.
Mit der Direttissima an der Nordwand der Großen Zinne lieferte Lothar Brandler im Juli 1958 sein Meisterstück ab. Zusammen mit Dietrich Hasse, Jörg Lehne und Sigi Löw kletterte er in vier Tagen auf direktem Weg durch die 550 Meter hohe Nordwand.
Die "Hasse-Brandler", heute mit UIAA 8+ (franz.: 7a+) bewertet, galt lange Zeit als eine der schwierigsten Kletterrouten im gesamten Alpenraum. 2002 gelang Alexander Huber die erste Free-Solo-Begehung. Als kletternder Kameramann sorgt Brandler für Meilensteine der Bergfilmgeschichte.
The Nose ist eine der bekanntesten Big-Wall-Routen weltweit. Erstbegangen wurde sie 1958 durch Warren Harding, Wayne Merry und George Whitmore. Für Jahrzehnte war sie eine der ultimativen Herausforderungen im Yosemite Valley. Berühmt wurde die Route auch durch Lynn Hill, die 1993 als erste die gesamte Route frei kletterte und damit die Klettergeschichte prägte. Heute gilt The Nose als Klassiker, den Generationen von Kletterern wiederholen.
Der Frêneypfeiler am Mont Blanc zählt zu den schwierigsten alpinen Routen. Erstbegangen wurde er 1961 von Don Whillans, Jan Dlugosz und Ian Clough. Der Pfeiler erfordert lange Ausdauer, präzise Technik und absolute Sicherheit im alpinen Gelände. Chris Bonington wiederholte die Route 1962 und unterstrich damit den Status des Pfeilers als alpines Schwergewicht.
Vor 45 Jahren eröffneten Helmut Kiene und Reinhard Karl (der übrigens ein Jahr später als erster Deutscher den Mount Everest erreichte) die erste Kletterroute im siebten Schwierigkeitsgrad (franz.: 6b+): "Pumprisse" am Südostpfeiler der Fleischbank im Wilden Kaiser ist eine 300 Meter lange Risskletterei. Nach der Erstbegehung wurde die da dahin sechstufige UIAA-Schwierigkeitsskala nach oben geöffnet.
Die Route Separate Reality im Yosemite Valley ist vor allem durch ihre spektakulären Free-Solo-Begehungen berühmt geworden. Erstbegangen wurde sie 1978 von Ron Kauk und gilt mit ihrem überhängenden Riss als eine der technisch anspruchsvollsten Linien weltweit. Legendär sind die Free-Solo-Begehungen: Wolfgang Güllich, Dean Potter und Heinz Zak bezwangen die Route ohne Seil und machten damit Separate Reality zu einem Mythos im Klettersport.
Ab Anfang der 1980er Jahre bis zu seinem Unfalltod 1992 zählte Wolfgang Güllich (hier in der Route "Magnet" zu sehen) zu den besten Kletterern der Welt. Seine legendäre Route "Action Directe" im Frankenjura eröffnete den 11ten Grad (franz.: 9a), für den sie mittlerweile als Referenz gilt.
Seit der Erstbegehung 1991 wurde "Action Directe" keine 30 Mal wiederholt - zuletzt 2020 von der ersten Frau, der Französin Melissa Le Nevé. Da die Route sehr fingerlastig ist, entwickelte Güllich für sein Training das Campusboard.
1994 entstanden gleich drei Erstbegehungen im 10 Grad (franz.: 8b ): Thomas Huber gelang "End of Silence" am Feuerhörndl in den Berchtesgadener Alpen, Beat Kammerlander durchstieg die Route "Silbergeier" im Rätikon und Stefan Glowacz zog einen Schlussstrich unter sein Langezeitprojekt "Des Kaisers neue Kleider" am Fleischbankpfeiler im Wilden Kaiser.
Die drei Extremkletterrouten gelten als Meilenstein im Sportklettern und gingen als "Alpen Trilogie" in die (Kletter)-Geschichtsbücher ein. 2012 kletterte Babsi Zangerl als erste Frau alle drei Routen frei.
2001 durchstieg der US-Amerikaner Chris Sharma mit "Realization"im französischen Céüse Rotpunkt die weltweit erste Route im Grad 11+ (franz.: 9a+). Lange galt die Route als die schwierigste der Welt. Sharma verlängerte für sein Projekt die von Arnaut Petit erstbegangene "Biographie". Bisher konnten 14 Kletterer "Realization" wiederholen, darunter Alexander Megos, Adam Ondra und Margo Hayes als erste Frau.
Lange ist es her, dass der damals relativ unbekannte Ötztaler Hansjörg Auer die 1220 Meter lange Route "Weg durch den Fisch" an der Marmolata-Südwand in weniger als drei Stunden Free Solo durchstieg. Die 37 Seillängen lange Route ist mit einer UIAA 9- (franz.: 7b+) bewertet und gehört immer noch zu den anspruchsvolleren Routen in den Alpen. Nach eigenen Angaben hatte Auer sich lediglich am Tag zuvor einmal in die Route abgeseilt, um die einzelnen Abschnitte zu inspizieren.
Spätestens seit dem 24. März 2013 ist Alexander Megos eine feste Größe in der Kletterszene. Im spanischen Siurana schafft der damals erst 19-Jährige mit "Estado Critico" die weltweit erste Onsight-Begehung einer Route im 11. Grad der UIAA Skala (franz.: 9a). Inzwischen ist der Erlanger bekannt für seine Wiederholungen von extrem schweren Felskletterrouten bekannt.
Die "Dawn Wall" am El Capitan gilt als die wohl schwierigste Mehrseillängenroute der Welt. Die Erstbegehung im Freiklettern gelang 2015 Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson nach 19 Tagen intensiver Arbeit an der Wand. Über 30 Seillängen mit extremen Überhängen und winzigen Griffen stellen die Kletterer vor physische und mentale Höchstleistungen.
Berühmt wurde die Wand auch durch den internationalen Medienrummel: Kamerateams begleiteten die Begehung, die Geschichte wurde in Magazinen wie National und später in einem Film dokumentiert. Der mediale Hype machte die Dawn Wall über den Klettersport hinaus bekannt und zu einem globalen Symbol für Extrem-Big-Wall-Klettern.
Der Tscheche Adam Ondra gehörte bereits im Alter von 13 Jahren zur Kletter-Weltspitze. Mit der Erstbegehung der extrem überhängenden Route "Silence" in einer Höhle bei Flatanger (Norwegen) gelang ihm 2017 ein Durchbruch in der Geschichte des Sportkletterns: eine 12 auf der UIAA-Skala (franz.: 9c). "Silence" ist damit eine der schwersten Routen der Welt.
Der El Capitan ist zweifelsohne eines der berühmtesten Kletterziele. Seit den 1960er Jahren pilgern Freikletterer aus aller Welt ins Yosemite Valley. Die Erstbegeher des "El Cap" verbrachten im Jahr 1958 noch 45 Tage in der Wand. Heute schaffen es die meisten Kletterer in weniger als fünf Tagen.
Der amerikanische Free-Solo-Kletterer Alex Honnold erklomm den Gipfel am 3. Juni 2017 über die Route "Freerider". Das Besondere: Honnold kletterte Free Solo in unter vier Stunden. Der Film über den Alleingang gewann 2019 den Oscar als bester Dokumentarfilm.
















