Kritische Lage im Alpenraum

Lawinenwarnstufe 4: Große Lawinengefahr in den Hochlagen der Bayerischen Alpen

Die Lawinengefahr in den bayerischen Alpen hat ein kritisches Niveau erreicht. Regen bis fast 1800 Meter, starker Wind und Neuschnee destabilisieren die Schneedecke zunehmend. Der Lawinenwarndienst Bayern warnt eindringlich vor Touren im freien Gelände.

Viele Variantenabfahrten sind derzeit gesperrt und sollten auch beachtet werden.
© IMAGO / ActionPictures

Große Lawinengefahr in mehreren bayerischen Gebirgsgruppen

In den Hochlagen Werdenfelser Alpen, den Berchtesgadener Alpen und den Allgäuer Alpen gilt aktuell die Warnstufe 4 von 5. Oberhalb von 2000 m ist die Situation besonders kritisch, darunter wird sie weiterhin als erheblich eingestuft.

Der Lawinenwarndienst Bayern beschreibt die Lage als hochdynamisch: "Lawinen lösen sich von selbst." Durch ergiebigen Regen bis fast 1800 m dringt Feuchtigkeit tief in die Schneedecke ein. In mittleren Lagen können sich Nassschneelawinen jederzeit spontan lösen, ohne Vorwarnung und mit erheblicher Zerstörungskraft.

Neuschnee, Wind und instabile Schichten verschärfen die Situation

Das Hauptproblem ist laut Lawinenwarndienst der angekündigte Neuschnee. Die Experten berichten, dass viele Selbstauslösungen von trockenen Schneebrettlawinen zu erwarten seien. Diese könnten in den Hochlagen groß werden, da der frische Schnee auf bereits mächtigen und störanfälligen Triebschneepaketen liegt.

Der starke Westwind verfrachtet den Neuschnee zusätzlich und lagert ihn auf Schwachschichten ab, die aus Graupel, Oberflächenreif oder kantigen Kristallen bestehen. Oberhalb von 1800 m finden sich schattseitig tief liegende Schwachschichten, die als besonders heikel gelten.

Nassschnee und Gleitschnee: Gefahr auch in mittleren Lagen

Neben dem trockenen Schneebrettproblem bleibt Nassschnee ein zentrales Risiko. Durch den Regeneintrag sind in mittleren Lagen Gleitschneelawinen aus sehr steilem Gelände mit glattem Untergrund möglich. Aus felsdurchsetztem Steilgelände können zudem nasse Lockerschneelawinen abgehen.

Der Lawinenwarndienst warnt: Nassschneelawinen seien an allen bisher nicht entladenen Hängen bis etwa 1800 m zu erwarten und könnten mittlere Größe erreichen. Offene Schneemäuler gelten als deutliche Warnsignale. Auch exponierte Verkehrswege könnten betroffen sein

Experten raten dringend von Touren im freien Gelände ab

Christoph Hummel vom Lawinenwarndienst Bayern betont im BR24-Interview, dass er derzeit selbst nicht in die Berge gehen würde. Abseits der gesicherten Pisten herrsche Lebensgefahr. Einzelne Wintersportler könnten Lawinen auslösen, insbesondere an steilen, windbeeinflussten Hängen.

Skifahren auf präparierten Pisten bleibt laut BR24 unbedenklich, da lokale Lawinenkommissionen für Sicherheit sorgen. Touren im freien Gelände sollten jedoch unbedingt vermieden werden. Erst mit dem angekündigten Hochdruckwetter ab der Wochenmitte soll die Lawinengefahr langsam zurückgehen.

Text von Robert Scheitzeneder

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