Wir sagen Ihnen, worin sich Smartwatches, GPS-Sportuhren, Aktivitäts-Tracker und Fitness-Armbänder unterscheiden.

Elektronik wird immer leistungsfähiger, gleichzeitig lassen sich immer mehr Funktionen auf immer weniger Raum unterbringen. Da verwundert es nicht, dass gerade Uhren fürs Handgelenk über die Pulsanzeige und GPS-Chips hinaus stetig neue Funktionen bekommen und intelligenter – auf Neudeutsch: smarter – werden.

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Diese Begrifflichkeit spiegelt sich in der Bezeichnung einer ganzen Produktkategorie wider, nämlich der Smartwatch. Im engeren Sinn aber stellen Smartwatches analog zu den Smartphones Mini-Computer dar, mit denen man über Apps zum Nachinstallieren prinzipiell fast alles machen kann: vom Mail-Lesen bis zum Musikhören.

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Man sollte nicht immer nur auf die Uhr schauen, sondern auch die Schönheit der Berglandschaft wahrnehmen.

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Wearables: Alles, was man trägt

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Bei Outdoor-Aktivitäten sind solche Funktionen nur bedingt nützlich, da rücken ganz andere Dinge in den Fokus. Dazu zählen die klassische Höhenmessung, die Darstellung von Landkarten, Sportfunktionen wie Herz- und Trittfrequenz, Geschwindigkeit und Aktivitätsprofile, GPS-Funktionalität wie aktuelle Position, Routenberechnung und das Aufzeichnen von Touren-Tracks.

Realisiert wird dies alles wiederum über zwei unterschiedliche Ansätze. Da sind zum einen die sogenannten Fitness-Armbänder oder Aktivitäts-Tracker, zum anderen die "intelligenten" Sport- und GPS-Uhren. Unterschiede zwischen beiden Produktkategorien zeigen sich nicht nur in der Bauform – die einen haben eher die Form eines Armbandes, die anderen die einer Uhr mit separatem Armband –, sondern auch hinsichtlich der verbauten Technik und damit der Möglichkeiten.

Smartwatch Fitness- bzw. Aktivitäts-Tracker Einfache GPS-Sportuhr Intelligente GPS-Sportuhr
Preisbereich (UVP) ca. 200 – 600 Euro ca. 60 – 200 Euro ca. 100 – 250 Euro ca. 250 – 500 Euro
Primärer Einsatzzweck Ersetzt und erweitert die Smartphone-Funktionen Schritt- und Kalorienzähler, soll zu Bewegung motivieren GPS-Funktionen und -Tracking, einfache Sportfunktionalität Viele GPS- Funktionen, teilweise inkl. Navigation, Karten- darstellung und Smartwatch-Funktionen
Typische Akkulaufzeit 1 – 3 Tage 1 Woche – 1 Jahr Mehrere Wochen, im GPS-Betrieb max. ein Tag Mehrere Wochen, im GPS-Betrieb max. ein Tag
Herzfrequenz- messung optisch am Handgelenk optisch am Handgelenk meist per Brustgurt optisch oder per Brustgurt
Wasser- dichtigkeit meist nur bedingt überwiegend überwiegend überwiegend
GPS- Unterstützung nein meist nein ja ja
App- Unterstützung ja meist ja meist nein teilweise
Anmerkungen Nur zusammen mit einem Smartphone einsetzbar Eignet sich nur fürs Gehen/Laufen, Strecken- messung ungenauer als per GPS-Messung Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, ideal auch für Einsteiger Bietet viele Funktionen, ersetzt dennoch nicht ein vollwertiges GPS-Gerät

GPS-Chip versus Sensoren

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Die Smartwatch ZenWatch 2 von Asus läuft auf Android-Basis und kann viel mehr als nur die Uhrzeit anzuzeigen. Für den Outdoor-Einsatz eignet sie sich dagegen kaum.

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Während moderne Sportuhren überwiegend mit einem GPS-Chip ausgestattet sind und sich damit besonders für Außenaktivitäten eignen, stecken in den Trackern meist Beschleunigungssensoren. Diese sind mit typischen Bewegungsmustern beim Gehen hinterlegt, sie zählen also Schritte im Alltag und berücksichtigen im Idealfall zudem "besondere Belastungen" wie das Treppensteigen.

Im Vordergrund stehen dabei die Bewegungsmotivation und die Kontrolle, wie viele Schritte man an einem Tag so zurücklegt und wie viele Kalorien dabei verbrannt wurden. Für andere Sportarten wie z. B. Radfahren sind sie völlig ungeeignet. Alles, was man draußen absolviert, lässt sich meist nicht nur genauer per GPS messen, über das Aufzeichnen der jeweiligen Standort- und Höhenangaben bekommt man auch viele zusätzliche Informationen.

Dafür bieten Fitness- und Aktivitäts-Tracker zum Teil Batterielaufzeiten bis zu einem Jahr, während eine Uhr im GPS-Betrieb höchstens 24 Stunden durchhält. Ganz so starr ist die Produktabgrenzung allerdings nicht mehr, weil erste Tracker ebenfalls über GPS und Barometer verfügen und somit auch draußen ihren Dienst verrichten. Ein Beispiel ist das bisher in Deutschland nicht lieferbare Armband "Band 2" von Microsoft.

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Einfache Aktivitäts-Tracker dienen als Motivationshilfe für Bewegungsmuffel. Das "Band 2" von Microsoft jedoch ist dank GPS-Chip und diverser Sensoren fast eine vollwertige Sportuhr.

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Umgekehrt statten die Hersteller von GPS-Uhren ihre hochwertigen Modelle ebenfalls mit Bewegungssensoren aus oder erlauben, sie per Bluetooth-Funkverbindung mit den Sensoren im Smartphone zu koppeln. So werden die beiden unterschiedlichen Welten schießlich wieder zusammengeführt.

Persönliche Vorlieben

Die unterschiedliche Mess- und Sensortechnik stellt das wichtigste Kriterium für Einsatzzweck und -art dar. Verfügt eine Uhr über ein Funkmodul, lässt sie sich zudem mit einem Smartphone koppeln, sodass die Uhr beispielsweise neue E-Mails oder eingehende Telefonanrufe anzeigt. Zwar kann man mit der Uhr nicht alles so erledigen wie mit dem Telefon, so hat man aber doch wichtige Infos im Blick, ohne dass man erst mühsam sein Smartphone herauskramen muss.

Umgekehrt lassen sich die Daten aus der Uhr und aus weiteren Sensoren (Handy, Tritt- und Herzfrequenz, Actioncam, GPS-Gerät) per Smartphone-App zusammenführen und über die Mobilfunkverbindung sofort im Internet speichern.

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Ab ca. 150 Euro gibt es einfache GPS-Sportuhren. Das abgebildete Modell M400 von Polar zeigt Strecke, Tempo, Höhe, Training und manches mehr auf dem Display.

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Etabliert als Funkstandard hat sich hier Bluetooth 4.0 (auch Bluetooth Smart oder Bluetooth Low Energy/LE genannt), nur Garmin setzt teilweise weiter auf sein eigenes Protokoll ANT+. Wichtig ist ferner, dass die Smartphone-Apps meist nur für Android und iOS bereitstehen. Besitzer von Lumia-Handys mit Windows Phone als Betriebssystem haben daher schlechte Karten.

Besser? Optische Pulsmessung

Schließlich verspricht eine vergleichsweise neue Messmethode mehr Komfort bei der Bestimmung der Herzfrequenz. Mehr als 20 Jahre setzte man im Sport auf den klassischen Brustgurt, der den Herzschlag per Funk auf die Armbanduhr oder den Radtacho schickte. Doch mehr und mehr etabliert sich die optische Messung direkt am Handgelenk. Dabei senden zwei grüne LEDs auf der Unterseite der Uhr Licht auf die Haut, ein Sensor in der Uhr misst die vom Blutdurchfluss und damit vom Puls abhängige Reflexion und errechnet daraus die Herzfrequenz.

Das Verfahren funktioniert ziemlich zuverlässig, die Werte sind meist EKG-genau. Nur bei bestimmten Hauttypen, niedrigen Temperaturen oder auch bei Nässe kommt es beim optischen Verfahren mitunter zu Problemen, andererseits stört kein Brustgurt. Zwei weitere Nachteile der optischen Messung am Handgelenk sollen nicht verschwiegen werden: Zum einen verbraucht sie deutlich mehr Strom, belastet also zusätzlich den Uhrakku.

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Die Epson-Uhr Runsense SF-810V verfügt über einen optischen LED-Sensor zur Messung des Pulses und bietet alle wesentlichen Funktionen für Outdoor-Aktivitäten.

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Zum zweiten kann sie (bisher) nicht die Herzfrequenzvariabilität messen, aus der sich wiederum wichtige Körperparameter wie Regenerationszeiten ermitteln lassen. Das aber ist nur für wirklich ambitionierte Sportler von Bedeutung.

Vier Produktkategorien

Auch wenn die neuesten Smartwatches die Kinderkrankheiten der ersten Generation überwunden haben und dank des speziellen Betriebssystems Android Wear (die Apple Watch natürlich ausgenommen) viele Funktionen bieten, eignen sie sich kaum für den Outdoor-Einsatz: Abgesehen von der brandneuen, noch nicht lieferbaren Casio Smart Outdoor Watch WSD-F10 sind sie zu empfindlich, die Batterielaufzeiten sind kurz, ein GPS-Chip fehlt.

Im Prinzip das Gleiche gilt für die Fitness- oder Aktivitäts-Tracker bzw. -armbänder: Von Ausnahmen abgesehen fehlt auch hier die für draußen fast unumgängliche GPS-Unterstützung, ihr Schwerpunkt ist und bleibt das Schritt- und Kalorienzählen im Haus- und Berufsalltag.

Bleiben also die GPS-Sportuhren, die für sämtliche Outdoor-Aktivitäten geradezu prädestiniert sind: zum Wandern, Mountainbiken, Skitourengehen und vielem mehr. Günstige Modelle von Markenherstellern gibt es im Online-Handel schon ab gut 100 Euro, Beispiele sind die Tomtom Runner und Multisport, die Polar M400 oder die Garmin Forerunner 15.

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Die Suunto-Uhr Traverse erlaubt unter anderem die Navigation entlang zuvor online geplanter Routen. Höhenmesser, Glonass-Unterstützung und Kompass kommen hinzu.

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Alle Uhren gibt es gegen Aufpreis mit Herzfrequenzmessung, die Polar- und Garmin-Modelle lassen sich per Funkbrustgurt nachrüsten. Tempo und zurückgelegte Strecke zeigen alle Uhren, je mehr Analyse- und Trainingsfunktionen hinzukommen, desto teurer werden sie. Da sollte sich aber jeder selbstkritisch fragen, ob man das wirklich braucht.

Tempo und zurückgelegte Strecke zeigen alle Uhren, je mehr Analyse- und Trainingsfunktionen hinzukommen, desto teurer werden sie. Da sollte sich aber jeder selbstkritisch fragen, ob man das wirklich braucht. Je nach Einsatzzweck sind Multisportmodelle sinnvoll, die beim Schwimmen sogar Bahnen zählen und über die Beckenlänge die Distanz ermitteln.

Schon diese Aufzählung zusätzlicher Funktionen zeigt die große Modellvielfalt, der Übergang von den einfachen zu den intelligenten Sportuhren ist fließend. Hier kommen Routen- oder Track-Navigation, ausgefeilte Sportprogramme, Funkschnittstellen für die Online-Anbindung, App-Unterstützung, Aktivitätstracking über Beschleunigungssensoren, barometrischer Höhenmesser und Kompass sowie die Unterstützung der russischen Glonass-Satelliten in Betracht. Die Tabelle fasst die Eigenschaften der verschiedenen Produktgruppen zusammen.

Die richtige Uhr

Die meisten Modelle hat Garmin im Sortiment, darunter die rund 500 Euro teure Epix-Uhr, die sogar digitale Landkarten auf dem Display zeigt. Zu einem beliebigen Ziel navigieren kann die Uhr anders als ein Auto-Navi und viele GPS-Geräte dennoch nicht. Und natürlich ist schon aufgrund der Displaygröße die Kartendarstellung eine Zusatzfunktion, als Ersatz für eine Papier- (oder große digitale) Karte kann sie nicht dienen.

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Casio bringt in Kürze seine intelligente Sportuhr Smart Outdoor Watch WSD-F10 auf den Markt, der Akku soll dank Stromspartechnik einen Monat halten.

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Bei Suunto sind neben der Ambit 3 Peak mit Routen-Navigation die Modelle Traverse und Vertical (jeweils ca. 420 Euro) hervorzuheben, Polar verfügt mit der V800 HR nur über ein hochwertiges Exemplar und bei Tomtom heißt es angesichts der verschiedenen Modelle und Generationen (1. und 2.) genau aufzupassen, welche Funktionen man benötigt.

Schließlich sind manche Uhren in zwei unterschiedlichen Größen für Damen und Herren erhältlich. Angesichts vieler Dutzend ganz unterschiedlich ausgestatteter Modelle macht eine konkrete Produktempfehlung wenig Sinn. Wichtig ist vielmehr, dass Sie sich selbst klarmachen, welche Funktionen für Sie wichtig sind und was Ihnen die Sache wert ist.

Garmin beispielsweise hat auf seiner Webseite eine komfortable Vergleichsoption. Denken Sie auch an die Möglichkeit, die Funktionalität durch das Koppeln mit externen Sensoren zu erweitern. Wichtig schließlich: Ein richtiges GPS-Gerät, das wie ein Auto-Navi zum Ziel navigiert und fast beliebige Karten auf einem größeren Bildschirm zeigt, ersetzt keine der derzeit erhältlichen smarten Uhren.

Text von Peter Stelzel-Morawietz

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