Gipfelglück und Panoramablick stehen bei Kindern nicht ganz oben auf der Prioritätenliste. Sie wollen in den Bergen etwas erleben. Das muss man als Erwachsener verstehen, dann wird die Bergfahrt kinderleicht.

Das Wandern ist vielleicht des Müllers Lust, aber nicht unbedingt des Kindes favorisierte Freizeitbeschäftigung. Damit der Nachwuchs Gefallen am Berg findet, gilt es, sich als Eltern ernsthaft Gedanken zu machen.

Mit der Wir-gehen-jetzt-mal-in-die-Berge-Devise kann der alpine Ausflug schnell in die Hose gehen. Aber mit richtiger Tourenplanung, einem gut gepackten Rucksack und passender Motivation kann das Projekt "Familie am Berg" nur gelingen.

Mit Kindern in die Berge

Für Kinder sind Gipfel nicht die reizvollsten Ziele.

| © Herbert Raffalt

Das Abenteuer, mit dem Nachwuchs die Berge zu erobern – sei es wandernd, bergsteigend, kletternd – gehört zu den spannendsten Erfahrungen für Eltern. Aber so wie die Kinder heranwachsen, verändern sich auch deren Interessen. Mit dem Vorschulkind gerade noch in den Voralpen über Hügel gewandert, plant man "plötzlich" eine alpine Mehrseillängentour mit Teenager im Hochgebirge.

Motivation

Mit Kindern in die Berge

Ausgiebige Pausen helfen die Stimmung hoch zu halten.

| © Herbert Raffalt

"Das ist so langweilig": Wenn der Nachwuchs keine Lust mehr hat, müssen die Eltern ran. Mit der Schönheit der Natur oder der herrlichen Ruhe im Wald lockt man bei Unlust kein Kind mehr hinter dem Ofen hervor.

Der Nachwuchs braucht dann den richtigen Ansporn zum Weiterlaufen oder gegebenenfalls muss eben eine „echte" Pause her, bei der Eltern sich Zeit nehmen fürs Spielen, Baden, Schnitzen etc. zusammen mit den Kindern.

Geht es dann weiter, ist Ablenkung in Form von Steine oder Blumen sammeln eine gute Strategie. Ebenso wie Verantwortung bei der Wegsuche zu übergeben. Motivierend wirkt sich auch das "Ziele setzen" aus wie "in der fünften Kehre gibt es etwas Leckeres zu trinken“ oder ähnliches.

Ernährung

Mit Kindern in die Berge

Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist für die Kleinen auch auf Tour wichtig.

| © Herbert Raffalt

Vorbei sind die Zeiten, als man beim Bergsteigen sagte: "Kein Schluck vor der Baumgrenze!" Kinder haben einen hohen Flüssigkeitsbedarf. Richtig ist, zwischendurch immer mal wieder zur Wasserflasche zu greifen und Flüssigkeit aufzunehmen (maximal 150 ml).

Der durchschnittliche Tagesbedarf für Sport treibende Kinder beträgt zwei bis drei Liter Flüssigkeit. Am besten eignen sich Wasser und Saftschorle. Bergsportgerechte Ernährung für Kinder heißt nicht, Eiweißdrink und Powerriegel in den Rucksack zu packen, sondern abwechslungsreiche, vollwertige Mischkost mit Obst, Gemüse, Müsliriegel und belegte Brote mitzunehmen. Ein paar Süßigkeiten als Belohnung sind natürlich erlaubt.

Tourenplanung

Mit Kindern in die Berge

Ein wenig Spannung motiviert ältere Kinder manchmal sehr gut.

| © Herbert Raffalt

Zuerst ist es wichtig, dass Eltern die Planung einer Tour, sei es Klettern, Wandern oder Bergsteigen, immer an den Fähigkeiten und Wünschen der Kinder ausrichten. Dabei müssen Schwierigkeit und Länge mit dem Können der Kinder sinnvoll in Einklang gebracht werden.

Überforderung auf Tour führt nicht nur zu einer grundsätzlichen Verweigerungshaltung der Kinder hinsichtlich Bergunternehmungen, sondern gefährdet den Nachwuchs auch. Denn Kinder sind physisch und psychisch deutlich schneller an ihren Grenzen als Erwachsene.

Touren mit Kindern sollten immer untergliedert sein, d.h. es gibt Etappenziele wie einen See, eine Einkehr oder eine versicherte Passage. Planen Sie vor allem genügend Zeit ein, damit gar nicht erst Stress aufkommt. Abstecher, Spielpausen und Motivationslöcher brauchen ein entsprechendes Zeitmanagement.

Als Faustformel für das Gehen mit Kindern gilt: mindestens 1,5 x Normalgehzeit für Erwachsene = ungefähre Gehzeit mit Kindern. Und last but not least: Rundwege sind viel spannender, als denselben Weg rauf- und runterzugehen.

Alter & Können

  • Kleinkinderalter (1 – 3 Jahre): In der Kraxe können kleine Touren unternommen werden, sobald das Kind alleine ausdauernd stabil (!) sitzen kann. Dabei muss man die Kleinen besonders vor Auskühlung und Überhitzung schützen. Insgesamt sollten Kleinkinder nicht länger als vier Stunden pro Tag in der Kraxe sitzen.

  • Vorschulalter (4 – 6 Jahre): Jetzt wollen Kinder ihre Umgebung entdecken. Deshalb sitzen sie nicht mehr gerne passiv in der Kraxe. Geeignet sind kleine, spielerisch gestaltete Wanderungen abseits von langweiligen Forstwegen. Oft ist ein Rundweg, ein See oder eine Hütte interessanter als der Gipfel.

  • Grundschulkindalter (7 – 10 Jahre): Ausdauer und Koordination verbessern sich merklich. Touren bis zu fünf Stunden sind möglich. Dabei sind auch anspruchsvollere Wegabschnitte wie Grate und "Kraxelstellen" wichtig, um Langeweile zu vermeiden.

  • Spätes Schulalter (11 – 14 Jahre): Jetzt wird es noch wichtiger, spannende Ziele anzuvisieren. Kondition und Koordination sind stark verbessert. Bei entsprechender Übung bieten sich Mehrtages-, Gletscher- oder Klettersteigtouren an.

Text von Romana Bloch

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