Unter uralten Kastanienbäumen durchs Eisacktal: Der Keschtnweg ist nicht nur im Herbst ein Erlebnis. Diese Farben, dieser Geschmack!

Die Morgensonne über dem Eisacktal bringt die Baumriesen von Feldthurns zum Leuchten. Einige Strahlen blitzen durchs Blätterdach auf den Waldboden, als wollten sie den Pfad markieren. Was gar nicht nötig wäre, schließlich ist der Keschtnweg bestens beschildert. Gut 60 Kilometer lang führt er auf alten Flur- und Handelswegen von Kloster Neustift vorbei an Brixen, dann nach Feldthurns, Klausen, Villanders, Barbian über das Rittner Hochplateau bis hinunter zur Burg Runkelstein bei Bozen.

Brotzeit
Zur Speck-Brotzeit darf ein guter Tropfen nicht fehlen. | © alpin.de

Zu dieser frühen Uhrzeit ist es angebracht, am Kastanien-Brand vom Radoarhof nur zu nippen. Ein Aroma wie ein ganzer Keschtn-wald ist das! Norbert Blasbichler bringt die Kastanie nicht nur gekonnt in die Flasche, er ist auch als einer der Mitinitiatoren des Keschtnwegs eine Art Kastanienpate: "Wir wollten die Kastanie ins Bewusstsein zurückholen und ein verbindendes Element schaffen", so der Biobauer. "Früher war die Esskastanie wichtiges Nahrungsmittel, war Brotersatz, wenn die Getreidevorräte aufgebraucht waren." Heute werde sie mehr und mehr wiederentdeckt.

Highlights am Keschtnweg sind natürlich vor allem die Haine aus uralten Kastanienbäumen, die im Sommer Schatten spenden, im Herbst in einen wahren Farbenrausch geraten, im Winter wie stumme Riesen in den Himmel greifen, um im Frühling mit zartem Grün aufzuwachen. Darum kann Peter Mitterrutzner sich auch gar nicht entscheiden, was er am schönsten findet. "Der Weg ist echt zu allen Jahreszeiten toll", sagt der Juniorchef und Koch vom Gasthof Wöhrmaurer in Feldthurns. Er muss es wissen, schließlich wuchs er unter einigen der ältesten Eisacktaler Kastanienbäumen auf.

Magdalena, eine Freundin aus Schultagen, ist zu Besuch und gemeinsam sind wir an diesem Morgen rund ums Dorf unterwegs. Mal sind die Bäume selbst die schönsten Fotomotive, dann wieder die grandiosen Panoramen, von dicken knorrigen Ästen eingerahmt. Eines davon sind die Geislerspitzen, die sich auf der anderen Talseite hoch über dem Dörfchen Teis in den Morgenhimmel schieben.

Schloss Veldthurns
Kultur am Keschtnweg: Schloss Veldthurns. | © alpin.de

An einigen Stellen werden Keschtnweg-Wanderer geleitet von den traditionellen Holzzäunen, bei denen die handgeschnitzten Latten aufwendig mit einem Flechtwerk aus elastischen Zweigen verbunden werden. "Die sind zum Glück wieder richtig in", erzählt Peter. Sie grenzen die blühenden Sommerweiden ab und verhindern, dass die Kühe sich nicht auf dem Keschtnweg aus dem Staub machen. Angesagt ist die Kastanie auch in der Südtiroler Küche. In vielen Restaurants stehen während der Kastanienzeit Kastanien-Schlutzkrapfen, Kastaniensuppe, Kastanieneis, Kastanientorte und vieles mehr auf der Speisekarte.

Im Gasthof Wöhrmaurer hat sich Peter Mitterrutzner auf Gourmet-Pizzen spezialisiert. So serviert er Pizzabrot mit Kastanienhonig, Blauschimmelkäse und Walnüssen. Wer Keschtn erwandern und in allen Variationen probieren möchte, sollte zur Törggelen-Zeit im Oktober und November kommen, wenn während der Eisacktaler Kastanienwochen viele Gastbetriebe von Vahrn bis auf den Ritten Kastanienspezialitäten auf der Karte haben.

ALPIN Info

Keschtnweg

Der Keschtnweg ist 61 km lang, kann in mehreren Etappen zurückgelegt werden und ist nicht nur im Herbst ein lohnendes Wanderziel. Entlang des Keschtnwegs zeugen Kunst- und Naturdenkmäler von einer Jahrhunderte alten Kultur, sagenumwobene Orte erzählen von Hexen, Feen und Geistern. Außerdem bieten immer wieder Direktvermarkter am Weg regionale Produkte an.

Karte/Literatur: Kompass Wanderkarte "Keschtnweg".

Schwierigkeitsgrad: je nach Etappe leicht bis mittelschwer.

Keschtnweg
Genuss pur: unterwegs am Keschtnweg. | © alpin.de

Etappe 1: Von Neustift nach Feldthurns: Kloster Neustift bei Brixen: Vahrn – St. Cyrill – Tötschling – Wöhrmann – Feldthurns Streckenlänge 15 km, Anstiege 500 m, Gehzeit ca. 5 Std. leichte bis mittelschwere Wanderung

Etappe 2: Feldthurns nach Barbian – mit Talabstieg nach Klausen: Feldthurns - Moar zu Viersch – Pardell – Kloster Säben – Klausen – Muttnerhof – Villanders/St. Moritz – Barbian. Streckenlänge 15 km, Anstiege 680 m, Gehzeit ca. 5 – 6 Std., leichte bis mittelschwere Wanderung.

Etappe 3: Von Barbian nach Leitach am Rittner Hochplateau: Barbian – Saubach – Kollmann/Rotwand – St. Verena – Antlas – Schmaleich – Leitach. Streckenlänge 14,8 km, Anstiege 450 m, Gehzeit ca. 5 Std., leichte bis mittelschwere Wanderung.

Etappe 4: Von Leitach am Rittner Hochplateau zum Schloss Runkelstein bei Bozen: Leitach – Unterinn – Signat – Katzenbachtal – Hof Peter Ploner – St. Peter – Schloss Runkelstein. Streckenlänge 14,2 km, Anstiege 390 m, Abstieg 520 m, Gehzeit ca. 5 Std., leichte bis mittelschwere Wanderung.

Bei Schloss Runkelstein Bozner Stadtbus-Haltestelle, Verbindung zum Bahnhof.

www.eisacktal.com/keschtnweg

www.klausen.it

Weitere Wege im Eisacktal

Birmehlweg: Verdings wurde früher oft auch spöttisch das "Birmehldorf" genannt. Zu diesem Namen kam der früher stark bäuerlich geprägte Weiler, da rund um die Siedlung besonders viele Birnbäume standen. Aus einigen Birnensorten (Dörrbirnen) wurde das "Birmehl" hergestellt. Zuerst wurden die entkernten oder ganzen Birnen getrocknet und so die sogenannten "Kloazen" (Kletzen) erzeugt. Zur Winterzeit hat man die "Kloazen" gefrieren lassen und zu "Birmehl" gemahlen. Dieses ersetzte früher als Süßmittel den teuren, meist unerschwinglichen Zucker. Längs des Pflasterweges wurden wieder neue Birnbäume angepflanzt. Der "Birmehlweg" startet in Verdings bei Klausen und führt hinunter zum Weiler Pardell, von dort hinauf zum schön gelegenen Hof Moar zu Viersch und über einen alten Pflasterweg wieder zurück zum Ausgangspunkt.http://www.sentres.com/de/themenwanderung/birmehlweg

Weitere Mittelgebirgswege im Eisacktal (neben dem Birmehlweg und dem Keschtnweg): http://www.eisacktal.com/de/tal-der-wege/wegetipps/mittelgebirgswanderungen/

Alle Fotos von Dietmar Denger. Auf Facebook: https://www.facebook.com/fotografiedietmardenger

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